Angst.
Novelle von Stefan Zweig,
(1925/S. Fischer/2010, Salzburger Festspiele).
Besprechung von Caro Wiesauer aus Kurier, Wien vom
29.7.2010:
Sieht man zu Beginn Elsie de Brauw als mädchenhaft
übermütige Gespielin mit Eduard (Stefan Hunstein) die postkoitale Erschöpfung
genießen, schlägt ihre Stimmung abrupt um, als sie am Heimweg einer scheinbar
skrupellosen Erpresserin (Katja Bürkle) begegnet. Nichts kann mehr sein, wie es
vorher war. Irenes Leben ist fortan vom Gefühl der Angeklagten, die auf ihre
Strafe wartet, geprägt.
Dass Irenes Peiniger ausgerechnet der eigene Ehemann ist, weiß André Jung in der
Rolle des gerechtigkeits-fanatischen Anwalts gut zu verbergen. Hinter der
friedlichen, umgänglichen Fassade lauert eine gekränkte Männerseele, die Irene
(fast) in den Tod treibt. Er hat die dankbarere, weil verhaltene und letztlich
zugespitzte Rolle in diesem Spiel.
Elsie de Brauw hingegen muss sich nicht nur durch die Verwandlungen Irenes - bis
hin zur schwer erträglichen Hysterie - kämpfen, sondern auch weite Teile der
Erzählpassagen übernehmen. Eine große Bürde.
Bei allen Anstrengungen und Feinheiten, die Wieler der Novelle entlockt hat,
bleibt die Geschichte doch in ihrer Zeit stecken. Sie funktioniert auf der
psychologischen Paar-Ebene, der Existenzkampf dahinter will sich aber nicht ins
Heute holen lassen.
Darüber kann Frau ja eigentlich froh sein. Und: Ein wirklich heutiges
Frauenschicksal ... sehen wir dann eben ein andermal.
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.kurier.at
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