Manhattan Muffdiver von Carl Weissner, 2010, MilenaWeissner: Bukowskis Stimme aus dem Grabe
Der deutsche Schriftsteller und Übersetzer von Größen wie Warhol, Burroughs und Bukowski las aus seinem Buch "Manhattan Muffdiver" im Radiokulturhaus.
Von Stella Reinhold aus Kurier, Wien, vom 21.05.2010:

Wenn man ein gutes Buch liest, kann es schon passieren, dass man eine ganz bestimmte Erzählerstimme im Ohr hat; eine die die Stimmung der Geschichte perfekt rüberbringt. Umso verstörender ist es dann, wenn Autoren aus ihren Büchern vortragen und das so überhaupt nichts mit dem vorab Empfundenen zu tun hat. Nicht so bei Carl Weissner, Übersetzer von Größen wie Charles Bukowski, William S. Burroughs, Andy Warhol, Allen Ginsberg u.v.a. Bei Weissner hat man beinahe das Gefühl, er wäre höchstpersönlich Bukowskis Stimme aus dem Grabe. Der Mann der Bukowski so lange die deutsche Stimme geliehen hatte, versteht sich nur allzu gut auf die Sprache des einfachen Mannes und erzählt authentisch von skurrilen Erlebnissen in Manhattan.

Donnerstagabend las der in Karlsruhe geborene Autor Carl Weissner aus seinem ersten deutschsprachigen Roman "Manhattan Muffdiver". Hierzulande ist er vor allem als Übersetzer bekannt, seine eigenen literarischen Arbeiten sind bisher nur in englischer Sprache erschienen. Das sollte sich dringend ändern.

Komisch und ehrlich

Im Zuge der Lesung beschreibt er das Begräbnis seines langjährigen Freundes Hank (so wird Charles Bukowski von Freunden genannt), wie Sean Penn es nicht lassen kann, vor versammelter Menge ein paar Hollywood-Begräbnis-Witze zu reißen und warum ausgerechnet drei buddhistische Mönche die Zeremonie abhalten. Zum Brüllen komisch und verdammt ehrlich berichtet Weissner hier vom Verlust eines geliebten Kollegen und Freundes.

"Manhattan Muffdriver" erzählt von tatsächlichen und erfundenen Begegnungen in New York und schildert dabei eine abgedrehte Welt abseits aller Klischees oder Beschönigungen. Der Titel ist übrigens nicht nur der Name eines Cocktails, sondern auch der Slangausdruck für Cunnilingus.

Freunde

Weissner, der in Heidelberg Literatur und Anglistik studierte, ging in den 1960er Jahren nach New York, wo er engen Kontakt zur Beat-, Cut-up- und Underground-Szene hatte. Literarisch orientierte sich Weissner damals insbesondere an Burroughs Cut-up Methode, eine Art der Neuabmischung von Texten - ähnlich einem Remix in der Musik. Mit Bukowski freundete er sich an, übersetzte seine Bücher stilsicher und etablierte ihn in Deutschland.

Man hat das Gefühl einen gemütlichen Abend von Freunden für Freunde zu verbringen. Es wird über Literatur gesprochen, Fritz Ostermayer und Thomas Ballhausen unterhalten sich mit Weissner über Frauen, Drogen und nochmal Frauen. Also auch hier ganz im Sinne Bukowskis. Dann eine kurze Lesung und im Anschluss noch gemeinsam Film schauen. Zu sehen war die in Österreich erstmals gezeigte Reportage "I'm still here", die zum 70. Geburtstag des Kult-Autors produziert wurde. Drei Jahre später (1994) stirbt Bukowski an Leukämie.

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