Alles inklusive von Doris Dörrie, 2001, DiogenesAlles inklusive.
Roman von Doris Dörrie (2011, Diogenes).
Besprechung von Steffen Radlmaier in den Nürnberger Nachrichten vom 12.8.2011:

Die traurigen Kinder der alten Hippies
Tragikomische Unterhaltung: Doris Dörries Sommerroman „Alles inklusive“

Zu den verblassten Mythen der Gegenwart müssen längst auch die guten, alten Hippies gezählt werden. Warum das so ist, versucht Doris Dörrie in ihrem neuen Roman auf humorvolle Art zu erklären.

Alles inklusive“ handelt auf anrührende Weise von einem Generationskonflikt: Apple, eine nicht mehr ganz junge Frau, ist viel spießiger, als ihre Mutter Ingrid sich das jemals hat träumen lassen. In den wilden 70er Jahren haben die beiden den Sommer regelmäßig an einem Hippie-Strand in Spanien verbracht. Allerdings war der Aussteiger-Traum von Love & Peace schon damals ziemlich verlogen.

Heute ist die spanische Küste mit Hotelburgen zubetoniert, die lebenslustige Hippie-Mutter in die Jahre gekommen und ihre ordnungsliebende Tochter kreuzunglücklich mit ihrem (Gefühls-)Leben. Apple wäre so gern in ganz normalen, bürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen. Ingrid ist dagegen auch mit über 60 Jahren noch nicht richtig erwachsen. Eines immerhin verbindet die beiden: Mit Männern hatten sie nie Glück.

Die Filmregisseurin Doris Dörrie hat auch als Autorin ein Händchen für tragikomische Stoffe und Sinn für Humor. In dem neuen Roman arbeitet sie mit Rückblenden und wechselnden Erzählperspektiven und reiht Short Cuts aneinander, die auf wundersame Weise miteinander verknüpft sind. Nach und nach enthüllt sich die tragische Vorgeschichte: In Spanien hatte Ingrid einst eine Liebesaffäre mit dem verheirateten Banker Karl, dessen Frau sich daraufhin umgebracht hat. Dreißig Jahre später treffen sich die vom Schicksal gebeutelten Hauptpersonen zufällig wieder: Ingrid verbringt einen All-inclusive-Urlaub in Torremolinos, Karl hat sich dort in ein Altersheim zurückgezogen, sein Sohn fühlt sich als Frau und Apple hat sich einen Hund namens Dr. Freud zugelegt.

Gerade an den wahnwitzig bizarren Szenen mit dem kränklichen Mops, der zum Lebens- und Liebesersatzpartner für Apple wird, zeigt sich Dörries Talent, die Leser gleichzeitig zum Lachen und zum Weinen zu bringen. Der Mops wird zum Symbol für die Sehnsucht und Einsamkeit der Menschen, die nicht zum Glück berufen sind. Allenfalls können sie sich gegenseitig in ihrem Unglück etwas trösten.

Doris Dörrie hat einen leichten Sommerroman mit bitterem Beigeschmack geschrieben, teilweise hart am Rande der Karikatur. Vor Unwahrscheinlichkeiten scheut sie sich ebenso wenig wir vor heiklen Themen. Doch der Versuch, gesellschaftliche und persönliche Tragödien als Komödie zu tarnen, gelingt hier nur ansatzweise.

 Die vollständige Rezension von Steffen Radlmeier mit Abb. finden Sie unter Nürnberger Nachrichten!

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