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| Foto: Ekko von Schwichow www.schwichow.de |
In Nürnberg ist Serhij Zhadan kein Unbekannter. Mehrfach war
der Schriftsteller aus der Partnerstadt Charkiw schon hier zu Gast, einmal auch
als Hermann-Kesten-Stipendiat. Vor kurzem
ist sein Roman „Hymne der demokratischen Jugend“ als Suhrkamp-Taschenbuch
erschienen.
Der promovierte Germanist, der fließend deutsch spricht, stellte sich beim
„Runden Tisch Ukraine“ als politisch engagierter und literarisch ambitionierter
Autor vor. Zuerst las er seinen Essay „Wie viele Ukrainen gibt es?“ über die
kulturelle Identität der russisch geprägten Ost-Ukraine, zu der auch Charkiw
gehört. Danach trug er sein Poem „Steine“ im Original vor, die deutsche
Übersetzung las der Schauspieler Thomas Witte.
Auch zwanzig Jahre nach Auflösung der Sowjetunion ist die Ukraine noch auf der
Suche nach einer eigenen Identität. Laut Zhadan zeigt sich das deutlich am
Sprachproblem: Offiziell ist Ukrainisch Staatssprache, aber im Osten des Landes
wird überwiegend Russisch gesprochen. Die russische Sprache wird aber auch von
Europa-Gegnern, die vom Anschluss an Russland träumen, politisch
instrumentalisiert.
Erst in letzter Zeit sei ein Wandel zu beobachten, meint Zhadan. Die junge
Generation in den Städten verwende beide Sprachen ohne politische
Hintergedanken. Besondere Hoffnung setzt Zhadan auf die akademische Jugend –
allein in der einstigen Industriemetropole Charkiw gibt es über 200000
Studenten.
Von einer Aufteilung der Ukraine in einen westlichen und einen östlichen Teil
hält der junge Autor gar nichts. Wenig Vertrauen hat er in die politischen
Parteien seines Landes. Nur eine breite Bürgerbewegung könne die mächtige
Oligarchie in der Ukraine überwinden.
In dem korrupten Land gelten Schrifsteller als letzte moralische Instanzen, was
auch das enorme Interesse an Literatur erklärt. Zhadan gilt als Star und liest
regelmäßig vor mehreren hundert Zuhörern. Ende dieser Woche kehrt er nach einem
Jahr in Berlin zurück in seine Heimat. „Ich freue mich. Dort sind meine Leser
und meine Themen.“ Im Gepäck hat er seinen neuen Roman „Veroshilovgrad“, der
2012 in deutscher Übersetzung erscheint.
Die komplette Rezension von radl
mit Abb. finden Sie unter
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Leseprobe I Buchbestellung 0311 LYRIKwelt © Nürnberger Nachrichten