Zeugnisse eines Dichterlebens
Jakob-Wassermann-Schau
in Fürth
Besprechung von Martin Möller aus den Nürnberger
Nachrichten vom 20.10.2005:
Manchmal sind es Zufälle, die Ausstellungen
entstehen lassen. Sakura Wassermann hatte beim Suhrkamp Verlag nach Veröffentlichungen
ihres Großvaters nachgefragt und auch das Jüdische Museum Franken hatte sich für
die Neuauflage der Autobiografie „Mein Weg als Deutscher und Jude“
interessiert. „So kam der Kontakt zustande“, schildert Museumsleiterin
Daniela Eisenstein die Vorgeschichte der schon länger geplanten Ausstellung zu
Leben und Werk des aus Fürth stammenden Schriftstellers Jakob Wassermann
(1873-1934).
Nun werden in sechs Räumen Zeugnisse eines fast vergessenen Dichterlebens
ausgebreitet. Die Präsentation ist sparsam, einerseits, weil aus dem letzten
Domizil in Altaussee nach der Emigration der Witwe kaum etwas die NS-Zeit überdauerte,
andererseits ist die exemplarische Präsentation pädagogisches Prinzip des
Museums.
Dennoch gibt es Neues zu entdecken. So steuert die Enkelin ein bislang als
verschollenen geltenes Tagebuch und private Fotoalben bei. Ein Gemälde aus
einstigem Wassermann-Besitz zeigt den damals 58-Jährigen, porträtiert von Max
Slevogt. Empfindliche Fotos sind in einer Diaschau zu sehen, die die Biografie
des Schriftstellers aufblättert. Von Wassermanns Schreibtisch ist nur ein
Tintenfass überliefert, dafür sind Utensilien aus den Nachlässen seiner
Dichterkollegen, eine Brille (von
Hofmannsthal), eine Schreibmaschine (von Döblin)
und eine Tischglocke (von Tucholsky),
anekdotisch gruppiert. Und natürlich gibt es jede Menge Buchausgaben des sehr
produktiven Autors, der als Jude 1933 mit allen Werken auf die Schwarze NS-Liste
des Börsenblatts kam.
Begleitet wird die Ausstellung. u.a. von einem öffentliche Symposium mit den
Erlanger Germanistikprofessoren Gunnar Och und Dirk Niefanger. Dabei geht es um
„neue Blicke auf einen Klassiker der deutsch-jüdischen Erzählliteratur“
(27. bis 29.10.). Führungen (23.10. und 13.11.) nehmen die biografische und
literarische Spurensuche auf. Zwei Vorträge widmen sich den Briefen (13.12) und
Tagebüchern (24.1.). Und mit Installationen von Sabine Pester, Friederike
Bennesch und Joanna Maxellon wird auch der Dialog zur bildenden Kunst
aufgenommen.
(Jüdisches Museum, Fürth, Königstr. 89: „Jakob Wassermann: Deutscher Jude Literat“. Bis 12. März, Di. 10-20, Mi.-So. 10-17 Uhr; Info-Tel.: 09 11/ 77 05 77.)
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