Amandas Suche von Isabel Allende, 2014, SuhrkampAmandas Suche.
Roman von Isabel Allende (2014,
Suhrkamp - Übertragung Svenja Becker).
Besprechung von Ulrich Steinmetzger aus der NRZ vom 05.08.2014:

Allendes erster Krimi heißt „Amandas Suche“
Eigentlich wollte Isabel Allende ihren ersten Krimi gemeinsam mit ihrem Mann schreiben. Aber das hätte der Ehe nachhaltig geschadet. So ist „Amandas Suche“ ein literarisches Verbrechen geworden, das ganz allein aufs Konto der Erfolgsschriftstellerin geht


Das Ewig-Weibliche zieht uns bergan. So könnte die Formel lauten für das Grundrauschen aller Isabel-Allende-Romane, mit denen sie zuverlässig ihre weltweite Gemeinde beglückt. Sie entwirft darin Projektionsflächen für ein Gutmenschentum, das die Verhältnisse unterläuft. Eine durchgehende und mit ihr durchgehende Zuneigung zu ihren Figuren – es sei denn, es sind die Bösen – grundiert ihre Spielart des magischen Realismus.

Das ist auch diesmal nicht anders, obwohl das Buch anders ist. Eine vierhändig mit ihrem Mann Willie Gordon geschriebene Kriminalgeschichte sollte es werden, doch die Fortführung des Projektes über einen 24-stündigen Startversuch hinaus hätte die Ehe gefährdet. Also machte fortan jeder wieder seins, doch sie blieb beim Krimigenre. Im Multikulti-Schmelztiegel San Francisco lässt sie eine Reihe fantasievoller Morde geschehen. Einer hat einen Baseballschläger im Rektum, ein anderer eine Überdosis Heroin in der Halsschlagader, nie gibt es Kampfspuren. Obskures liegt nahe, fern jedoch eine Verbindung zwischen den Taten.„Mein Karma kann mich mal!“

Zumindest glaubt das Bob Martín. „Mein Karma kann mich mal!“, sagt er. Seine Arbeit als Chefinspektor ist die Aufklärung. Karma ist eine Sache für Frauen, für die er ansonsten leicht entflammt. Als ihre Mutter Indiana 15 war, hatte er zum Beispiel die titelgebende Amanda gezeugt. Die ist inzwischen in ihrer Hochpubertät. Sie ist dürr, unansehnlich und neigt zur altklugen Isolation. Von dort flüchtet sie ins Pseudonest von Social Media und in skandinavische Krimis, die so schön verzwickt vom Bösen handeln. Eine Synthese aus beiden Leidenschaften ist das Computerspiel „Ripper“.

Amanda ist Spielleiterin – und wird es umso mehr, als Indiana zum potenziellen Opfer wird. Als Heilerin glaubt sie, mit intuitiver Massage, Kristall- und Aromatherapie die Männer zu kurieren, doch die kommen eher wegen der „weitläufigen Landschaften ihres Dekolletés“. Doch nicht nur ihr Busen, auch ihr Herz ist groß. Sie ist eine typische Allende-Heroine in einer Szene aus Ökofreaks, Astrologinnen, New-Age-Aposteln, schwulen Whitney-Houston-Imitatoren, späten Hippies und anonymen Ex-Alkoholikern. Nicht zu vergessen Ryan Miller. Im Irak, in Afghanistan und Pakistan hat er sich diverse Traumata aufgeladen.

Ein Buch ächzt unter seiner Stofffülle

Nachdem sich der Roman unter seiner Stofffülle ächzend dorthin bewegt hat, darf der Veteran sich schließlich in einem fesselnden Showdown auch ausleben. Der vorangegangene gerechtigkeitsfanatisch sich hinziehende Rundumschlag gegenseitiger Offenbarungen à la „das Herz setzt nun mal seine eigenen Prioritäten“ weicht echter Action. Manche Andeutung von weiter vorn erfährt ihre logische Vernetzung, und was fürs Finale gilt, gilt auch für das Buch als Ganzes: Das ging gerade noch mal gut.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]

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