Adam Zagajewski, 2006, Foto: Ekko von Schwichow

Adam Zagajewski, Foto: Ekko von Schwichow
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Adam Zagajewski - Literaturpreisträger 2002 der Konrad-Adenauer-Stiftung
Von
Michael Braun(2):

Adam Zagajewski ist einer der bedeutendsten Autoren der polnischen Gegenwartsliteratur. Sein Werk gehört zum literarischen Kanon Polens und hat Eingang in Lexika und Schulbücher gefunden.

Adam Zagajewski, der am 2. Juni 2002 in Weimar den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung erhält, ist einer der bedeutendsten Autoren der polnischen Gegenwartsliteratur. Sein Werk gehört zum literarischen Kanon Polens und hat Eingang in Lexika und Schulbücher gefunden. Der Autor, 1945 in Lemberg geboren und seit 1982 in Paris lebend, unterrichtet in jedem Sommersemester am Englischen Department der Houston University (USA). Als einer der Wortführer der "Generation 68", deren Programm er in dem Manifest "Die nichtdargestellte Welt" (1974) ausformulierte, zählt Adam Zagajewski zu den modernen Klassikern der polnischen Gegenwartsliteratur. Er wirkte 1968-75 als Redaktionsmitglied in den Literaturzeitschriften "Student" (Krakau) und "Odra" (Breslau) mit und beteiligte sich 1978 an der Arbeit der "Fliegenden Universität", einer vom Staat unabhängigen, halblegalen Hochschulinstitution. Als einer der wichtigsten Intellektuellen des heutigen Polens wurde Adam Zagajewski vom ZNAK Verlag zu der Reihe "Gespräche zum Ende des Jahrhunderts" eingeladen, deren tiefgreifende Interviews in Polen große Beachtung finden.

Adam Zagajewski hat sich vor allem als Lyriker, Romancier und Essayist einen Namen gemacht. Geistig den Nobelpreisträgern Czeslaw Milosz und Wislawa Szymborska nahestehend, ist Zagajewskis Werk inspiriert von Religion, Philosophie und Politik, sind seine Dichtungen historisch tief verankert und zugleich von großer Modernität. Originell und aktuell, aber der Tradition verpflichtet, ironisch und melancholisch, schreibt Zagajewski die moderne Geschichte der internationalen Poesie weiter, etwa in den - von Karl Dedecius übersetzten - Lyrikbänden "Gedichte" (1987) und "Mystik für Anfänger" (1997), in dem Roman "Der dünne Strich" (1983), der auf einen Berlin-Aufenthalt des Autors zurückgeht, in den politischen Essays "Solidarität und Einsamkeit" (1986) und in den autobiographischen Aufzeichnungen "Ich schwebe über Krakau" (2000).

Die politischen Gedichte und Essays Adam Zagajewskis fanden im deutschprachigen Raum starke Resonanz. Sie protestieren gegen eingefahrene Strukturen und politische Ideologien, beschwören die Vielfalt des Lebens und überprüfen mit ironischer Distanz den Kern der Dinge. Seine Dichtungen sind eine Hommage an die Einheit des europäischen Kontinents und ein Brückenschlag zwischen ost-, westeuropäischer und amerikanischer Welt.

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