Daniela Seel, Foto: Timm Kölln

Daniela Seel
Foto: Timm Kölln

www.timmkoelln.com

Eine Form für die Zeit.
Daniela Seel hat mit KOOKbooks auch ein Herz für Gedichte.
Bericht von Susanne Broos in der Frankfurter Rundschau, 01.09.2004:

"Ein Leben ohne Bücher kann ich mir gar nicht vorstellen", sagt Daniela Seel, die schon im Vorlesealter eine Büchernärrin war und heute als 30-Jährige selbst Bücher verlegt. Gegründet hat sie den Verlag KOOKbooks vor rund einem Jahr. Weil sie gemerkt hat, dass sie mit ihrer Arbeit in einer Agentur für Kommunikation "zu weit weg" war von dem, "was meine Leidenschaft ist".

Ihre Passion für Bücher war aber nur ein Grund für die gebürtige Frankfurterin, die abwechselnd in einem ruhigen Wohnviertel in Idstein und in einer 2er-WG am Prenzlauer Berg in Berlin lebt, der zum Schritt in die verlegerische Selbstständigkeit führte. Hinzu kam ihr Wunsch, wieder mehr in Richtung Berlin zu gehen. Hauptgrund war aber "die einzigartige historische Möglichkeit", das literarische Potenzial, das sich innerhalb des Künstlernetzwerkes KOOK (engl. Slang für "Spinner") über Jahre aufgebaut hatte, selbst in einem Verlag zu bündeln. "Wir wollten nicht plötzlich entdeckt werden, sondern auf diese Weise sagen, wir sind schon da", sagt Seel. Die gelernte Verlagskauffrau, die Literaturwissenschaften studierte, gehört seit ihrer Berliner Unizeit zu den Initiatoren des Literaturlabels KOOK innerhalb des Netzwerkes und schreibt selbst Prosa und Lyrik - wobei ihr momentan neben dem Büchermachen allerdings kaum noch Zeit dafür bleibt.

Wesentlich öfter beschäftigt sie sich jetzt mit Poesie von anderen. Denn eine der fünf KOOKbooks-Reihen ist der Lyrik gewidmet. "Ich finde Lyrik ganz besonders spannend, gerade in der heutigen Zeit", sagt Seel, die damit nur gute Erfahrungen gemacht hat und sogar von einem Lyrikboom spricht. Die Gegenwart zeichne sich durch kurze Konzentrationsphasen aus, und da passe Lyrik gut hinein. Die kurze, geschlossene Form lasse sich schnell erfassen und ermögliche doch tiefen Erkenntnisgewinn - wenn der Leser sich von den Gedichtzeilen herausfordern lässt. Dieser Anreiz zur Reflexion sei ebenfalls zeittypisch, glaubt Seel. Information könne heute nicht mehr nur konsumiert werden, sondern jeder müsse an ihrer Verarbeitung mitarbeiten.

Ihr glaubwürdiges und entschiedenes Plädoyer für das oft verkannte und viele abschreckende Genre zeigt, wo Seel KOOKbooks innerhalb der Literaturbranche sieht. In den Gedichtbänden, die in der Lyrikreihe veröffentlicht werden, ist der Einfluss der Popmusik ebenso zu spüren wie der Geist einer jungen Generation von Poeten, die sich in halböffentlichen Zirkeln austauschen, neue lyrische Formen mit neuen Inhalten entwickeln und offensiv den Kontakt mit dem Publikum suchen.

Auch wenn die Gründung des Verlags vorher innerhalb des Künstlernetzwerkes diskutiert wurde, ist KOOKbooks doch ganz allein Seels Sache. Sie trägt das finanzielle Risiko und entscheidet somit auch über das Programm. Neun Titel liegen bereits vor, der zehnte, "ein Roman" erscheint zur Frankfurter Buchmesse. Die Medien reagieren bislang auf das neue Buchlabel nahezu enthusiastisch und Seel freut sich, dass ihr Konzept "zeitgemäße Literatur zeitgemäß zu verkaufen" aufgeht.

Neben "dem starken Programm, das auch so wahrgenommen wird", ist ein wichtiger (Marketing-)Faktor die von Andreas Töpfer verantwortete Buchgestaltung, die selbstbewusst für sich beansprucht, "zukunftsweisend" zu sein. Transparente Vorsatzblätter sind dabei nur ein wiederkehrendes Element - das zugleich von einer Liebe zum schön gemachten Buch spricht.

Die positive Resonanz von Publikum und Buchhandel stimmt Seel, die sich in ihrer Freizeit übrigens bei den Pfadfindern in Idstein engagiert, optimistisch. "Schlaflose Nächte" hat sie höchstens mal wegen der Finanzen - die kleine Erbschaft, die den Start des Verlags ermöglichte, dürfte mittlerweile aufgebraucht sein. Sicherheit gibt ihr das mietfreie Büro im großelterlichen Haus in Idstein und der Nebenjob in der Agentur. Da sie sich verboten hat, sich große Ziele zu stecken, können kleinere Erfolge sie um so mehr freuen. Was ihr als Verlegerin am meisten Spaß macht, ist "meine eigene Begeisterung weitergeben zu können". Und die kann tatsächlich ansteckend sein.

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