Alan Sillitoe, 2004, ©Foto: Doris Poklekowski

Foto: Doris Poklekowski
www.foto-poklekowski.de

Nachruf: Dem Proletariat Gehör verschafft
Alan Sillitoe zählt in England zur Pflichtlektüre. Er ist im Alter von 82 Jahren in London gestorben.
Von norb in Die Presse vom 27.4.2010:

„Die Einsamkeit des Langstreckenläufers“ (1959), diese treffliche Short Story mit dem prägnanten Titel, die von einem aufbegehrenden Heranwachsenden erzählt, ist sein bekanntester Text geblieben und wurde 1962 auch verfilmt. Doch Alan Sillitoe, Sohn eines analphabetischen Gerbereiarbeiters aus Nottingham, war bis ins hohe Alter aktiv. Nach seinem ersten veröffentlichten Roman, „Samstagnacht und Samstagmorgen“ (1958), der zu einem Welterfolg mit sechs Millionen Auflage und ebenfalls verfilmt wurde, hat er noch 60 Bücher publiziert, Prosa vor allem, Essays, Gedichte, Theaterstücke, Drehbücher.

Sein Werk ist zu breit gefächert, seine Bände mit Kurzgeschichten sind zu prall gefüllt mit Leben, als dass man sie punzieren sollte, aber in der Schule lernen die Briten, Sillitoe habe den Anliegen des Proletariats Gehör verschafft – da mag er noch so vehement behauptet haben, dass er nicht für die Arbeiterklasse, sondern nur für Individuen sprechen könne. Seine Themen: Ausbruchsversuche, Wut gegen den Konformismus, Scheitern. Sillitoe wird deshalb zu den „zornigen jungen Männern“ gezählt, die in den Fünfzigerjahren die Literatur aufmischten.

Wie es war, das Leben einer kinderreichen Familie im England der Dreißigerjahre und danach, kann man fast autobiografisch in „Schlüssel zur Tür“ (1961) nachlesen, oder in der darauf folgenden Nottingham-Trilogie, die den Ausbruch aus tristen Verhältnissen schildert. Zu seiner Kindheit kehrte Sillitoe 1995 in den Memoiren „Life without Armor“ zurück. Auch mit Arthur Seaton, dem trinkfesten, rauflustigen Helden des Debüt-Romans, gab es ein Wiedersehen – er ist in „Birthday“ um 43 Jahre gereift, aber es brennt noch genug Feuer in ihm. norb

[...diesen und weitere Berichte finden Sie unter www.diepresse.com]

Leseprobe I Buchbestellung I home 0510 LYRIKwelt © die Presse