1.)
- 2.)
Am
Ende spielt er mit seinen Pfeifen
75-mal
Maigret: Der letzte Auftritt fehlt noch. Ende September wird die gefeierte
Maigret-Gesamtausgabe abgeschlossen.
Von Peter
Pisa aus Kurier,
Wien, vom 13.09.2009:
Der Schweizer Diogenes Verlag hat von allen übersetzten
Büchern Simenons - der Autor war der produktivste des 20. Jahrhunderts, es gibt
rund 300 ohne Maigret - seit 1997 etwa 4,5 Millionen Exemplare verkauft.
Mit der Neuauflage sämtlicher 75 Maigret-Fälle hat er im April 2008 begonnen,
und am 22. September, kommen, rechtzeitig zum 80. Geburtstag der Serienfigur,
die letzten drei Titel in die Buchhandlungen.
Eine - geschäftlich erfolgreiche - Verbeugung vor dem
Kriminalkommissar war das, der manchmal aussah wie Jean Gabin (drei Filme), wie
Rupert Davies (TV-Serie, 52 Teile), Heinz Rühmann (ein Film), Gino Cervi (der "Peppone")
...
Erstmals erschienen die Romane nun in chronologischer Reihenfolge. In
revidierten Übersetzungen. In hübscher Ausstattung mit Paris-Plan für relativ
wenig Geld (je 9,30 Euro) -
wobei
75 mal 9,30 leider doch ins Gewicht fallen.
Ein Lesefest ist das - Band 5: "Maigret wirkte so steif,
so unnahbar, so verschlossen, dass er nicht wie ein Mensch aus Fleisch und Blut
aussah."
Band 51: " Während dieser Phasen war Maigret mürrisch und schlecht gelaunt und
wirkte schwerfälliger und plumper als sonst."
Band 68: "Maigret log, als er mittags seine Frau anrief und sich wegen zu viel
Arbeit vom Essen abmeldete. Er hatte Lust, die Frühlingssonne mit einem
Mittagessen in der ,Brasserie Dauphine' zu feiern..."
In der FAZ wird seit Beginn des Marathons jede Woche ein Buch vorgestellt. Jedes
geistige Getränk wird aufgelistet, jede Bewegung Madame Maigrets notiert.
Es heißt, im Gebäude der Pariser Kriminalpolizei steht immer das Fenster jenes
Zimmers offen, in dem Maigret ermittelt hat. Das stimmt nicht, klingt aber
schön. (Der erste und der 75. Maigret sind übrigens, rein subjektiv,
sauschlecht.)
[...diesen und weitere Berichte finden Sie unter www.kurier.at]
Leseprobe I Buchbestellung 0909 LYRIKwelt © Kurier
***
2.)
Nach
Maigret wird es schmutziger
Alle 75
Maigret-Krimis sind erschienen. Aber der Belgier hat noch etwa 120 andere Romane
geschrieben. Los gehts mit einer neuen Edition.
Von Peter
Pisa aus Kurier,
Wien, vom 17.10.2010:
Die beste Antwort auf die Frage, warum man Romane von Simenon lesen sollte, in denen sein Maigret NICHT vorkommt, lautet: Weil sie "schmutziger" sind. Weil in den sogenannten Non-Maigrets muss nichts geklärt werden; und schon gar nicht erscheint jemand und verhilft der Gerechtigkeit zum Durchbruch. Nehmen wir den fetten, kümmerlichen Monsieur Hire. Er betrügt die Leute (seltsamerweise, indem er Malkästen verkauft). Und nachts steht er am Fenster, schwitzt, schaut der Frau gegenüber im Schlafzimmer beim Ausziehen zu.
Oder Madame Adèles: Im schwarzen Seidenkleid wartet die
vollbusige Chefin eines Hotels in Westafrika auf der Straße. Sie ist zwar - noch
- verheiratet, aber neu ankommende Geschäftsleute aus Frankreich mag sie sehr
gerne. "Die Verlobung des Monsieur Hire" und "Tropenkoller" sind die ersten
beiden Bücher der neuen Simenon-Reihe.
Alle 75 Maigret-Krimis wurden vom Schweizer Diogenes Verlag (der das Werk
Georges Simenons seit den 1970er-Jahren verlegt) bis September 2009 vorbildlich
neu aufgelegt: in chronologischer Reihenfolge, in revidierter Übersetzung, in
schöner Ausstattung für wenig Geld (je 9,30 Euro). Insgesamt wurden 500.000
Exemplare verkauft. Danach fielen viele Leser ins finstere Loch - aus dem sie
jetzt klettern können: Die Non-Maigret-Edition präsentiert seit Anfang Oktober
50 ausgewählte Romane, je zwei pro Monat.
Der Belgier war ja ein Weltmeister, als der meistgelesene, meistübersetzte und
bestbezahlte Autor des 20. Jahrhunderts. 80 Schreibmaschinenseiten schaffte der
Homo Scriptor am Tag. Für ein Buch brauchte er sechs bis elf Tage. 1928 etwa
schrieb er 44 Romane. Aus seinen autobiografischen Schriften geht hervor:
Simenon nahm pro 20-seitigem Kapitel 80 Deka ab. Zieht man die vielen
"Groschenhefte", mit denen er als Journalist anfangs zusätzliches Geld
verdiente, und seine Maigrets ab, bleiben noch immer gut 120 Romane von
großteils feiner Qualität ("Das Haus am Kanal" erscheint im November, "Der Mann,
der den Zügen nachsah" im Februar 2011).
Georges Simenon hörte 1973 wegen unfreundlicher Kritiken mit der Produktion auf.
Die letzten Jahre vor seinem Tod 1998 wohnte er in einem rosa Haus in Lausanne.
Vorher hatte er insgesamt 29 Häuser besessen, in den USA und in Afrika, darunter
eine Villa mit eigenem Spital, Operationssaal und dem angeblich größten privaten
Swimmingpool Europas. Zuletzt aber reichte ihm das Häuschen in einer Sackgasse.
Und Spaziergänge genügten ihm zum nahen Park rund um ein Krematorium.
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