Alles geht zu Ende von Laura Lenz, 2001, Fouqué-VerlagAlles geht zu Ende.
Roman von Laura Lenz (2001, Fouqué-Literaturverlag).
Besprechung von Jürgen Wönne aus Resonanz-Theater, Saarbrücken:

Im zarten Alter von 14 Jahren schrieb die heute 16jährige Gymnasiastin Laura Lenz ihren ersten Roman innerhalb von knapp sechs Wochen.
Bei ‚Roman' denkt man vielleicht an Bildungsroman, Entwicklungsroman, Schicksalsroman.
Ich nenne Lauras Werk einen Kreislaufroman. Ein ewiger Kreislauf von Schicksal und Zufall wird geschildert. Schicksal und Zufall? Gibt's da überhaupt einen Unterschied? Ist das nur ein Definitionsproblem?
‚Alles geht zu Ende'. Auch ein Kreislauf: Geburt und Tod. Dazwischen das Leben, Jugend, Hochzeit, Erfolg, Karriere, eventueller Einzug ins Weiße Haus. Und das Ende? Der Tod. Natürlich: als Erlösung, als Überraschung, als Tragödie, vielleicht erwartet, eventuell erhofft.
.Unglück: durch Mord, durch Attentat. Tod durch eine tödliche Krankheit. Und wieder die Frage, die ich mir als Leser stelle: Schicksale? Zufälle? Eine tödliche Krankheit: Ein Schicksal!
Vielleicht durch einen unglücklichen Zufall ausgelöst? Das Mordopfer: Ein Schicksal?! Das Attentat: war es vorhersehbar? Vielleicht provoziert, ungewollt?
Auf den fast 70 Seiten des in prägnanten Sätzen flüssig geschriebenen Romans sterben fast mehr Leute, als das Buch Seiten hat.
Bewusst arbeitet die Autorin mit Typisierung statt der im Roman üblicheren Charakterisierung.
"Im Buch sterben so viele Menschen, dass man quasi keine Zeit mehr zum Trauern hat. Der Tod ist hier als Symbol gedacht, der trotz seiner penetranten Häufigkeit nicht verarbeitet, sondern eigentlich nur verdrängt wird." (persönliche Mail der Autorin)
Es ist Dienstag, der 11. September 01. Nachmittags. Eigentlich war gestern Redaktionsschluss. Ich überfliege das Buch noch einmal, während der Fernseher läuft. Ein Flugzeugabsturz im Buch, die Sendung im Fernseher wird unterbrochen. Ein Flugzeugabsturz in New York, schlimmer noch, die Maschine hat ein Hochhaus gerammt. Schicksal für die Opfer? Ein glücklicher Zufall für den, der heute morgen (9.00 Uhr Ortszeit NY) verschlafen hat! Eine zweite Maschine knallt in den anderen Turm des World Trade Centers. Die Wirklichkeit hat das Buch längst überholt. Ein Attentat mit nie vorher da gewesenen Ausmaßen ist geschehen.
Das Buch spielt zufällig auch zum Teil in New York. Die in Ludwigshafen geborene Laura hat eine Schwäche für Großstädte.
Rasch tritt der Tod den Menschen an
Es ist ihm keine Frist gegeben
Es reißt ihn mitten aus der Bahn
Es reißt ihn fort vom vollen Leben,,,

Ja, auch Gedichte gibt's in dem Buch. Inzwischen rast eine weitere Boeing ins Pentagon. Tausende von Menschen reißt es in Minuten aus der Bahn.
"Ich möchte zeigen, wie schnell sich alles ändern kann, und dass auch Reichtum und politische Macht nicht vor Unglück schützen ... Es ist alles vergänglich."
Ein viertes Flugzeug stürzt ab.
Eine neue Realität ist gerade hinzugekommen. Der eigene Tod wird jahrelang geplant, sich intensiv darauf vorbereitet. Und bewusst werden all die mitgenommen, die sich zufällig am Ort des Geschehens befinden. Schicksal!
Im Buch gibt es die Ich- Erzählerin Nadja, die erst ganz am Schluss mit 70 Jahren an Krebs stirbt.
"Was ist mächtiger als der Tod? Der, der lachen kann, wenn er droht." (Buchzitat)
In New York konnte bestimmt keiner lachen, als eine Boeing durchs Büro schoss..
Das Fazit dieses lesenswerten Buches, das übrigens bereits auf den Buchmessen in Frankfurt und New York vorgestellt wurde, ist:
" Genieße jeden schönen Moment deines Lebens, es kann sich alles plötzlich ändern."
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Übrigens der Name der Protagonistin ‚Nadja' bedeutet Hoffnung.

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