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| Foto: Marko Lipus www.literaturfoto.net |
Zeit der digitalen
Literatur-Installation"
Kürzlich
ging mit mcpublish.com der erste digitale Buchverlag online. Der Autor
Michael Stavaric spricht im Interview über
die Chancen des Neuen.
Interview von
Stephanie Doms im Kurier, Wien,
27.1.2011:
Literatur. Dieses Wort kommt mit erhabenem
sprachmelodischem Gang und getragener Miene daher und beinahe wirkt es verstaubt
und antiquiert verglichen mit Bezeichnungen wie
online und download. Dass eine
Verbindung nicht unmöglich ist, hat die Neuerung ebook längst gezeigt.
Doch der Fortschritt geht unaufhörlich weiter und so gibt es jetzt auch im
österreichischen Verlagswesen Neues zu berichten. Kürzlich ging mit
mcpublish.com der vermutlich erste
digitale Buchverlag online, der sich nicht auf den Ankauf von Lizenzen
beschränkt, sondern Erstveröffentlichungen von digitalen Hörbüchern und ebooks
in den Bereichen Literatur, Kinder- und Sachbuch fokussiert. Dass "klassische"
Verlagsaufgaben wie Autorenbetreuung, Kommunikationsarbeit oder Buchgestaltung
unter der Weiterentwicklung des Verlagswesens nicht leiden sollen, betonen
Fabian Burstein, Ramon Rigoni und Stefan Tauber, die Gründer des Verlages
mcpublish.com, der seinen Sitz in
Purkersdorf hat.
Unter den ersten Veröffentlichungen finden sich auch Werke des Autors Michael
Stavaric. Was diese Entwicklung für die Autoren bedeutet, darüber sprach
Stavaric im KURIER.at-Interview.
KURIER.at: Mit "Déjà-Vu mit
Pocahontas" und "Manchmal denke ich immer noch mit den Fingerspitzen" sind auch
Werke von Ihnen als ebooks und Hörbücher auf mcpublish.com erhältlich. Wie kam
es dazu? Mussten Sie erst von dieser neuartigen Verlagsidee überzeugt werden?
Michael Stavaric: Eigentlich gar nicht -
ich kenne Fabian Burstein schon eine Weile und alles, was er tut, hat Hand und
Fuß. Abgesehen davon: Man muss sich als Autor mit der Frage beschäftigen, wie
sich das Medium Buch weiter entwickelt. Ich glaube es ist wichtig, jüngeren
Generationen anspruchsvollere Texte auch "online" bzw. als "download"
anzubieten. Die mcpublish-Idee ist insofern wunderbar, weil hier vor allem
Erstveröffentlichungen erscheinen werden - wenn sich dies etablieren kann, dann
hat man eine gute Alternative zu den klassischen Printmedien geschaffen. Noch
dazu, wo die vertragliche Gestaltung eine völlig andere ist.
Siehen Sie als Autor darin nur eine zusätzliche
Möglichkeit, Werke zu veröffentlichen, oder einen neuen Weg, der den
"klassischen" ablösen wird?
Ich glaube, man muss betonen, dass es hier um keine "Zweitverwertung" geht.
Letztlich sollen neue Werke verbreitet werden, die es so nirgendwo anders gibt.
Ob dies Zukunft hat, wird sich weisen - es hängt mit dem Fortschritt zusammen
und der Bereitschaft der Menschen, Literatur auch auf einem elektronischen Gerät
zu "installieren". Im Idealfall werden sich Bücher und sogar ebooks ergänzen.
Wo sehen Sie das Verlagswesen in der Zukunft? Was
wird sich noch ändern?
Das ist schwer abzusehen - und ich muss gestehen, hier fehlen mir vor allem die
technischen Visionen, die letztlich darüber entscheiden werden. Wenn es
irgendwann mal möglich sein sollte, Papier völlig zu ersetzen, z.B. durch eine
Art "Hologramm", dann werden natürlich alle Verantwortlichen die Papierkosten
einsparen wollen. Ich glaube, hier werden die Zeitungen und Magazine die
Richtung vorgeben, in die sich schließlich auch das Medium "Buch" entwickelt.
Was ändert sich für einen Autor durch diese neue
Verlagsform?
Ich denke, er hat nun eine weitere Option - und kann sich entscheiden, wo er
sein Werk publiziert. Und wenn Verlage wie mcpublish etwa zehntausende "downloads"
garantieren können, dann hat dies im Sinne einer Verbreitung eines Kunstwerks
natürlich seine Vorteile.
Mcpublish.com nutzt ganz
bewusst Medien wie facebook, twitter und YouTube. Sie haben dich erst vor
wenigen Wochen auf facebook angemeldet. Warum? Und warum nicht schon früher?
Das ist an sich eine persönliche Geschichte - mir sind die facebook-Eigentümer
schlichtweg unsympathisch. Und ich habe mich lang dagegen verwehrt. Ich sehe
aber die Notwendigkeit einer Vernetzung ein, davon leben Verlage wie mcpublish
schließlich. Es hat also ausschließlich mit mcpublish zu tun, die ja auch meine
Seite betreuen.
Was fasziniert Sie daran und was sind die
negativen Aspekte dieser Art des sozialen Netzwerkens?
Ich muss jetzt wohl nicht auf den Aspekt des "Datensammelns" durch Dritte
eingehen. Noch schützt uns alle die schiere Masse an Informationen - die
Leistungsfähigkeit der Computer kann da nicht mithalten. Das wird sich eines
Tages ändern. Persönlich ist es natürlich spannend, sich mit Menschen
auszutauschen, die man nun mal nicht jeden Tag treffen kann. Geschweige denn
kennen lernen. Andererseits kostet die Pflege sozialer Netzwerke viel Zeit. Es
ist also eine Gratwanderung.
Facebook, Twitter, Online-Shops und ähnliches
polarisieren die Gesellschaft. Die einen sind überzeugte Befürworter, die
anderen äußern Kritik und sehen darin einen Niedergang der kulturellen
Traditionen. Siehen Sie ähnliche Meinungsbilder in der Autorengemeinschaft?
Es macht keinen Sinn, sich gegen den Fortschritt zu stellen. Letztlich muss und
darf dies jeder für sich selbst beurteilen. Mir sind prinzipiell die "Erneuerer"
sympathischer als die "Bewahrer", weil ein "Bewahren" viel zu oft mit
merkwürdigen politischen und gesellschaftlichen Ansichten einhergeht. Natürlich
kann dies auch bei den Fortschrittsjüngern der Fall sein. Ich glaube jedoch
lieber an engagierte junge Menschen und misstraue den Alten.
Zum Autor:
Der Autor Michael Stavaric ist in Brno geboren
und lebt in Wien, wo er als Autor, Herausgeber und Übersetzer tätig ist. Für
seine literarischen Werke, darunter auch Kinder- und Jugendbücher, wurde er
mehrmals ausgezeichnet. Eben ist sein neuer Roman "Brenntage" im C. H. Beck
Verlag erschienen - "mein (mir persönlich) bislang wichtigstes Buch", so
Stavaric. Außerdem gibt es ein neues Kinderbuch - "Hier gibt es Löwen". Im
Herbst 2011 wird sich der Autor einen "kleinen Traum" erfüllen: Gemeinsam mit
Deborah Sengl wird Stavaric einen Text-Bild-Band gestalten.
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.kurier.at]
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