Am Fluß der Wohlgerüche.
Gedichte von Richard Dove (2008, Rimbaud-Verlag).
Besprechung von Martin Zingg in Neue Zürcher Zeitung vom 14.01.2009:

Aufenthalte im Unbekannten
Blick auf einen neuen Gedichtband

Der «Fluss der Wohlgerüche», auch «Parfümfluss» genannt, fliesst durch die alte Kaiserstadt Hué in Mittelvietnam – und «Am Fluss der Wohlgerüche» heisst auch der jüngste Gedichtband von Richard Dove. Der schmale, schön gedruckte Band versammelt Gedichte, die von einer Reise handeln. Sie haben einen erkennbaren Schauplatz, Vietnam, und betreten eine Welt, die eine Fülle von Verweisen schon mit sich bringt. Geschichte, natürlich, die koloniale Vergangenheit und der Vietnamkrieg, danach die allgegenwärtigen Spätfolgen der Bombardements, aber ebenso sehr eine intensive Landschaft und Menschen, welche nicht auf Anhieb zu verstehen sind.

Schwierige Gedichte?

Der Aufenthalt im Unbekannten schärft den Blick: Dove notiert in seinen Gedichten den Zusammenstoss von Geschichte und globalisierten Zeichen. Er mobilisiert aber auch das Vertraute, denn seine Gedichte sind gut rückversichert bei abendländischem Bildungsgut, das in vielen kleinen Anspielungen untergebracht ist und in Anmerkungen auch sorgfältig nachgewiesen wird. Angespielt wird auf Gedichte von Benn, Heine, Celan, Verlaine, Hölderlin oder George, sie alle scheinen dem Lyriker Rückendeckung zu geben beim Ansturm des Unvertrauten – das in vielem dann doch die Spuren des Eigenen trägt. In getragenem Ton nähert sich Dove dem Anderen, Fremden, und bisweilen greift er auch zurück auf einen strengen Rhythmus, um das zu sichern und zu tragen, was sich nur schwer einer vertrauten Ordnung fügen will.

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