Amor und andere Tyrannen von Jörn Strohner, 2010, PeriplanetaAmor und andere Tyrannen.
Sonette von Jörn Strohner (2010, Periplaneta).
Besprechung von Gerda Bruns für die Rezensionen-Welt, 02/2011:

Mehr als nur so nette Sonette
Dass sich heutzutage noch jemand mit Haut und Haar Sonetten verschreibt, ist selten, gerät doch das Sonett gar zu gern zum Korsett, das den in die Form gepressten Inhalt auch gepresst und unnatürlich wirken lässt.

Um so erstaunlicher die fast achtzig Sonette in dem ersten Gedichtband „Amor und andere Tyrannen“ von Jörn Strohner. In der „Edition Reimzwang“ des Berliner periplaneta Verlags veröffentlicht und alle formalen Kriterien eines Shakespeare-Sonetts erfüllend, erscheinen die versammelten Texte fast durchgängig leicht und natürlich – der Reimzwang löst sich auf in Gesang.

„So hoch schlug nie mein Herz – ich schwebe / Durch Winde, die kein Mensch gespürt – / Nur Götter wurden so berührt – / Ich flieg nicht nur, nein, ich lebe.“ – beginnt das Sonett „Verweigerung der Einsicht“, das den ersten und letzten Flug des Ikarus schildert, und endet mit der Quintessenz: „Die Flügel schmelzen mir, na und, / Ich bin ein Traum im Wolkenbund.“

Es die klare, unprätentiöse Sprache, die dem Gedicht etwas Beschwingtes gibt, und wenn Ikarus angesichts des nahen Todes noch die Gegenwart besitzt, „na und“ zu sagen und sich als Traum zu behaupten, ist diese Leichtigkeit trotz der Schwere des Themas symptomatisch für viele Gedichte im Band: „So unbeschwert bin ich und schwärme / Durch eine Welt die mich nicht meint.“

Erzählt wird – und man kann wirklich vom Erzählen sprechen, denn die Gedichte sind klar chronologisch geordnet – die Geschichte einer gescheiterten Liebe. Nicht ein Sonett, sondern achtundsiebzig Sonette für dieselbe Frau. Achtundsiebzig Sonette über die Tiefen einer Trennung, Erinnerungen, die an Jahrestage gebunden sind, „Gründe“ und „Vereinsamung“, wobei sich beim Lesen geradezu dramaturgische Spannung aufbaut, ob das lyrische Ich schlussendlich erhört wird oder sich von der Angesprochenen verabschiedet.

Wenige Worte weniger hätten an wenigen Stellen vielleicht noch mehr bewirkt, doch ist es eine klare Leistung dieser Sonette, lebendig und wahrhaftig zu sein. Offenbar werden hohes Formbewusstsein, Musikalität und ein reiches Innenleben, das durch die verinnerlichten Zeichnungen Daniel Grunewalds künstlerisch begleitet wird.

Die Leserin verlässt berührt / ein Buch, dem Leserschaft gebührt.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.rezensionenwelt.de]

Leseprobe I Buchbestellung 0311 LYRIKwelt - das LiteraturPortal im Internet! © Gerda Bruns