Alle sieben Wellen von Daniel Glattauer, 2009, DeutickeAlle sieben Wellen.
Roman von Daniel Glattauer (2009, Deuticke).
Besprechung von Britta Heidemann in der WAZ vom 23.5.2009:

E-Mail-Romanze: Sie haben Post!
Daniel Glattauers E-Mail-Romanze um Emmi und Leo geht mit "Alle sieben Wellen" in die zweite Runde. Der österreichische Autor beweist nicht weniger als: die unterschätzten Möglichkeiten virtueller Kommunikation.

Hatten Sie je einen anonymen E-Mail-Flirt? 1. Ja? Dann wissen Sie ja, wie fantasieanregend, gefühlsexplosiv die elektronische Plauderei mit einem/r Fremden sein kann. 2. Nein? Dann lesen Sie Daniel Glattauer.

Hören Sie: Autor Daniel Glattauer liest aus seinem neuen Roman "Alle sieben Wellen" vor.

Emmi und Leo heißen die beiden, die sich virtuell aneinander wärmen: In Glattauers erstem Roman „Gut gegen Nordwind” schrecken sie vor einer realen Begegnung zurück, in der Fortsetzung „Alle sieben Wellen” wagen sie es. Dabei hat auch Leo unterdessen eine reale Beziehung und Emmi sowieso. Aber . . .

Keine Sorge, die Rezensentin ist verschwiegen. So wie Glattauer, der ob der Wellen, die seine „Sieben Wellen” geschlagen haben, auf Tauchstation gegangen ist. Wie sollte er all die Anfragen nach virtuellen Beziehungstipps beantworten? Schließlich ist er auch noch Journalist: Seit 15 Jahren schreibt der Wiener für den „Standard”. Woher rührt sein Erfolg? Der Inhalt ist – nun ja, üblich. Die Form aber ist ein Meeresstrudel mit Sogwirkung:

Eineinhalb Minuten später

AW: Emmi, warum, glaubst du, sitze ich hier seit knapp einer halben Stunde an meinem Computer?

30 Sekunden später

AW: Gute Frage. Warum?

Eine Minute später

AW: Um mich mit dir auszutauschen.

50 Sekunden später

AW: Stimmt. E-Mails sind geduldiger als Telefone. Das ist mein Glück!

40 Sekunden später

AW: Und bei E-Mails verbringt man auch die Zeit dazwischen miteinander.

30 Sekunden später

AW: Das ist das Gefährliche.

40 Sekunden später

AW: Stimmt. Und das Süchtigmachende zugleich.

Glattauers „Roman” ist ein gelungenes Experiment. Und ein Spiegel moderner Kommunikation. Im Spiegel sehen wir: Gefühl. Überraschend viel Gefühl. Haben Sie je eine Beziehungsdiskussion per E-Mail geführt? 1. Ja? Dann wissen Sie, wie Rede und Gegenrede sich verschachteln können. 2. Nein? Dann sei Ihnen gesagt: Beziehungs-Mails sind ein Kondensat. Intensiv, doch überlegt. Sie konzentrieren sich auf das Wichtige, das Innenleben ihrer Schreiber. In diesem E-Mail-„Roman” finden sich keine Landschaftsbetrachtungen, die als Metaphern dienen, keine Beschreibung von Mimik, Gestik, keine Rückblenden – all das fehlt und macht einen leichten, seichten Liebesroman nur größer. Macht ihn zum Beweis, dass die elektronische Kommunikation eine Bereicherung ist.

Ob Glattauer diesen Kommentar zur Schreibkultur beabsichtigte? Und wie es weitergeht mit Emmi und Leo? In Teil 3? Die Antworten kommen schnell: „Sie haben Post!”

Von: Daniel Glattauer

Thema: Drei Antworten

Liebe Britta Heidemann, hier meine Antworten auf ihre drei Fragen.

Die E-Mails sollten der Einstieg zu einer Liebesgeschichte sein. Ich hätte nie vermutet, dass dieser virtuelle Schreibdialog zwei Bücher hergibt.

Was aus Emmi und Leo wird, das hängt von den beiden ab. Ich habe das Bestmögliche für sie getan.

Ein Teil Drei ist für mich ausgeschlossen. Aber vielleicht will ihn wer anderer schreiben.

Alles Liebe, Daniel Glattauer

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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