Alt ist dieses, unser Sprechen.
Gedichte von Jonas Mekas (2012, Matto - Übertragung Claudia Sinnig).
Besprechung von Cornelius Hell aus Der Standard, Wien vom 6.4.2013:

Jonas Mekas: Dokumente einer Poesie des Alltags
Eine zweisprachige Ausgabe macht den Filmemacher erstmals als auf Deutsch als Dichter zugänglich

Als Filmemacher ist Jonas Mekas weltberühmt, doch sein erstes künstlerisches Ausdrucksmittel, seine Poesie, kennen bislang nur die Litauer. 1948 konnte Mekas, den es im Krieg nach Deutschland verschlagen hatte, in Kassel seinen ersten Gedichtband herausbringen, die Idyllen von Semeniskiai - eine geradezu dokumentarische Poesie der alltäglichen Gegenstände und Verrichtungen des litauischen Dorfes, aus dem er kam und in das er nicht mehr zurückkehren konnte. Nennung und listenartige Aufzählung sind das Grundmaterial dieser Poesie, nicht Empfindungen oder Kommentare; Parallelen zu seinem späteren Filmschaffen sind deutlich zu erkennen.

Erst Jahrzehnte später veröffentlichte Mekas in New York weitere Gedichtbände; die Reminiszenzen von 1972 stehen in ihrem kommentarlosen Konstatieren von Vorgängen dem Erstlingswerk sehr nahe. Beginnend mit der Verszeile "Es war schon Sommer, als wir Flensburg verließen" lässt der acht Teile umfassende Zyklus Szenen aus der Nachkriegszeit in Deutschland Revue passieren. Es ist ein Glücksfall, dass beide Werke in einer prächtigen zweisprachigen Ausgabe den Dichter Jonas Mekas erstmals auf Deutsch zugänglich machen.

Hinweis: Gleichzeitig zur Mekas-Filmretrospektive widmet die Galerie Krinzinger Projekten von Mekas einen Schwerpunkt. Mekas wird zur Eröffnung am 8. 4., 19 Uhr (7., Schottenfeldgasse 45) anwesend sein. Cornelius Hell spricht zur Ausstellung.

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