Abschied von der Schwester von Gabriele Wohmann, 2001, PendoAbschied von der Schwester.
Roman von Gabriele Wohmann (2001, Pendo-Verlag).
Besprechung von Jutta Kleedorfer aus Rezensionen-online *bn*. 2001:

Autobiografische wie chronologische Aufzeichnungen geben die Stichworte zur literarischen Auseinandersetzung mit Sterben und Tod. (DR)

Als bei der älteren Schwester ein inoperabler Gehirntumor festgestellt wird, beginnt eine fünfjährige Zeit des Abschiednehmens, die von der jüngeren Schwester literarisch aufgearbeitet wird. Tagebuchartige, chronologische Eintragungen geben Einblick in die aktuellen Tagesereignisse, während in den daran anschließenden Erzählabschnitten versucht wird, die bitteren, schmerzhaften, aufwühlenden Erfahrungen des Abschiednehmens, der Ohnmacht, des Loslassen-Müssens, des unwiederbringlichen Verlusts gedanklich zu fassen, zu verbalisieren und emotional zu verkraften. Beide Schwestern, seit Kindheit eng miteinander verbunden und einander bis in kleinste Gesten und sprachliche Gebärden vertraut, sind gezwungen, bis an ihre physischen wie psychischen Grenzen zu gehen. Ehrlich, schonungslos, berührend und unsentimental wird der Prozess des Abschiednehmens und Loslassens als ein notwendiger Teil des Lebens beschrieben, in dem die Grenzen menschlicher Leidensfähigkeit aufgezeigt und Sinnfragen gestellt werden. Schreiben wird für die Autorin zu einer persönlichen Schmerz-Therapie, während für den Lesenden die Texte jene Ängste aufarbeiten helfen, die alle Menschen angesichts von unheilbarer Krankheit, im Umgang mit Sterbenskranken und im Bewusstsein des unausweichlichen Todes erfassen. "Wir alle spielen, wer es weiß, ist klug" - dieses Schnitzler-Zitat leitet unausgesprochen zur abschließenden Begräbnisszene über, eine Farewell-Farce in der Art der fiktiven Miss-Briggs-Romane, über die sich beide Schwestern indirekt zu verständigen wussten. So heißt es auch zum Schluss: "Ein Spiel ist es immer gewesen. Wir spielen ja bloß, Liebling, alles wie immer. Ich spiele, damit du mitspielst, so lang nichts Besseres geboten wird."

Dieses Buch der Bekenntnisse - Confessiones - zu Leid und Tod eines geliebten Menschen verweist auf die Möglichkeit von Literatur und Sprache, die Endlichkeit des Seins zu begreifen, das Unausweichliche zu ertragen und dennoch die Hoffnung nicht aufzugeben.

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