Trauer um Hans
Wollschläger
Von Jens Dirksen aus der NRZ vom 21.5.2007:
Er war ein leidenschaftliches Enfant Terrible und
ein noch leidenschaftlicherer Verehrer von Karl
May, aber vor allem war er einer der großartigsten deutschen Übersetzer.
Aber eigentlich war Hans Wollschläger, der am Samstag im Klinikum seiner
Wahlheimatstadt Bamberg im Alter von 72 Jahren nach langer, schwerer Krankheit
gestorben ist, ein überragender Mann des Worts in allen Genres. Mit seiner
kongenialen, sprachschöpferischen Übersetzung des beinahe unübersetzbaren
"Ulysses" von James
Joyce, die 1975 bei Suhrkamp erschien, wurde er berühmt - spät, wie sich
so vieles in seinem schriftstellerischen Leben erst spät ereignete. Der erste
Teil seines eigenen poetischen Hauptwerks "Herzgewächse" erschien
erst sieben Jahre später.
Der Leitstern in Wollschlägers Schaffen blieb stets das sprachkritische Werk
von Karl Kraus, das er gelegentlich auch eindrucksvoll zu rezitieren wusste. Wie
Arno Schmidt, dem
er in tiefer Freundschaft verbunden war, scheute auch Wollschläger nicht das
deutliche, krasse, polemische Wort. Unsagbar erschien Wollschläger nichts, die
Lösung von Ausdrucksproblemen war ihm immer einer Frage der Zeit, des
Fortschritts.
Der im westfälischen Minden geborene Pfarrerssohn Wollschläger, der in Detmold
Kirchenmusik studierte, war ausgebildeter Komponist und Dirigent. Lange war er
freier Mitarbeiter im Bamberger Karl-May-Verlag - bis er polternd gegen dessen
Editionen polemisierte, die er für Verfälschungen des von ihm verehrten May
hielt. Wollschläger, der auch Raymond
Chandler und Truman
Capote übersetzte, entzog sich der herkömmlichen Schubladisierung von
Literatur - so wie er auch selber jenseits von Normen und Kategorien stand. (NRZ)
[...diesen und weitere Berichte finden Sie unter www.nrz.de]
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