Ein
Bilderbuch.
mit Texten von Ilse
Aichinger (2006, S. Fischer, Fotos von Stefan Moses, Vorwort Michael
Krüger).
Besprechung von Simone
Dattenberger im Münchner
Merkur, 27.10.2006:
Akademie:
Bildnis der Dichterin
Moses-Fotos von Ilse Aichinger
„Zum ersten/ musst du glauben,/ dass es Tag wird,/ wenn die Sonne steigt,/ Wenn du es aber nicht glaubst,/ sage ja.” Die Dichterin Ilse Aichinger gehört wie der Fotograf Stefan Moses der Bayerischen Akademie der Schönen Künste an. Zu ihrem 85. Geburtstag am 1. November gibt es ein interdisziplinäres „Fest”, und zwar die Ausstellung „Ilse Aichinger Fotogeschichten von Stefan Moses” (Münchner Residenz).
Der 1928 Geborene (Schlesien) und die 1921
Geborene (Österreich) sind seit Jahrzehnten befreundet die ersten
Fotografien stammen aus den 70er-Jahren und teilen das Schicksal: Als Kinder
eines jüdischen und eines christlichen Elternteils überlebten sie mit Müh und
Not die Nazi-Zeit. Moses bekennt: Die „wunderbare ,Spiegelgeschichte’
berauschte mich schon früh”. Dieser Text reflektiert künstlerisch jenes
gefährdete Sein. So ist Moses Blick mit inniger Aufmerksamkeit auf sein
Gegenüber gerichtet: im Wald, auf der Wiese, in der Wohnung, mit den Kindern
und Freunden, mit der Zwillingsschwester oder im Kaffeehaus.'
Moses hat Serien zusammengestellt, auch mit unveröffentlichten Aufnahmen, die
nicht nur einen Lebenslauf begleiten, sondern zugleich deutlich machen, wie Ilse
und Stefan durch das Fotografieren in einem besonderen Gespräch bleiben vom
Blödeln bis zum Philosophieren. Und bis in die Nähe der Hinfälligkeit, des
Todes. Aichinger im Rollstuhl ihr Freund aber zaubert in gekippten Bildern
daraus eine verrückte, lebenstrotzige Dynamik.
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.merkur-online.de]
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