Michael Stavaric, 2006, ©Foto: Marko Lipus

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Zeit der digitalen Literatur-Installation"
Kürzlich ging mit mcpublish.com der erste digitale Buchverlag online. Der Autor Michael Stavaric spricht im Interview über die Chancen des Neuen.
Interview von Stephanie Doms im Kurier, Wien, 27.1.2011:

Literatur. Dieses Wort kommt mit erhabenem sprachmelodischem Gang und getragener Miene daher und beinahe wirkt es verstaubt und antiquiert verglichen mit Bezeichnungen wie online und download. Dass eine Verbindung nicht unmöglich ist, hat die Neuerung ebook längst gezeigt.

Doch der Fortschritt geht unaufhörlich weiter und so gibt es jetzt auch im österreichischen Verlagswesen Neues zu berichten. Kürzlich ging mit mcpublish.com der vermutlich erste digitale Buchverlag online, der sich nicht auf den Ankauf von Lizenzen beschränkt, sondern Erstveröffentlichungen von digitalen Hörbüchern und ebooks in den Bereichen Literatur, Kinder- und Sachbuch fokussiert. Dass "klassische" Verlagsaufgaben wie Autorenbetreuung, Kommunikationsarbeit oder Buchgestaltung unter der Weiterentwicklung des Verlagswesens nicht leiden sollen, betonen Fabian Burstein, Ramon Rigoni und Stefan Tauber, die Gründer des Verlages mcpublish.com, der seinen Sitz in Purkersdorf hat.
Unter den ersten Veröffentlichungen finden sich auch Werke des Autors Michael Stavaric. Was diese Entwicklung für die Autoren bedeutet, darüber sprach Stavaric im KURIER.at-Interview.

KURIER.at: Mit "Déjà-Vu mit Pocahontas" und "Manchmal denke ich immer noch mit den Fingerspitzen" sind auch Werke von Ihnen als ebooks und Hörbücher auf mcpublish.com erhältlich. Wie kam es dazu? Mussten Sie erst von dieser neuartigen Verlagsidee überzeugt werden?

Michael Stavaric: Eigentlich gar nicht - ich kenne Fabian Burstein schon eine Weile und alles, was er tut, hat Hand und Fuß. Abgesehen davon: Man muss sich als Autor mit der Frage beschäftigen, wie sich das Medium Buch weiter entwickelt. Ich glaube es ist wichtig, jüngeren Generationen anspruchsvollere Texte auch "online" bzw. als "download" anzubieten. Die mcpublish-Idee ist insofern wunderbar, weil hier vor allem Erstveröffentlichungen erscheinen werden - wenn sich dies etablieren kann, dann hat man eine gute Alternative zu den klassischen Printmedien geschaffen. Noch dazu, wo die vertragliche Gestaltung eine völlig andere ist.

Siehen Sie als Autor darin nur eine zusätzliche Möglichkeit, Werke zu veröffentlichen, oder einen neuen Weg, der den "klassischen" ablösen wird?

Ich glaube, man muss betonen, dass es hier um keine "Zweitverwertung" geht. Letztlich sollen neue Werke verbreitet werden, die es so nirgendwo anders gibt. Ob dies Zukunft hat, wird sich weisen - es hängt mit dem Fortschritt zusammen und der Bereitschaft der Menschen, Literatur auch auf einem elektronischen Gerät zu "installieren". Im Idealfall werden sich Bücher und sogar ebooks ergänzen.

Wo sehen Sie das Verlagswesen in der Zukunft? Was wird sich noch ändern?

Das ist schwer abzusehen - und ich muss gestehen, hier fehlen mir vor allem die technischen Visionen, die letztlich darüber entscheiden werden. Wenn es irgendwann mal möglich sein sollte, Papier völlig zu ersetzen, z.B. durch eine Art "Hologramm", dann werden natürlich alle Verantwortlichen die Papierkosten einsparen wollen. Ich glaube, hier werden die Zeitungen und Magazine die Richtung vorgeben, in die sich schließlich auch das Medium "Buch" entwickelt.

Was ändert sich für einen Autor durch diese neue Verlagsform?

Ich denke, er hat nun eine weitere Option - und kann sich entscheiden, wo er sein Werk publiziert. Und wenn Verlage wie mcpublish etwa zehntausende "downloads" garantieren können, dann hat dies im Sinne einer Verbreitung eines Kunstwerks natürlich seine Vorteile.

Mcpublish.com nutzt ganz bewusst Medien wie facebook, twitter und YouTube. Sie haben dich erst vor wenigen Wochen auf facebook angemeldet. Warum? Und warum nicht schon früher?

Das ist an sich eine persönliche Geschichte - mir sind die facebook-Eigentümer schlichtweg unsympathisch. Und ich habe mich lang dagegen verwehrt. Ich sehe aber die Notwendigkeit einer Vernetzung ein, davon leben Verlage wie mcpublish schließlich. Es hat also ausschließlich mit mcpublish zu tun, die ja auch meine Seite betreuen.

Was fasziniert Sie daran und was sind die negativen Aspekte dieser Art des sozialen Netzwerkens?

Ich muss jetzt wohl nicht auf den Aspekt des "Datensammelns" durch Dritte eingehen. Noch schützt uns alle die schiere Masse an Informationen - die Leistungsfähigkeit der Computer kann da nicht mithalten. Das wird sich eines Tages ändern. Persönlich ist es natürlich spannend, sich mit Menschen auszutauschen, die man nun mal nicht jeden Tag treffen kann. Geschweige denn kennen lernen. Andererseits kostet die Pflege sozialer Netzwerke viel Zeit. Es ist also eine Gratwanderung.

Facebook, Twitter, Online-Shops und ähnliches polarisieren die Gesellschaft. Die einen sind überzeugte Befürworter, die anderen äußern Kritik und sehen darin einen Niedergang der kulturellen Traditionen. Siehen Sie ähnliche Meinungsbilder in der Autorengemeinschaft?

Es macht keinen Sinn, sich gegen den Fortschritt zu stellen. Letztlich muss und darf dies jeder für sich selbst beurteilen. Mir sind prinzipiell die "Erneuerer" sympathischer als die "Bewahrer", weil ein "Bewahren" viel zu oft mit merkwürdigen politischen und gesellschaftlichen Ansichten einhergeht. Natürlich kann dies auch bei den Fortschrittsjüngern der Fall sein. Ich glaube jedoch lieber an engagierte junge Menschen und misstraue den Alten.

Zum Autor:
Der Autor Michael Stavaric ist in Brno geboren und lebt in Wien, wo er als Autor, Herausgeber und Übersetzer tätig ist. Für seine literarischen Werke, darunter auch Kinder- und Jugendbücher, wurde er mehrmals ausgezeichnet. Eben ist sein neuer Roman "Brenntage" im C. H. Beck Verlag erschienen - "mein (mir persönlich) bislang wichtigstes Buch", so Stavaric. Außerdem gibt es ein neues Kinderbuch - "Hier gibt es Löwen". Im Herbst 2011 wird sich der Autor einen "kleinen Traum" erfüllen: Gemeinsam mit Deborah Sengl wird Stavaric einen Text-Bild-Band gestalten.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.kurier.at]

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