1.) - 2.)

Angst.
Roman von Robert Harris (2011, Heyne).
Besprechung von Britta Heidemann in der WAZ vom 8.11.2011:

Die Matrix der Finanzmärkte
Robert Harris schrieb einen Börsen-Thriller hart entlang der Realität und erklärt die Finanzkrise als Machtaneignung von Computerprogrammen. Heute erscheint „Angst“ auf Deutsch.

Wenn die Finanzmärkte auch noch den letzten Winkel unserer Welt zu besetzen scheinen, ist es nur konsequent, dass ihre Gegner gleichzuziehen suchen. Und so hat es die „Occupy Wallstreet“-Bewegung längst ins Revier geschafft. „Occupy Bottrop“! Eine putzige Randnotiz im Globalchaos, in dem Horrorvisionen der Zukunft schon morgen Realität sein können.

Bestsellerautor Robert Harris musste ja erleben, wie seine eigene Fiktion ihn einholte. Als er begann, „The Fear Index“ zu schreiben, da war eine Pleite Griechenlands ein schier undenkbares Szenario. Wenn aber sein Thriller heute unter dem Titel „Angst“ auf Deutsch erscheint, kann man ihn fast schon als Sachbuch lesen: Harris Einlassungen zur Schuldenkrise sind letztlich nicht abstruser und schwindelerregender als alle anderen.

In der Nacht zum 6. Mai 2010 wird Dr. Alexander Hoffmann in seiner Genfer Luxusvilla überfallen. Zurück bleiben eine Kopfverletzung sowie tiefe Verunsicherung. Zuvor hatte Hoffmann von einem anonymen Schenker eine seltene Erstausgabe erhalten: Charles Darwins Buch über Gemütsbewegungen von 1872. Die Seite über „Angst“ war markiert.

Was ist das für ein Gefühl: Angst? Ein Schutzmechanismus, ein Übermutbremser. Einerseits. Andererseits ein Verstärker, der kleine Bewegungen an den Börsen in Abwärtsstrudel verwandeln kann. In der realen Welt misst der Index VIX, das „Angstbarometer“, dieses beherrschende Grundgefühl der Gegenwart.

In Harris Nochfiktion entwickelt Hoffmann, der als Wissenschaftler am Genfer CERN angestellt war, basierend auf dem VIX einen Computer-Algorithmus: ein Regelwerk also, das eigenständig an der Börse handelt. Wenn der Leser Hoffmann kennenlernt, ist er kreativer Kopf des Hedgefonds „Hoffmann Investment Technologies“. Am Tag nach dem Überfall hat sein Geschäftspartner, Hugo Qarry, Investoren eingeladen, um ihnen VIXAL-4 vorzustellen: einen selbstlernenden Algorithmus, der noch nie gesehene Gewinne erzielt. Doch die Dinge laufen aus dem Ruder. Nicht nur fühlt sich Hoffmann verfolgt. Kennern der Szene dürfte aufgefallen sein, dass der 6. Mai 2010 der Tag des „Flashcrashs“ ist, der den Dow Jones in Minutenschnelle um 1000 Punkte nach unten riss. An diesem Tag wurden in den USA 9,4 Mrd. Aktien bewegt, maßgeblich von Computern.

Wissen wir, was sie tun? „Algorithmen haben keine Fantasie. Sie geraten nicht in Panik. Deshalb eignen sie sich perfekt für den Handel an den Finanzmärkten“, erklärt Hoffmann den Investoren. Algorithmen aber haben auch kein Gewissen. Wo der Wissenschaftler das Geld als „toxisches Abfallprodukt“ seiner Forschung betrachtet, da will der künstlich intelligente Algorithmus Gewinn um jeden Preis. Und wenn er dafür seinen Schöpfer erledigen muss.

Das Genfer Steuerparadies, Milliardäre und Hedgefonds – Harris gelingt es, in der fernen Parallelwelt einen auf gruselige Weise plausiblen Thriller-Plot zu implementieren. Da ist Spannung programmiert.

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2.)

Angst.
Roman von Robert Harris (2011, Heyne).
Besprechung von Katrin Wiersch in den Nürnberger Nachrichten vom 4.01.2012:

Bestsellerautor Robert Harris am Puls der Zeit
Diese "Angst" ist echt

Die Finanzmärkte geraten außer Rand und Band, die Welt steht kurz vor einem nie dagewesenen Börsencrash, der gesamte Welthandel kurz vor dem Kollaps. Und das alles, weil Computer, die mittlerweile den Großteil der Aktiengeschäfte tätigen, ein irrsinniges Eigenleben entwickeln und vom Menschen nicht mehr kontrollierbar sind... Es ist erschreckend real geworden, was der britische Bestsellerautor Robert Harris („Pompeji“) in seinem neuesten Thriller „Angst“ beschreibt.

Sein Held, der geniale Programmierer Alex Hoffmann, entwickelt in Genf eine Software, die ständig dazulernt und die Angst auf dem internationalen Börsenparkett in ihre Berechnungen mit einplanen kann. Das Programm ist deshalb imstande, die Finanzmärkte vorauszuberechnen – und das mit unheimlicher Präzision.

Der Algorhythmus mit dem Namen Vixal 4 wird zum Milliardengeschäft für den Programmierer und seinen Geschäftspartner Hugo Quarry. In Millisekunden entscheidet dieser über den Kauf und Verkauf von Aktien, Fonds und anderen Wertpapieren.

Doch das Programm entwickelt ein Eigenleben und wird selbst für den Programmierer selbst nicht mehr beherrschbar. Gleichzeitig ist Hoffmann auf der Suche nach dem Menschen, der just in dem Moment sein Leben zerstören will, als er zum Milliardär aufsteigt. Auf dieser Suche wird er letztendlich zum Mörder und dabei auch noch von seiner Vergangenheit eingeholt.

In dem Chaos aus Paranoia, Gewalt und Weltuntergang kommt man als Leser kaum zum Verschnaufen. Mitunter schreibt Harris gar so, als wäre er selbst zum Börsenmakler mutiert. Laien verstehen da erst mal wenig – aber das macht auch einen Reiz dieses packenden Romans aus. Erst auf der vorletzten Seite wird schließlich klar, wer Hoffmann das Leben zur Hölle gemacht hat und warum das Programm außer Rand und Band gerät. Die Auflösung ist so simpel wie überraschend: Harris versteht es eben blendend, seine Leser gezielt in die Irre zu führen...

 

Die komplette Rezension mit Abb. finden Sie auch unter Nürnberger Nachrichten

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