Allein unter Schildkröten von Marit Kaldhol, 2012, MixtvisionAllein unter Schildkröten.
Prosa von Marit Kaldhol (2012, Mixtvision).
Besprechung von Maren Schürmann in der WAZ, vom 11.02.2012:

Unter dem Panzer
Die Norwegerin Marit Kaldhol bringt Licht in die düstere Innenwelt eines jungen Mannes, der den Lebensmut verliert

Mikke istwie viele 18-Jährigeund' doch auch wieder nicht. Er ist schlau, hat eine Freundin, Freunde und eine Mutter, die ihn lieben. Wenn da nur nicht diese Nächte wären, in denen es unmöglich ist, einzuschlafen, und unmöglich, wach zu bleiben. Dann schreibt Mikke seine Gedanken auf. Und die werden von Nacht zu Nacht düsterer. Marit Kaldhol erzählt von diesem Menschen ohne Lebensmut in ihrem bewegenden Roman "Allein unter Schildkröten".

Mikke würde gerne einmal mit Meeresschildkröten schwimmen. Alle Informationen über sie saugt er auf wie ein Schwamm. Bis auch sie für ihn kein Trost mehr sind und die Finsternis ihn in die Tiefe zieht. Als die Mutter eines Tages nach Hause kommt, ist es still in der Wohnung. Zu still.

Der zweite Teil des Buches beginnt, über die Trauer der Mutter, die in Gedanken mit ihrem toten Sohn spricht. Den Vater, der ihm einen Brief schreibt. Die Freundin, die mit Listen versucht, das Unbegreifliche zu fassen. So viele Fragen an ihn - an sich. Hätte ich es verhindern können?

Marit Kaldhol hat bereits mit "Abschied von Rune" ein Kinderbuch über Trauer geschrieben, für das sie den Deutschen Jugendliteraturpreis bekam. Ihr neuer, in Norwegen viel beachteter Roman richtet sich an Jugendliche. Doch auch Erwachsene wird die bildreiche Sprache, die tiefgründige Geschichte berühren. Die Autorin verharmlost nicht, klagt aber auch nicht an. Sie lässt Zweifel und Trauer spüren, doch zwischen all den düsteren Gedanken blitzt immer wieder der wichtigste auf: Das Leben lohnt sich!

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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