All inclusive.
Gedichte + Kurzprosa von Christine Gradl (2002, Wiesenburg-Verlag).
Besprechung von Susanne Brietzke
, Würzburg:

Menschen, Mitmenschen, Situationen und Erinnerungen im Blickfeld.

Sichtweisen, welche in so manchen Passagen von Christine Gradls „All inclusive“ auch zu den eigenen werden. Interessant und sehr gut gelungen ist der Kontrast von kurzen Geschichten, Gedichten und Fotografien von Josef Gradl. Von kleinen, teilweise schon fast alltäglichen Begebenheiten bis zur Lebensgeschichte Veras „Schatten im Sommer“, die so real sind wie der Schnee vor der Haustüre. Die Worte von Christine Gradl lassen den Leser wieder spüren, was eigentlich wirklich wichtig ist. Sie spricht die Attentate des 11. September an („New York“), aber auch das Abschotten der Gesellschaft („Warum ich diese Zeilen gerade jetzt schreibe“), wendet sich gegen fest verankerte Vorurteile („Realität“), plädiert für das bewußte Hinsehen und für das Handeln. Besonders bewegt der Text „Lila Samstag“ über Oma 1 und Oma 2 und das spürbare Aufbegehren Christine Gradls gegen die Kälte und Egoismus um uns herum. Gegen die Inhaltslosigkeit die paradoxer weise so vielem innewohnt ... „Was bleibt, wenn er vorüber ist der Spaß?“.

Er ist zu spüren, der erhobene Zeigefinger, aber im Leser regt sich nicht der instinktive Widerspruch, sondern ihn beschleicht ein Gefühl, welches sich zuerst in der Halsgegend einnistet. („Doch grausame Realität verschließt meine Kehle mit dem ehernen Ring der Angst.“). Doch die Autorin zeigt uns, dass man aus seinen eigenen Erinnerungen wertvolle Kraft schöpfen kann. Kraft für das eigene Vermögen Realitäten ändern zu können. Deutlich in „Begegnungen“, „...zum Abschied küsst sie mir  die Fingerspitzen, die Frau aus Kathmandu. Aus Ihren Augen strömt neues Licht.“ Das Gefühl ändert sich langsam in Nachdenklichkeit und neuen Mut.

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Leseprobe I Buchbestellung 0402 LYRIKwelt © Wiesenburg-Verlag