Galsan Tschinag, 1993, Foto: Ekko von Schwichow

Foto: Ekko von Schwichow
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Mittler zwischen Welten
Galsan Tschinag Gast bei den Interkulturellen Wochen
Besprechung von Bernd Zachow aus den Nürnberger Nachrichten vom 27.9.2010:

Auch heuer gibt es wieder „Interkulturelle Wochen“ in Nürnberg. Ein Höhepunkt der diesjährigen Veranstaltungsreihe mit Künstlern aus aller Herren Länder ist ein Abend mit dem mongolischen Schriftsteller Galsan Tschinag, der seine Bücher seit vielen Jahren in deutscher Sprache schreibt und schon mehrfach Gast in Nürnberg war.

Die außergewöhnliche deutsch-mongolische Kulturverbindung begann in den 60er Jahren, in denen Tschinag als Austauschstudent in Leipzig lebte. Bereits während des Germanistikstudiums in der DDR verfasste der Goethe- und Heine-Verehrer immer wieder Gedichte auf Deutsch.

Sein Talent zum Geschichtenerzählen erkannte und förderte der renommierte DDR-Autor Erwin Strittmatter. So wurde die erste Veröffentlichung von Galsan Tschinag eine kleine Sammlung von Kurzprosa, welche 1981 im Ostberliner Verlag „Volk und Welt“ erschien. Damit erregte der „Deutsch-Mongole“ sofort Aufsehen.

Eine der Erzählungen aus dem Band wurde später verfilmt. Nach dem Ende des Kalten Krieges machte sich Tschinag schnell auch im Westen einen Namen. Seine bei Suhrkamp veröffentlichten Romane „Die neun Träume des Dschingis Kahn“ und „Die Rückkehr“ wurden Bestseller.

Für seine autobiografische Erzählung „Im Land der zornigen Winde“ erhielt er 1992 den
Adelbert von Chamisso-Preis, die höchste deutsche Literatur-Auszeichnung für Autoren nichtdeutscher Herkunft. Das Bundesverdienstkreuz bekam er 2002 ebenfalls für seine Verdienste um die deutsche Literatur und um die Völkerverständigung.

Oberhaupt der Tuwa

Galsan Tschinag ist 1943 oder 1944 geboren, genau weiß er es selbst nicht. Er ist Stammesangehöriger der Tuwa, eines kleinen turksprachigen Nomadenvolkes, das die mongolische Regierung zeitweilig zur Sesshaftigkeit gezwungen hat. Seit den 90er Jahren kämpft Tschinag nun für die Rückkehr seiner Leute zu ihrer althergebrachten Lebensweise.

Mittlerweile ist er ganz offiziell als Oberhaupt der Tuwa anerkannt. Sein wichtigstes Projekt für die Zukunft ist die Neuaufforstung seiner Heimatregion im mongolischen Altai, für die er unablässig wirbt. Wo heute Steppe ist, sollen künftig wieder Fichten und Lärchen stehen.

Tschinag fühlt sich wohl in der Rolle des Mittlers. Als „Kind seines Volkes“ vermittelt er zwischen der Tradition der Nomaden und den Regierenden in Ulan Bator, der Hauptstadt der Mongolei. Als „deutschsprachiger Migranten-Autor“ ist er ein Brückenbauer zwischen östlicher Spiritualität und westlicher Aufklärung.

Galsan Tschinag spricht am 5. Oktober im Südpunkt, Pillenreuther Straße 147. Beginn: 19.30 Uhr.

Den kompletten Bericht von Bernd Zachow mit Abb. finden Sie unter Nürnberger Nachrichten!

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