Hans Wollschläger, Porträt, 2004, Edition IseleTrauer um Hans Wollschläger
Von Jens Dirksen aus der NRZ vom 21.5.2007:

Er war ein leidenschaftliches Enfant Terrible und ein noch leidenschaftlicherer Verehrer von Karl May, aber vor allem war er einer der großartigsten deutschen Übersetzer. Aber eigentlich war Hans Wollschläger, der am Samstag im Klinikum seiner Wahlheimatstadt Bamberg im Alter von 72 Jahren nach langer, schwerer Krankheit gestorben ist, ein überragender Mann des Worts in allen Genres. Mit seiner kongenialen, sprachschöpferischen Übersetzung des beinahe unübersetzbaren "Ulysses" von James Joyce, die 1975 bei Suhrkamp erschien, wurde er berühmt - spät, wie sich so vieles in seinem schriftstellerischen Leben erst spät ereignete. Der erste Teil seines eigenen poetischen Hauptwerks "Herzgewächse" erschien erst sieben Jahre später.

Der Leitstern in Wollschlägers Schaffen blieb stets das sprachkritische Werk von Karl Kraus, das er gelegentlich auch eindrucksvoll zu rezitieren wusste. Wie Arno Schmidt, dem er in tiefer Freundschaft verbunden war, scheute auch Wollschläger nicht das deutliche, krasse, polemische Wort. Unsagbar erschien Wollschläger nichts, die Lösung von Ausdrucksproblemen war ihm immer einer Frage der Zeit, des Fortschritts.

Der im westfälischen Minden geborene Pfarrerssohn Wollschläger, der in Detmold Kirchenmusik studierte, war ausgebildeter Komponist und Dirigent. Lange war er freier Mitarbeiter im Bamberger Karl-May-Verlag - bis er polternd gegen dessen Editionen polemisierte, die er für Verfälschungen des von ihm verehrten May hielt. Wollschläger, der auch Raymond Chandler und Truman Capote übersetzte, entzog sich der herkömmlichen Schubladisierung von Literatur - so wie er auch selber jenseits von Normen und Kategorien stand. (NRZ)

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