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Foto: Ekko von Schwichow |
Das pure Glück
Feridun
Zaimoglu über den Amery-Preis
Von Teresa Grenzmann aus dem Münchner
Merkur, 17.4.2007:
Er fordere die deutsche Sprache heraus, überdehne sie, reichere sie an. So heißt es in der Begründung der Jury, die heute Abend, 20 Uhr, im Münchner Literaturhaus zum ersten Mal den mit 6000 Euro dotierten Carl-Amery-Literaturpreis vergeben wird: an den Autor Feridun Zaimoglu, 1964 in der Türkei geboren, in Deutschland aufgewachsen.
Mit der Auszeichnung des Verbandes deutscher
Schriftsteller in Bayern (unterstützt vom Luchterhand Verlag und ver.di Bayern)
sollen im Gedenken an den Münchner Schriftsteller
Amery (1922- 2005) neue
ästhetische Wege zeitkritischer Literatur gewürdigt werden.
Was bedeutet es für Sie, der erste Träger des Carl-Amery-Literaturpreises
zu sein?
Feridun Zaimoglu: Um es in vier Worten zu sagen: Ich bin sehr glücklich. Wissen
Sie, ein Schriftsteller setzt sich in seiner Kammer hin und tippt die Sätze und
hofft, dass sie sich zu einem Ganzen fügen mögen . . . Für mich sind zwei
Dinge immer das pure Glück: Einmal vor ein Publikum zu treten, deshalb schreibe
ich. Und zum anderen dann belohnt zu werden.
Die Jury lobt unter anderem Ihren „poetischen Rap”. Wie beschreiben Sie
selbst Ihre eigene Sprache?
Zaimoglu: Ich tu‘ mich immer schwer mit der Selbstauslotung. Ich kann nur
darauf hinweisen, dass mir in den letzten Jahren eine gewisse Sprachmacht und
Sprachpracht zugebilligt wurde, und selbstverständlich gehöre ich zu den eher,
ja, Melancholikern der Prosa die Melancholie in der Prosa schlägt sich da
auch als Poesie nieder. Wenn mir das gelungen sein sollte, dann freut es mich.
Das macht jeder Schriftsteller natürlich unbewusst, aber: Ich träume davon,
dass es nicht nur Gebrauchsprosa sei, sondern vielleicht auch eine poetische
Verdichtung enthalten sein mag.
In Ihrem neuen Band „Rom intensiv” haben Sie Ihr Jahr 2005 als
Stipendiat der Villa Massimo in Rom verarbeitet. Eine Erfahrung von Fremde?
Zaimoglu: Für mich ist Fremdheit kein sinnlicher Begriff. Ich habe mich in
diesem, meinem Heimatland mittlerweile, in Deutschland, nach einem kleinen
Kulturschock im Anfang eher eingesetzt als ausgesetzt gefühlt. So ist es mir
auch in Rom ergangen. Fremd fühlte ich mich da nicht; es waren zuweilen eher
desaströse Missverständnisse im Raum, und daraus haben sich wirklich sehr
lustige Effekte ergeben.
Ihr Roman „Leyla” war ein ungemein großer Erfolg. Wie gehen sie damit
um?
Zaimoglu: Man muss sich Feridun Zaimoglu als einen glücklichen Menschen
vorstellen. Mit diesem Buch rauszugehen und die Gunst vor allem der Leser, die
Gunst der Literaturkritiker gewonnen zu haben, hat mich entzückt. Erfolg
bedeutet für mich ganz konkret, wenn Leserinnen und Leser an mich herantreten
und sagen, dass sie mit dem Buch viel anfangen konnten, dass es sie auch
glücklich gemacht hat. Das bedeutet viel, aber wenn es darum geht, das nächste
Buch anzugehen ich brenne ja die ganze Zeit! , dann fängt es noch mal von
vorne an. Ein Schriftsteller muss sich mit jedem Buch beweisen. Jetzt sitze ich
an einem Liebesroman, „Liebesbrand” wird er heißen, und ich befinde mich
wieder in der kalten Hölle, wie jedes Mal in der Zeit der Fertigstellung eines
Buches.
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.merkur-online.de]
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