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| Foto: Ekko von Schwichow www.schwichow.de |
Mittler zwischen
Welten
Galsan Tschinag Gast bei den
Interkulturellen Wochen
Besprechung von Bernd Zachow aus den Nürnberger
Nachrichten vom 27.9.2010:
Die außergewöhnliche deutsch-mongolische Kulturverbindung
begann in den 60er Jahren, in denen Tschinag als Austauschstudent in Leipzig
lebte. Bereits während des Germanistikstudiums in der DDR verfasste der
Goethe- und
Heine-Verehrer immer wieder Gedichte auf Deutsch.
Sein Talent zum Geschichtenerzählen erkannte und förderte der renommierte
DDR-Autor Erwin Strittmatter. So
wurde die erste Veröffentlichung von Galsan Tschinag eine kleine Sammlung von
Kurzprosa, welche 1981 im Ostberliner Verlag „Volk und Welt“ erschien. Damit
erregte der „Deutsch-Mongole“ sofort Aufsehen.
Eine der Erzählungen aus dem Band wurde später verfilmt. Nach dem Ende des
Kalten Krieges machte sich Tschinag schnell auch im Westen einen Namen. Seine
bei Suhrkamp veröffentlichten Romane „Die neun Träume des Dschingis Kahn“ und
„Die Rückkehr“ wurden Bestseller.
Für seine autobiografische Erzählung „Im Land der zornigen Winde“ erhielt er
1992 den
Adelbert von Chamisso-Preis,
die höchste deutsche Literatur-Auszeichnung für Autoren nichtdeutscher Herkunft.
Das Bundesverdienstkreuz bekam er 2002 ebenfalls für seine Verdienste um die
deutsche Literatur und um die Völkerverständigung.
Galsan Tschinag ist 1943 oder 1944 geboren, genau weiß er
es selbst nicht. Er ist Stammesangehöriger der Tuwa, eines kleinen
turksprachigen Nomadenvolkes, das die mongolische Regierung zeitweilig zur
Sesshaftigkeit gezwungen hat. Seit den 90er Jahren kämpft Tschinag nun für die
Rückkehr seiner Leute zu ihrer althergebrachten Lebensweise.
Mittlerweile ist er ganz offiziell als Oberhaupt der Tuwa anerkannt. Sein
wichtigstes Projekt für die Zukunft ist die Neuaufforstung seiner Heimatregion
im mongolischen Altai, für die er unablässig wirbt. Wo heute Steppe ist, sollen
künftig wieder Fichten und Lärchen stehen.
Tschinag fühlt sich wohl in der Rolle des Mittlers. Als „Kind seines Volkes“
vermittelt er zwischen der Tradition der Nomaden und den Regierenden in Ulan
Bator, der Hauptstadt der Mongolei. Als „deutschsprachiger Migranten-Autor“ ist
er ein Brückenbauer zwischen östlicher Spiritualität und westlicher Aufklärung.
Galsan Tschinag spricht am 5. Oktober im Südpunkt, Pillenreuther
Straße 147. Beginn: 19.30 Uhr.
Den kompletten Bericht von Bernd Zachow mit Abb. finden Sie unter Nürnberger Nachrichten!
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