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enge persönliche Kreise, wollen es schon lange gewusst haben, doch für die
deutsche Kulturszene war es die Sensation, das Geständnis des Spiegel-Erben
Jakob Augsteins, in Wirklichkeit der Sohn des Schriftstellers
Martin
Walser („Ein fliehendes Pferd") zu sein. Und wer sich die Mühe macht, in der
Walser-Biographie von Jörg Magenau zu stöbern, ahnt, wann und wo man sich näher
kam. Auf Sylt, im wilden Sommer 1966. Walser
besuchte damals Rudolf Augstein und dessen Frau Maria Carlsson in deren Kampener
Ferienvilla. Im Jahr danach wurde Jakob geboren.
Ihre Freundschaft, die zwischen Walser und
Augstein, hielt sogar bis zu dessen Tod im Jahr 2002. Und während die
Übersetzerin Maria Carlsson sich nun beeilt zu erklären, Augstein habe „von
Anfang an alles gewusst und sei überhaupt nicht eifersüchtig gewesen", bestätigt
auch ein enger journalistischer Weggefährte Augsteins gegenüber unserer Zeitung:
„Ich weiß davon schon seit Jahren. Augstein hat es mir selbst erzählt!" Er
selbst sei in dieser Zeit bei Augstein aus- und eingegangen, habe bei „Jakob
sogar einmal den Babysitter gemacht".
Auch Rudolf Augstein, der 2002 verstorbene Spiegel-Gründer und Spross einer
katholisch-bürgerlichen Hannoveraner Familie, war den Frauen sehr zugetan.
Fünfmal heiratete er, hatte vier Kinder aus diesen Ehen. Jakob Augstein (42)
eben, selbst Autor und Verleger der linken Wochenzeitschrift „Freitag",
Franziska, die als Journalistin für die Süddeutschen Zeitung schreibt, Julian,
der als Künstler tätig ist und Sabine Maria Augstein. Sein ältestes Kind, die
59-jährige Sabine Maria, wurde einst als Stefan geboren, ist bekennende
Transsexuelle. Über sie schrieb „Die Welt" einmal: Ihr Gesicht trägt „die Züge
des berühmten Vaters".
Und auch wenn dieser Begriff damals noch nicht benutzt wurde, Augstein hatte den
Ruf des Womanizers, des Verführers. „Ja, das war er, und es waren auch wilde
Zeiten", bestätigt der Weggefährte aus Spiegel-Zeiten. Mehr als zarte
Andeutungen finden sich in dem Roman „Das Magazin", in dem der frühere
Spiegel-Redakteur Hellmuth Karasek 1998
einen Blick hinter die Kulissen des Hamburger Medienbetriebes gewährte.
Aufgewühlte Zeiten tatsächlich. Studenten wagen die Revolte, Oswald Kolle
vertritt wie die Bewohner der Kommune 1 libertinäre Ideen, und Augstein war
spätestens seit der Spiegel-Affäre 1962 zum bekanntesten Journalisten des Landes
avanciert. Walser setzte sich wie andere linke
Intellektuelle für Willy Brandt als Bundeskanzler ein und kokettierte mit der
DKP. Maria Carlsson, die sich als Übersetzerin des Werkes von
John Updike einen Namen gemacht hatte,
machte Walser angeblich bei einer Tagung der
Literaturgruppe „Gruppe 47" mit Augstein bekannt.
Geliebte und Ehefrauen spielen auch in den Romanen des 1950 mit Katharina
Neuner-Jehle verheirateten Walsers eine zentrale Rolle. Der 82-Jährige
bestätigte nun, der Vater Jakob Augsteins zu sein. „Er ist wunderbar. Es war
sein gutes Recht sich zu outen" sagte Walser
gegenüber der Illustrierte „Bunte". Jakob sei „schon lange in unserer Familie
angekommen", verstehe sich gut mit den vier Töchtern.
Unglücklich mit den Bekenntnissen Jakob Augsteins scheint nur dessen Mutter
Maria Carlsson zu sein. Ihr Sohn habe sich damit keinen Gefallen getan. Und auch
Kenner der Spiegel-Interna fürchten, Jakob Augstein, der in der
Gesellschafterversammlung der Spiegel-Gruppe die Erbengemeinschaft vertritt,
habe so seine Position dort geschwächt.
[...diese und weitere
Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]
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