Abgetaucht von Eugen Herman-Friede, 2004, Gerstenberg

Abgetaucht! Als U-Boot im Widerstand.
Roman von Eugen Herman-Friede (2004, Gerstenberg).
Besprechung von Ursula Silvester für die Rezensionen-Welt, 05/2005:

In diesem Buch erzählt Eugen Herman-Friede über sein Leben als jüdischer Knabe und Jüngling zu Beginn des zweiten Weltkrieges. Obwohl der Inhalt eher dem Bereich Biographie zuzuordnen ist, ist der Aufbau einem Roman gleichgestellt und dadurch besonders leicht lesbar und äußerst verständlich. Der Leser liest nicht nur "über" einige Schicksale dieser Zeit, sondern befindet sich mittendrin, v.a. da auch realistisch gestaltete Dialoge nicht zu kurz kommen.
Was dieses Werk besonders kennzeichnet - und von vielen seiner Art abhebt - ist, dass der Autor nicht in Selbstmitleid über die vergangenen Schandtaten versinkt und die Leser mit Horrorszenarien schockiert. Die Betrachtung aus der Sicht des jungen Herman-Friede über die politischen Geschehnisse sind zwar nicht emotionslos, aber trotzdem ein Beweis, dass auch die Verfolgten ihren Stolz und ihre Würde hatten und diese auch - trotz etlicher Schicksalsschläge - nicht verloren haben. Der Autor zeigt, dass es auch viele bewundernswerte Menschen gab, welche die Hoffnung niemals aufgaben und aktiv am Widerstand gegen den Nationalismus beteiligt waren, ohne Rücksicht auf sich selbst. Vor allem die Tatsache, dass auch viele "Nichtjuden" an diesem Widerstand und an Hilfsaktionen beteiligt waren, spielte sicher eine Rolle in der damaligen Gelassenheit des Autors.
Das Buch ist für all jene Leser geeignet, die Interesse an wahren Geschichten von Zeugen des Nationalismus haben und aufgrund seiner Struktur besonders empfehlenswert.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.rezensionen-welt.de]

Leseprobe I Buchbestellung 0505 LYRIKwelt © Ursula Silvester