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Quelle: Hans Weingartz |
Autorin
Juli Zeh über ihr Text-/Musikprojekt mit Slut
«Schallnovelle» wird
am Montag im Erlanger E-Werk präsentiert
Von S. Mössler-Rademacher aus
den Nürnberger Nachrichten
vom 10.10.2009:
«Corpus Delicti»: Das Theaterstück und der Roman von Juli
Zeh sind zum Ausgangspunkt eines Projektes geworden, das Genregrenzen sprengt.
Das düstere Szenario einer Gesundheitsdiktatur wird hier im Zusammenspiel mit
der Rockband «Slut» zur «Schallnovelle». Die EN sprachen am Rande des
Poetenfests mit der Erfolgsautorin, die zusammen mit «Slut» am Montag, 12.
Oktober, um 21 Uhr im E-Werk gastiert.
Aus dem Theaterstück «Corpus Delicti» wurde ein Roman, nun folgt die
«Schallnovelle». Was hat Sie dazu gebracht, ein Thema in verschiedenen
Darstellungsformen zu variieren?
Juli Zeh: Das liegt vor allem daran, dass es ursprünglich ungewöhnlich für mich
war, ein Theaterstück, noch dazu als Auftragswerk, zu schreiben. Nachdem ich
damit fertig war, blieb das Gefühl: Wenn es kein Buch wird, dann ist es nichts
Eigentliches. Das war der Grund für den Roman. Die Kooperation mit «Slut»
hingegen war wirklich Zufall. Wir waren gemeinsam zu einer Veranstaltung
eingeladen worden, um dort etwas zusammen auf die Beine zu stellen. Wir lernten
uns kennen, hatten viel Spaß und erzeugten zusammen eine ungeheure Energie.
Deshalb beschlossen wir, noch etwas richtig Großes zusammen zu machen. Ein
Projekt auf der Grundlage von «Corpus Delicti».
Wie geht man an so ein Projekt ran? Bekommt die Band die Texte und sagt man als
Autor: «Macht mal!», oder kommen die Musiker mit Stücken zu Ihnen?
Zeh: Die hatten natürlich das Buch gelesen und schon begonnen, daraufhin zu
komponieren, inspiriert vom Thema und von der Atmosphäre des Romans. Ich habe
dann aber vor allem Fragmente, von denen ich glaube, dass sie besonders wichtig
sind, aus dem Text herausgerissen. Dann habe ich diese zum ersten Treffen
mitgebracht, und wir haben sofort im Studio begonnen, damit zu spielen.
Für Sie war das ein Akt des Zerlegens Ihres Romans...
Zeh: Total. Alles wurde zerlegt. Aber nur aus diesem Grund hatte ich auch Lust,
das zu machen. Quasi alles nochmal mit anderen Mitteln zu erzählen, hätte ich
nicht so spannend gefunden. Wir haben den Text wirklich komplett zerlegt und uns
das herausgenommen, was wir brauchen konnten.
Konnte die Band dabei mitreden?
Zeh: Natürlich. Die haben sich manchmal einfach rausgehalten, weil sie das
Gefühl hatten, dass ich mehr Erfahrung im Umgang mit Texten hätte. So wie ich
bei der Musik natürlich nicht so viel mitgeredet habe. Doch der Prozess war
total offen. Wir haben quasi den Sack aufgemacht, alles reingeschüttelt,
rumgerührt und etwas ganz Neues aus der Taufe gehoben. Alle durften alles sagen,
alles kritisieren.
Wie funktioniert nach der CD-Aufnahme die nächste Herausforderung: Das
literarische Konzert ...?
Zeh: Wir wussten, wenn wir das Projekt auf die Beine stellen, wollen wir
unbedingt eine Tour. Da das etwas ist, was man live besonders gut zelebrieren
kann.
Wie funktioniert das praktisch? Stehen Sie am Lesepult, die Band daneben?
Zeh: Ein Pult schon gar nicht, ein Tisch ebensowenig (lacht). Es soll etwas
Bewegtes werden. Wir sind während der CD-Produktion ein wenig zu Schauspielern
und ein wenig zu Sängerinnen mutiert, Bandmitglieder zudem zu Vorlesern. Mit dem
Format Lesung hat das nichts zu tun. Es ist zwar viel Textanteil, doch der wird
nicht gelesen, sondern aninszeniert. Mit Hilfe der Musik wird der Text zum Leben
erweckt.
Und das Publikum sitzt dabei, lauscht und staunt...
Zeh: Wir haben darum gebeten, die Veranstaltungsorte nur teilweise zu bestuhlen.
Es wird ja nicht die ganze Zeit durchgerockt. Deshalb haben wir gedacht, dass es
nicht schlecht wäre, wenn Leute auch sitzen können. Man kann aber genau so gut
dabei stehen – oder tanzen (lacht).
Die komplette Besprechung von
S. Mössler-Rademacher mit Abb. finden Sie unter
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