Und dann schreibt er auch noch übers Ruhrgebiet, Erzählungen über knorrige Typen, Grenzgänger, Außenseiter. Den "ewigen Säufer" etwa oder den "Eisenmann". Und Hörspiele über den "Misanthropen aus Herne Zwei" oder den "Einsamkeitskrämer". Und Gedichte in "Ruhestörender Stille". Den Ausschlag für den 23. Literaturpreisträger Ruhr aber dürfte sein erster, gerade veröffentlichter Roman "Kiosk kaputt" (Verlag Henselowsky Boschmann) gegeben haben - ein Roman aus den Brachen und Ruinen des Reviers, über schräg ins Leben gebaute Schrate zwischen Industriekultur und Abrissbirne und ihren Zusammenprall mit der aalglatt glänzenden Welt der Wirtschaftsförderer und Unternehmensberater von heute.
"Den Schwung des Preises nutzen"
Streletz will "den Schwung des Preises nutzen" und mit seinem Verlag im Frühjahr zwei Bücher erscheinen lassen, die den Roman zur "Kiosk"-Trilogie runden sollen: Zum einen die Novelle "Vermessen", zum anderen der Roman "Pokalkampf", die beide in gekürzter Form bereits als Erzählung erschienen sind und nun im "Director's Cut" (Streletz) herauskommen sollen.
Die beiden mit 2555 Euro dotierten Förderpreise zum Literaturpreis Ruhr waren zum Thema Familien-Satiren ausgeschrieben - dem haben sich 117 Autoren und Autorinnen aus der ganzen Republik gewidmet. Am besten satirisiert haben nach Meinung der sechsköpfigen Jury der Essener Sascha Reh (34) und Mario Jewanski (43) aus Herne. Der ausgebildete Familientherapeut Reh ließ eine halbamtliche Task-Force in einer kaputten Familie nach betriebswirtschaftlichen Optimierungsmöglichkeiten suchen, während der praktizierende Trauerredner Mario Jewanski hochironisch einem Trauerredner über die Schulter und in die Seele schaut. (JD/NRZ)
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