Allmen und die Dahlien.
Roman von Martin Suter (2013, Diogenes).
Besprechung von Britta Heidemann in der WAZ vom 25.6.2013:

Heiße Ware und wahre Leidenschaft
„Allmen und die Dahlien“ ist Martin Suters dritter Band der Krimi-Reihe um den eleganten Ermittler Johann Friedrich von Allmen – und sein bisher bester.

Melancholie ist das Zauberwort. Eine Sehnsucht nach dem glanzvollen Gestern durchweht die Krimis von Martin Suter, eine Sehnsucht, die er geschickt seinem Ermittler Johann Friedrich von Allmen in die maßgeschneiderten Schuhe schiebt. Denn dieser kann derart schlecht wirtschaften, dass er einst „alte Familienerbstücke“ zu Geld machen musste, um seinen Lebensstil zu finanzieren – Erbstücke, die allerdings nicht immer der eigenen Familie gehörten. Bis er in einem flinken Seitenwechsel die Firma „Allmen International Inquiries“ gründete und nun selbst Diebes-Kunst aufspürt.

In seinem dritten Fall heftet sich Allmen an die Spur eines Dahlien-Sträußchens: gemalt von Henri Fantin-Latour, einst verschenkt als Liebesgabe an eine bezaubernde Frau namens Dalia. Diese, Dalia Gutbauer, ist inzwischen eine betagte Greisin und residiert in ihrem nobel verstaubten Schlosshotel am Zürcher Seeufer. Als der Millionen-Strauß aus ihrem Schlafzimmer verschwindet, engagiert sie Privatermittler Allmen – denn auch damals hatte ihr Liebhaber das Bild auf Wegen erworben, die nun jede polizeiliche Hilfe unmöglich machen. Und siehe, die Vergangenheit scheint sich zu wiederholen...

Es geht um Liebe: leidenschaftliche, enttäuschte, erkaltete, besitzergreifende, bittersüße. Und um heiße Ware. Ungewohnt romantisch kommt dieser neue Suter-Krimi daher. Zwar bleibt Allmen selbst dem Liebesreigen fern, doch hat immerhin sein guatemaltekischer Koch/Hausdiener/Zweitfahnder Carlos eine Dame an seiner Seite: Die schöne Mariá Moreno lässt sich als Zimmermädchen ins Schlosshotel einschleusen. Denn was wäre wichtiger als las relaciones, die Beziehungen der Menschen untereinander?

Suter setzt diesmal ganz auf das, was er am besten kann: beobachten. Statt rasanter Verfolgungsjagden oder halsbrecherischer Plots serviert er vergnügliche Einblicke in das Leben von Menschen, die in den Nobelhotels der Welt daheim sind – und trotzdem Mitleid wecken. Erst ganz am Ende wird Allmen aus der satten Lethargie eines bekennenden Genussmenschen gerissen. Denn Suter hat einen Cliffhanger eingebaut, der ans Herz geht. Sogar an Allmens.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

Leseprobe I Buchbestellung I home 0713 LYRIKwelt - das LiteraturPortal im Internet! © Westdeutsche Allgemeine