Anderswoherz von Olaf Arens, 2014Anderswoherz.
Gedichte von Olaf Arens (
2014, epubli Verlag).
Besprechung von Michael Starcke für LYRIKwelt.de, Dezember 2014:

Das Anderswoherz rollt sich sanfter/ den Hügel hinauf
Olaf Arens ist eine neue und unnachahmliche Stimme im Kreis der NRW-Autoren, klug und belesen, ideen- und einfallsreich und lyrisch gesehen, wie ich glaube, eine richtig gute Entdeckung.

Ironisch beschreibt er seine Schreibarbeit wie folgt: „Trauerspiel// Wie aus dem/ Takt geratene Tänzer// tapsen meine Worte/ übers Papier, //seit die/ himmlischen Geigen/ schweigen.“

Aus verschiedenen vorausgegangenen Büchern, die leider viel zu wenig wahrgenommen worden sind, hat er jetzt unter dem Titel „Anderswoherz“ eine repräsentative Sammlung alter und neuer Arbeiten zusammengestellt und veröffentlicht, deren augenzwinkernde Aussage- und Ausdruckskraft jeden interessierten Leser freuen dürfte, der die kurze Form zu schätzen und zu rezipieren weiß.

Der Dichter Olaf Arens ist einer, der die Welt bereist, die nähere und die weite, ein neugieriger Beobachter, unterwegs auf den Straßen im Wechsel der Jahreszeiten, unterwegs mit und in seinen, manchmal skurrilen, oft melancholischen, Gedanken, dem, wie es Rainer W. Campmann einmal trefflich formulierte, erst etwas auffällt und dann etwas ein fällt, sehr viel zum ganz normalen Wahnsinn des alltäglichen Lebens und ich möchte meinen, viel mehr noch zu den Höhen und Tiefen der Liebe: „Graffito// Hätte ich/ geahnt, dass er/ für mich// längst/ abgefahren war, // hätte ich/ auf den Zug/ nicht noch/ deinen Namen/ gesprüht.“

Olaf Arens sinniert und philosophiert, teilt dem Leser seine Überlegungen, sein Erstaunen, seine Betroffenheit und seine Wahrnehmungen kurz und präzise mit, dass man denkt, man wäre dabei gewesen, ohne die Gabe zu besitzen, formulieren zu können wie er.

„Kirmes// Während/ die Liebe unentschlossen// pendelt zwischen/ Karussell und Geisterbahn, // gehen dem/ Glück in seiner Schießbude/ langsam// die Trostpreise aus.“

Oder: „Spiegel// Wenn das Spiegelbild/ am Abend// wieder so abgekämpft/ aussieht, // fragt man sich, / was es wohl für einen/ Tag gehabt hat, // aber es/ erzählt ja nichts.“

Die Schlussfolgerungen des Dichters, oft wie nebenbei und lakonisch formuliert, als ähnelten sie geschmuggelten Kassibern, zeigen einen mitfühlenden und sensiblen Menschen, der lebensnah Sehnsucht verspürt und hofft, aber auch politisch sein kann, um den Finger in Wunden zu legen, wie etwa in seinem Gedicht „Backrezept“, das zu lang ist, um es vollständig zu zitieren. Daher nur ein Ausschnitt an dieser Stelle:

„Das Menschenmaterial in gut erhitzte, / gefettete Schützengräben füllen, / sofort gut Verstreichen, / nach Belieben mit Giftgas und// chemischen Kampfstoffen bestäuben, …“

Das liest sich so bitter, wie es gemeint ist, so schwarz, wie der Dichter es vermitteln will als Appell an Herz und Vernunft, überhöht, um die beabsichtigte Wirkung zu zeitigen und zum Frieden aufzurufen, fordernd und alles andere als intellektuell.

Wie alle Dichter hat auch Olaf Arens Visionen und ein Gewissen: „Die dreibeinige Katze//

„Im Tausch für/ mein Schälchen/ Mitleid// legt sie mir/ eine tote Maus vor/ die Terrassentür, // gleich neben/ mein schlechtes/ Gewissen.“

Nicht unerwartet vertraut er der Kraft der Poesie, der Heimstatt seiner prägnanten und ungewöhnlichen Gedichte, wie man sie so noch nicht gelesen hat, obwohl man sich ein ums andere Mal an bekannte Redewendung, Zitate und Weisheiten erinnert fühlt, sind sie etwas Neues, vielleicht vom Kopf auf die Füße gestellt oder umgekehrt.

„Der Korb// Im Korb, / den ich von dir bekam, sammle ich// die auf meine Seite des/ Gartenzauns/ gefallenen Blicke.// Vielleicht/ ergeben sie am Ende ja/ ein Glas Poesie.“

Als Leser findet man schnell Gefallen an diesen Versen, die vom Unterwegssein erzählen, menschliche Stärken und Schwächen beschreiben, Gefühle und Situationen, Empfindungen und Natur und manchen Stätten, an die der Dichter reist, einprägsame und zarte Denkmale bauen wie beispielsweise Dublin: „In Dublin, / wenn es regnet, / liegt ein heiterer Nebel/ auf den Häusern/ und schwarzer Rauch/ tanzt über die Dächer.“

Oder Los Angeles: „Die Bewohner / erschrockener Beifang, // zappeln die Häuser im/ Netz der kerzengeraden Straßen. // Und täusche ich mich/ oder hat sich der// Hollywood- Schriftzug/ kurz verneigt.“

Während der Lektüre wähnt man sich bald, ein Gefährte des Dichters zu sein auf den Spuren seiner Gedankengänge, die man angesprochen, mitunter wie verzaubert, mit ihm teilt, manchmal womöglich verlegen, als fühle man sich ertappt, oder mitunter auch kritisch, als wolle man etwas verbergen, immer aber berührt und wundersam fasziniert von dieser Sammlung „Anderswoherz“, die auch bestens zum Verschenken geeignet ist auf der Suche nach etwas Außergewöhnlichem.

Behandeln wie zum Schluß noch einmal ein großes Thema des Dichters die Liebe aus sehr persönlicher Sicht: „Liebesgedicht// Wenn ich/ schon// für den/ Papierkorb/ schreibe, // dann/ wenigstens/ für deinen.“ Dem hat der Rezensent nichts hinzuzufügen.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter ]

Leseprobe I Buchbestellung 1214 LYRIKwelt - das LiteraturPortal im Internet! © Michael Starcke