Dauerlauf
mit Gedichten
Bürgermeister Winter
über seine Vorliebe für Lyrik
Das Gespräch führte
Christoph Kappes in
der Ebersberger SZ, 27.6.2010:
Markt Schwabens Bürgermeister Bernhard Winter reüssierte bereits im Februar diesen Jahres mit einem Gedichtvortrag im Rahmen einer Benefiz-Matinee im Caipys in Aßling. Diesen Sonntag, 28.Juni, wird Winter erneut lyrische Werke rezitieren, diesmal im Seniorenhaus Grafing: Von 14.30 Uhr an wird er unter dem Motto "Ich bin ein freier Falke - Balladen und Gedichte aus alter Zeit" Werke unter anderem von Eichendorff, Goethe, Heine, Fontane, Uhland, Rilke oder Schiller vortragen - und das auswendig, wie er betont. Christoph Kappes befragte Bernhard Winter nach seiner Vorliebe für Lyrik.
SZ: Ihr jüngster und erster Lyrikvortrag liegt erst einige Monate zurück - haben Sie Blut geleckt?
Winter: Die Benefiz-Matinee in Aßling hat mir und den Zuhörern tatsächlich Spaß gemacht. Beflügelt dadurch ist im Gespräch mit Altlandrat Hermann Beham und dem Förderverein des Grafinger Seniorenhauses die Idee entstanden, auch hier einen Balladen-Rezitations-Nachmittag zu veranstalten.
SZ: Wann bleibt einem Bürgermeister neben allen seinen Verpflichtungen noch Zeit für Lyrik?
Winter: Ich habe das Glück gehabt, dass ich in der Schule nie Gedichte lernen musste. Umso mehr kann ich mich heute für die spannenden Geschichten der jungen Sänger, schöne Königinnen und verzauberte Mönche begeistern. Aber auch schlichte Liebesgedichte sprechen mich an. Die rund 40 Balladen, die ich inzwischen auswendig kenne, über ich während meines regelmäßigen Dauerlaufs im Schwabener Moos.
SZ: Allgemein gilt Lyrik als ein eher unzeitgemäßes Hobby - wenn überhaupt gelesen wird, dann meist Romane.
Winter: Ich mag Reime, ich mag das Spiel mit den Worten, ich mag die Kraft, die in einem Gedicht schlummert. Die Aufgabe des Rezitators ist es, diese Kraft, die der Dichter hineingelegt hat, wieder zum Leben zu erwecken. Die letzten Romane, die ich gelesen habe, waren "Der rote Ritter" von Muschg und "Der Stechlin" von Fontane.
SZ: Wie haben Sie die Auswahl getroffen für Ihren Vortrag?
Winter: Ich habe versucht, mich in die Zuhörer und ihre Wünsche hineinzuversetzen, natürlich sind auch meine Lieblingsstücke wie "Des Sängers Fluch" oder "John Maynhard" dabei. Besonders freue ich mich, dass auch eine Bewohnerin des Seniorenhauses ein paar Stücke am Klavier beisterun wird: zum Beispiel "Die Loreley"
SZ: Sie wollen Balladen und Gedichte "aus alter Zeit" vortragen - moderne Lyrik sagt Ihnen nicht so zu?
Winter: Entscheidend ist für mich nicht "alt oder modern", entscheidend ist: Was hat Kraft? Was sagt mir etwas?". Ich mag Shakespeare und Schiller, ich mag aber auch Rilke und Mascha Kaleko.
SZ: Zum Schluss die Gretchenfrage: Schreiben Sie heimlich selbst Gedichte?
Winter: Rote Rose heißt das Spiel.
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