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Die
Lust am unfriedlichen Zweifel.
Interview mit Feridun
Zaimoglu über sein neues Buch "Zwölf Gramm Glück"
Von Teresa Grenzmann aus dem Münchner
Merkur, 21.4.2004:
Feridun Zaimoglu ist selten entspannt: Ständig hält er die Augen offen nach den leidend liebenden "einheimischen Touristen", über die er schreibt. Wie in seinem neuen Buch "Zwölf Gramm Glück".
"Zwölf Gramm Glück" lässt dem
Leser genau zwölf Gramm Hoffnung auf die wahre Liebe. - Ist das noch
Optimismus?
Zaimoglu: Es ist vielleicht mehr als eine optimistische
Haltung. Es ist nicht nur der Wunsch, sondern auch die Gewissheit, dass sich
Sehnsüchte erfüllen. Ich wollte auf die kleinen situativen Schönheiten nicht
verzichten, auch nicht auf den Zuckerpuder, man braucht es doch. Auch wenn das
Herz gebrochen wird, ist die Sehnsucht groß, es möge eine kommen, die Feuer
legt in mein Herz. - Ich hatte Lust auf diese Geschichten und ich hatte Lust,
die Lust anzufachen in diesem unfriedlichen Zweifel.
Ihr Buch ist zweigeteilt in ein "Diesseits" und ein
"Jenseits". So sehr unterscheiden sich diese beiden Welten dort aber
gar nicht.
Zaimoglu: Zunächst einmal sind da diese beiden
unerbittlichen Klammern: Man weiß, dass Diesseits und Jenseits zwei getrennte
Welten sind. Heißt es. Dann, im Fernsehen, sehe ich aufgebrachte Menschen, die
Waffen in den Himmel recken, ich denke: Im Orient müssen die Männer und Frauen
ständig schreien, immer wird etwas zerstört, das ist nicht das Diesseits. Sie
leben und sind gleichzeitig eingebunden in etwas, das uns befremdet. Deshalb
habe ich in der einen oder anderen Jenseits-Geschichte einen Heimkehrer
aufgegriffen.
Braucht man diese Heimkehr, um nicht durchzudrehen?
Zaimoglu: Man braucht Leben im Diesseits, um dort nicht
durchzudrehen. Aber man dreht trotzdem durch. Diese Protagonisten im Jenseits
sind Menschen, die die Heimkehr versuchen, es gelingt ihnen aber nicht, den
Anschluss zu finden.
Nicht einmal auf die Gottesliebe ist noch Verlass . . .?
Zaimoglu: Immer wieder stößt man ja auf gähnende Leere:
unter Menschen oder, wenn man den Kopf hebt und zum Himmel starrt. Es kommt ganz
darauf an, woran man glauben möchte. Das bisschen Glücksglaube reicht, das
treibt einen an. Die Menschen in meinen Geschichten, die sich gern nach der
ersten oder zweiten Liebe als Besiegte sehen, müssen, auch wenn sie zum Himmel
starren, zurückkehren. Es ist nicht der Job einer Frau, sie zu erlösen, aber
es kann den Männern nichts Besseres passieren.
Bisher standen diese Männer verloren zwischen zwei Kulturen und nun gar
zwischen Dies- und Jenseits.
Zaimoglu: Ich bin ja dahin gehend romantisch, weil ich an
die Liebe zwischen Frauen und Männern nicht einen Tag gezweifelt habe. Ich habe
geflucht über die Frau, ich habe sie verwünscht, aber ich hab's nicht lassen können,
trotzdem. Selbstverständlich sind die Hauptfiguren Männer. Und selbstverständlich
will ich auch so ehrlich sein, all dieses ganze Material der Männer mit
hineinzubringen.
"Selbstverständlich"? Es gibt ja durchaus Autoren, die aus der
Sicht von Frauen schreiben.
Zaimoglu: Richtig. Und das ist, so viel kann ich verraten, mein
nächster Wurf: Das ist ein Roman aus der Sicht einer Frau. - Mein Gott, ist das
schwierig! Ich glaube, dass ein Autor versucht, sich in eine Frau
hineinzuversetzen, das kann nur schief gehen.
Dennoch gelingt es Ihnen?
Zaimoglu: An diesem Buch hab' ich entdeckt, dass man schreibend Atmosphären,
Temperaturen herstellen kann. Und die von Frauen sind andere als die von Männern.
Es ist ein anderes Vokabular, eine andere Sicht, es lässt viel mehr zu, ist
nicht so schlussfolgernd. Den Zugang zu meiner Protagonistin habe ich nur finden
können über die Temperatur. Und da ist man nicht nur dabei: Ich bin sie, während
ich schreibe! - Vielleicht nehm' ich mir danach ein halbes Jahr Zeit und muss
mich davon erholen.
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