Allmen und der rosa Diamant.
Roman von Martin Suter (2011, Diogenes).
Besprechung von Britta Heidemann in der WAZ vom 7.7.2011:

Das Reichsein ist eine Frage der Haltung
Band zwei in Martin Suters neuer Krimireihe, „Allmen und der rosa Diamant“ ist nur mäßig spannend, enthüllt aber in aller Ironie intime Details aus der Welt des schönen Scheins.

Der Schweizer Autor Martin Suter war immer ein wenig erstaunt, wenn man seine Romane „Krimis“ nannte. Das kam, weil sie oft sehr spannend waren. Nun hat er in seiner ersten echten Krimireihe um den Zürcher Privatermittler Johann Friedrich von Allmen Band zwei vorgelegt. Jedoch: „Allmen und der rosa Diamant“ kommt ungefähr so aufregend daher wie der Fünf-Uhr-Tee in einem jener plüschigen Luxushotels, die Allmen bevorzugt.

Womit wir bei den unterhaltsamen Aspekten wären. Erneut porträtiert Suter ja mit feiner Beobachtungsgabe und kühler Ironie das Milieu der Zürcher Goldküste und des internationalen Geldadels. Sein schrulliger Privatermittler Allmen leistet sich auch dann Chauffeur und teure Weine, wenn er selbst grad in verfahrener Situation und nicht so flüssig ist. Reichsein ist ihm ein Lebensstil, wobei er zugeben muss: „Mit Geld fällt einem das Reichsein leichter.“

Der rosa Diamant

Allmens Verschwendungssucht hat sogar dazu geführt, dass das Detektiv-Büro „Allmen International Inquiries“ eigentlich seiner guatemaltekischer Haushaltshilfe Carlos gehört. Die beiden ziehen ei­nen großen Auftrag an Land: Sie sollen den Dieb des rosa Diamanten finden. Eine Schnitzeljagd führt über London und Zürich bis in ein Nobelhotel in Heiligendamm. Dort verdichten sich die Hinweise, dass es sich beim „rosa Diamanten“ um ein Programm handelt, das den Hochfrequenzhandel steuert.

Hier, in der Welt der New Economy, aber gerät Suter ins Schwimmen – so recht plausibel wird der Plot nicht. In der alten Welt, der der gediegenen Martinis in weichen Lounge-Sesseln, ist er wohl eher daheim. Und so können wir von Suters Allmen vor allem einen Lebensstil lernen. Wie zählte doch der junge Russe Sokolow so schön auf, was auf dem Lehrplan eines Neu-Millionärs steht: „Essen, Trinken, Anziehen, Reisen, Wohnen, Geschmack. Kurz: Reichsein.“

Am Ende hat Allmen, unser kleiner Lifestyle-Streber, sogar das Geld dazu.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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