50stes Todesjahr Lőrinc
Szabó
in memoriam von Paul
Alfred Kleinert:
85stes Geburtsjahr Günther Deickes
Lőrinc Szabó (1900 - 1957) / Günther Deicke (1922 - 2006)
Als Szabó vor 50 Jahren 57jährig in
Budapest starb, hinterließ der in Miskolc geborene und studierte
Philologe, im Brotberuf als Journalist in Budapest tätig, ein schmales und doch
gewichtiges Werk. Mit seinem Werk am Beginn der 20er Jahre erstmals an die
Öffentlichkeit getreten, begann er mit Versen zum Preise der ursprünglichen
Natur (1922, "Erde, Wald, Gott") und klassizisierenden Idyllen (1926,
"Licht, Licht, Licht"). Die späterhin auf das Bewußtsein der
Entfremdung im Alltag der Großstadt abhebenden Gedichte gehen einher mit
Desillusionierung und (teilweise selbstquälerisch anmutender) Leidenschaft
(1926, "Die Meisterwerke des Satans").
In den Verirrungen der 30er Jahre (Hinwendungen zum Kreis der Volkstümler
und Faschismus) entstanden die Gedichtbände "Du und die Welt"
(1932) und "Sonderfrieden" (1936).
Szabó war zudem ein hervorragender Nachdichter: Werke von Goethe,
Kleist, Stifter,
Keller, Texte deutscher
Lyriker des 20sten Jahrhunderts, Villon,
Baudelaire, Verlaine
sowie Shakespeare
und Coleridge, um
nur einige zu nennen, tragen die Prägung seiner Übertragung.
Das wohl Bleibende seines Lebenswerkes schuf Szabó ab den 40er Jahren, in
seinem letzten Lebensjahrzehnt: 1947 erschien der autobiographische
Gedichtzyklus "Grillenmusik", 1957 "Das sechsundzwanzigste
Jahr", ein lyrisches Requiem von erschütternder Sprachkraft für die sich
1950 das Leben genommen habende Geliebte Eszébet, mit der ihn seit 1925 ein,
neben der mit seiner Frau Klara geführten Ehe, reiches Liebesleben
verband.
Von Günther Deicke erschien 1982 eine kongeniale Nachdichtung des Zyklus' in 's
Deutsche bei Corvina in Budapest.
Im Nachlaß des im vergangenen Jahr verstorbenen Dichters Günther Deicke fanden sich zudem Fragmente von Nachdichtungen aus der "Grillenmusik" Szabós, von jenem offenbar als Beginn einer weiteren Edition vorgesehen, die hiermit einem interessierten Publikum vorgestellt werden sollen.
Deicke, 1922 in Hildburghausen in
Thüringen geboren, dichtete, neben dem eigenen Werk, seit den 60er
Jahren auf der Grundlage von Interlinearversionen Texte v.a. tschechischer
und ungarischer Lyriker nach und war mit seinen meisterhaften Übertragungen in
fast allen wichtigen Lyrikeditionen vertreten, gab selbst solche heraus. Für
sein diesbezügliches Wirken erhielt er u.a. die Attila József-Plakette
des Ungarischen P.E.N.-Zentrum.
Veröffentlichungen (Auswahl): Liebe in unseren Tagen, Gedichte (1954). Traum
vom glücklichen Jahr, Gedichte (1959). Du und dein Land und die Liebe (1960).
Die Wolken, Gedichte (1965). Reiter der Nacht, Opernlibretto (1966).
Ortsbestimmung, Gedichte (1972). Daß der Mensch ein Mensch sei, ein poetische
Dialog in Bild und Wort (1975 - mit Michail Trachmann). Das Chagrinleder,
Operlibretto (1981).
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