Franz Schuh, Foto: c/Susanne Schleyer/autorenarchiv.de

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"Keine Österreich-Kritik mehr"
"Bin in erster Linie Wiener". Der Essayist und Kritiker Franz Schuh.
Von Anita Pollak aus Kurier, Wien, vom 25.10.2005:

Um mit Franz Schuh zu sprechen, braucht es keinen Anlass, er selbst ist Anlass genug. Aber jetzt gibt es sogar einen, darüber hinaus. Diesen Freitag gestaltet Schuh einen Abend im Akademietheater unter dem Titel "Canetti, wortgetreu" mit Martin Schwab und Elisabeth Orth, an dem er selbst Ausschnitte aus seinen zahlreichen Essays über Elias Canetti lesen wird.

"Da ich eine problematische Zuneigung zum Theatralischen habe und es zu meinem Ehrgeiz als Wiener gehört, wenigstens einmal auf einer jeden dieser Bühnen gestanden zu haben, ergreife ich so eine Gelegenheit gern", gesteht Schuh, der sich auch schon öfter als Schauspieler versucht hat. "Das hat mir aber zum Glück Schottenberg abgewöhnt, als ich in einer seiner Produktionen mitwirken wollte. Im Gegensatz zum Profi wird nämlich ein Laienschauspieler umso schlechter, je länger er probt."

Intellektueller

Absoluter Profi ist der wortgewaltige Schuh als Essayist und Literaturkritiker. In und außerhalb Österreichs gilt er als "Parade-Intellektueller", ein Begriff, dem er skeptisch gegenübersteht, wozu er Roland Barthes zitiert. "Intellektueller lass’ ich mich höchstens schimpfen. Ich fürchte, dass ich in erster Linie Wiener bin und versuche, in dieser Eigenschaft Berufe auszuüben, mit denen ich meinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Aber dass etwas Mystisch-Geheimnisvolles oder gar gesellschaftlich Bedeutsames in meiner Existenz schlummern sollte, ist mir noch nicht aufgefallen."

Als Buch-Autor arbeitet Schuh momentan an zwei Bänden. In "Hilfe. Ein Versuch zur Güte" setzt er sich mit der Tatsache auseinander, "dass Menschen ständig in Zusammenhängen leben, in denen ihnen geholfen oder nicht geholfen wird". Das zweite Buch "Schwere Vorwürfe, schmutzige Wäsche" wird "eine wilde Sammlung von Gedichten, Essays und Kurzgeschichten".

Also Zeitlos-Philosophisches einerseits, andererseits Literarisches. Eine Absage an die Zeitgenossenschaft, ein Rückzug in den Elfenbeinturm, oder prosaischer gefragt, reicht’s Franz Schuh jetzt? "Ein solcher Rückzug ist kaum möglich, außer man gibt seine Kreditkarten und Einkünfte auf und geht auf eine Bergwanderung, von der man nicht mehr zurückkehrt. Vor vielen Jahren habe ich aber bereits eine bestimmte Art von Österreich-Kritik eingestellt, weil es eine Branche geworden ist. Als die Regierung Schüssel-Haider an die Macht kam, hab ich kurz wieder damit angefangen, um zu zeigen, dass auch mir die Grausbirn aufsteigen, ein kindliches Verfahren ohne Hoffnung."

Schöne Aussichten

Aus Anlass des Anlasses – auch das laufende Canetti-Jahr zum 100. Geburtstag geht zu Ende – zu Anlässen bzw. Jubiläen überhaupt. "Je länger die Geschichte der Menschheit dauert und aufgeschrieben wird, umso mehr werden es. Eines Tages wird jeden Tag eine neue Geistesgröße zu feiern sein, dann jeden Tag zwei und es wird auszurechnen sein, wie viele am Ende, kurz vor der Apokalypse, wie viele Menschen da gefeiert werden müssen. Aber wenn es möglich ist, irgend jemanden zu feiern, der es verdient, dann bin ich dabei".

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