Als wir Waisen waren von Kazuo Ishiguro, 2001, KnausAls wir Waisen waren.
Roman von Kazuo Ishiguro (2001, Knaus).
Besprechung von prop aus der Frankfurter Rundschau, 21.4.2001:

Shanghai unter der Lupe

Christopher Banks ist Detektiv im London der 30er Jahre, ein berühmter zumal. Seine Story ist allerdings eigentlich keine Detektivgeschichte - obwohl der japanische Autor Kazuo Ishiguro einen so englisch-aristokratischen Ton pflegt, dass der Leser glaubt, gleich müsse Sherlock Holmes um die Ecke kommen. Natürlich hat deshalb auch Banks eine große Lupe. Außerdem ein großes Herz für ein Waisenkind und keine Frauengeschichten. Nur eine - fast. So geht es in dem altmodisch anmutenden Roman vordergründig zwar um Banks' größten Fall - das Verschwinden seiner eigenen Eltern in Shanghai. In Rückblenden zeichnet der Autor aber auch das Psychogramm eines verwaisten Kindes. Jäh vertrieben aus dem Paradies seiner Kindheit, hat es als Erwachsener während des sich anbahnenden Krieges in Shanghai eine Mission zu erfüllen: seine vermutlich entführten Eltern zu finden. Dabei stolpert der Held zwischen den Trümmern herum, die Tschiang Kai-scheks Truppen und japanische Soldaten hinterlassen. Der Schauplatz ist spannend, die Geschichte auch, geschrieben ist sie routiniert und wirkt sehr szenisch. Schreit also nach Verfilmung.

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