Adams Kostüm von laus Merz, 2001, Haymon-VerlagAdams Kostüm.
Erzählungen von Klaus Merz (2001, Haymon).
Besprechung von Andrea Winkler aus Rezensionen-online *Sz*, März 2002:

Eine traurige Wildnis, sagte ich.

In den Erzählungen aus "Adams Kostüm" klaffen Abgründe. Die Protagonisten sind insofern eine (literarische) Rarität als sie diese teilweise tatsächlich zu überwinden versuchen (und es vielleicht sogar schaffen), natürlich weil sie, wenigstens für kurze Zeit, glücklich lieben. In "Fast Nacht" stoßen wir auf Kern, der sich nach einem Beinahe-Selbstmordversuch für viele Wochen in die Klinik begibt, wo er scheinbar eine neue Haltung zum Leben gewinnt - nicht zuletzt aufgrund seiner Therapeutin, aus deren Perspektive das Geschehen großteils geschildert wird. Wie Kern selbst riskiert sie es, weltvergessen und kühn zu sein und damit für ein paar Stunden glücklich. Angeblich ist sie das auch am Ende, als Kern die Klinik gesund und munter verlässt, um zu Frau und Kindern heimzukehren. Das befremdet ein wenig und erinnert an die unzähligen Variationen der Literaturgeschichte, in denen sich die Wünsche (männlicher) Autoren gar zu unglaubhaft in den Blick der (weiblichen) Ich-Erzählerinnen oder Protagonistinnen einschreiben.

Weniger durchsichtig geht es in der zweiten, der Titelerzählung, zu: Evelin und Adam, einander beim dörflichen Maskenball in recht jungem Alter, aber folgenreich in die Arme gefallen und dann aus traurigen Umständen voneinander getrennt, treffen zwölf Jahre später wieder zusammen, ausgerechnet bei einem von Evelin veranstalteten Klassentreffen. Innerhalb dieser Rahmenerzählung einer ziemlich ungewöhnlichen Liebe werden fragmentarisch Bilder von Menschen und Lebensläufen (oder besser: Brüchen) entworfen und verschränkt, die in ihrer Tragikomik an die Phantasien guter Kabarettisten denken lassen.

Merz erzählt in Andeutungen und lässt den LeserInnen selber genug Raum zum "Mitschreiben zwischen den Zeilen". Je ärmer an gar zu kunstvollen Metaphern sich diese ausnehmen, je knapper die Sprache, desto gelungener die Darstellung einer Wirklichkeit, die nur noch bruchstückhaft und reduziert "in eine Form" gebracht werden kann.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.rezensionen-online.at Die Literaturdatenbank des Österreichischen BibliotheksWerks - Medium]

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