Anarchy in the UKR.
Buch von Serhij Zhadan
, (2007, Luchterhand - Übertragung Claudia Dathe).
Besprechung von Christoph Schröder in DIE ZEIT, 31.1.2008:

Meine Jahre mit Wodka

Die Ukraine, so heißt es immer wieder, sein gespaltenes Land. Auf dem Feld der Literatur sind Juri Andruchowytsch und Sherij Zhadan als Symbolfiguren für diese unterschiedlichen geografisch-politischen Sozialisierungen aufgebaut worden: Andruchowytsch einerseits, der postmoderne Spieler, der in den Trümmern des habsburgischen Reiches den Dämonen der Sowjetunion nachspürt; Zhadan, Jahrgang 1974, der dort aufwuchs, wo es schmutzig war und ist, andererseits. Anarchy in the UKR, Zhadans neues Buch, ist nun eine strukturell wüste Sammlung von Texten: von nostalgisch-verklärt bis wütend-enttäuscht. Es sind Reisen durch die konkrete Gegenwart und die imaginierte Vergangenheit, die das erzählende Ich unternimmt und dabei auf allerlei Bizarres und Düsteres trifft; auf Kumpanen, die literweise Bier aus Plastiktüten saufen, auf Lastwagenfahrer in heruntergekommenen Kaschemmen am Rand der Landstraßen. Das Herzstück des Buches jedoch ist jener Part, der mit Meine Achtziger überschrieben ist und sich mit hemmungsloser Furor der Nostalgie einer Jugendzeit ausliefert: Starke Männer, die Wodka saufen und Autos mit der Hand aus dem Schlamm ziehen. Fußballtrainer, die versoffen, aber voller Begeisterung für die Sache sind. Hier liegt die Kraftquelle von Zhadans Schreiben - in der sprachlichen Leidenschaft. Das ist als Konzept ein wenig selbstgenügsam, schlägt aber in der kurzen Form erhellende Funken

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