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Foto: Ursus Samaga |
Da sehen Leute den Spaßmacher, Jazzer, Filmemacher oder, ähem, die nicht tot zu kriegende „singende Herrentorte”. Gerade ist „Bonbon aus Wurst erschienen”. Georg Howahl sprach mit ihm, während er auf den Kölner Dom schaute, sich Gedanken machte und dabei Studentenfutter knabberte.
Nach "Guten Tach, Auf Wiedersehen” nun schon das zweite Buch mit Häppchen aus ihrem Leben. Könnten Sie da nicht gleich ihre Memoiren schreiben?
Schneider: Eigentlich nicht, da bliebe ja nichts übrig. Da müsste man ja immer bei der Wahrheit bleiben.
Tun Sie das nicht sowieso?
Schneider: Aber das wäre ja langweilig. Ich hab nämlich mal die Autobiografie von Eric Clapton gelesen. So was passt einfach nicht zu mir.
Hat Ihnen das Schreiben eigentlich mehr Klarheit über Ihr Leben gebracht?
Schneider: Ich denke schon. Man kommt dazu, seine Gedanken zu ordnen. Auch wenn man nicht immer alles aufschreibt, was man sich ausdenkt.
Sie haben sich viel aus gedacht. Aber erschreckend viel, besonders die Musikeranekdoten sind ja wahr . . .
Schneider: Ich bin ja auch Musiker. Ich wollte immer Musik machen, habe aber gleichzeitig gedacht: Ich will auch Clown sein, will auch lustig sein. Dann habe ich angefangen, Musik und Lustigsein zusammenzubringen. Dadurch gewinnt diese Komik viel mehr Brisanz, wenn sie auf gute, ich will nicht sagen ernste, Musik trifft. Wenn Komik guter Musik entgegengesetzt wird, das fand ich immer gut, weil es einen mitreißt. Je ausdrucksvoller die Musik, die ich machen konnte, umso besser fand ich selber den Abend.
Sie schreiben, ursprünglich wollten Sie Musiker werden wegen der Frauen.
Schneider: Ja, kann sein.
Ist das denn wahr?
Schneider: Natürlich nicht. Ich habe mit der Musik angefangen, da wusste ich noch gar nichts von Frauen. Da dachte man nicht dran, da wollte man Musiker werden. Aber in der ersten Zeit, in der wir mit Bands unterwegs waren und unsere ersten musikalischen Versuche starteten, hat man immer ge-guckt, wie die Frauen das finden. Dann hat man auch Frauen im Publikum gesehen und für die gespielt.
Hat ein bisschen gedauert, mit dem Erfolg bei Frauen und Publikum, oder?
Schneider: Ich hab immer nur das gemacht, was mir Spaß macht. Und das hat man dann auch irgendwann gemerkt. Die Glaubwürdigkeit meiner Arbeit, die Qualität hat sich durchgesetzt. Aber der Anfang war wirklich schwierig. Erstmal: Wo spielst Du? Wann? Für wen? Wenn ich das alles heute noch mal machen müsste, dann wüsste ich überhaupt nicht mehr, wo ich noch auftreten sollte. Es gibt ja heute gar keine Schlupflöcher mehr.
Damals aber auch nicht . . .
Schneider: Nee, das stimmt.
Heute müssten Sie wohl zu „Deutschland sucht den Superstar” gehen . . .
Schneider: Jo, das hab ich gesehen, aber nur, weil unser Fernseher in der Küche hängt. Ich fand den Holger Göpfert gut, der immer im Kreis gesprungen ist beim Singen. Mir ist dabei aufgefallen, dass diese Sendungen völlig humorlos sind.
Sogar Dieter Bohlen?
Schneider: Weiß ich nicht. Was der Holger gemacht hat, war gleichzeitig auch total lustig. Aber er selber weiß davon sicher nichts. Das müsste ihm vielleicht mal einer sagen.
Sie selbst machen ja bei Promi-Spektakeln selten mit – außer beim Promi-Pokern.
Schneider: Oh, da bringen Sie mich auf etwas, ich muss gleich mal gucken, ob ich das Geld schon gekriegt habe.
Im Ernst: Wo liegt bei Medienereignissen für Sie die Grenze?
Schneider: Ich mache in dieser Richtung herzlich wenig. In diesem Fall habe ich mitgemacht, weil man das bei Stefan Raab mal machen kann. Meine Freunde und meine Frau haben mir mehrmals gesagt: Geh da doch mal hin, das möchte ich mal sehen, wie Du pokerst. Privat pokere ich aber überhaupt nicht.
Für ein paar Monate im Jahr verschwindet Helge Schneider von der Bildfläche. Was machen Sie zuhause?
Schneider: Ich hatte jetzt zweieinhalb Monate Tourneepause, aber ich hatte jeden Tag Arbeit. Arbeit zuhause, im Garten, Fensterputzen, alles Mögliche.
Und Zeit, Ihre drei Motorräder zu fahren?
Schneider: Die stehen da jetzt schon eine ganze zeitlang rum. Weil wir ein Baby haben, fahre ich nicht mit dem Motorrad.
Dafür aber sicher mit den vielen Autos, mit denen Sie in ihrem Buch prahlen...
Schneider: Nein, tatsächlich bin ich an einem fünf Jahre alten Mercedes hängen geblieben. Ich muss ja auf Tournee gehen, da kann man nicht einfach mit einem fünfzig Jahre alten Peugeot losfahren, so wie damals.
Letzte, besorgte Frage: Sie beschreiben in „Bonbon aus Wurst” so viele Arztgeschichten, sind Sie gesund?
Schneider: Ach, das sind so Gedanken, die man hat über Krankheiten. In unserer Zeit, da kriegt man im Fernsehen ja so viel geboten an Krankheiten, da will man das auch haben.
Danke für das Gespräch.
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Foto: Ursus Samaga |
Helge Schneider: Ich würde sagen, in beiden Welten. Eigentlich finde ich Autobiografien doof. Für mich als Künstler ist es uninteressant, mein Privatleben auszubreiten. Das geht keinen etwas an. Wenn jemand über meine Arbeit schreibt, ist es legitim. So richtig schreiben kann man über jemanden aber erst, wenn der nicht mehr lebt. Das kann ich dann nicht selbst machen. Ich lese lieber eine minutiös recherchierte Biografie als eine Beschreibung der eigenen Lebensgeschichte.
Wo liegt die Grenze zwischen Helge Schneider als Kunstfigur und Helge Schneider als Privatmensch?
Schneider: Da ist nicht viel Unterschied. Auf der Bühne bin ich schon auch der, der ich zuhause bin. Wenn ich aus dem Privatleben raus auf die Bühne gehe und dann wieder zurückkehre, weiß ich gar nicht genau, wo der Helge denn jetzt ein anderer ist. Mir selber bleibt das verschlossen, weil ich mich so wie ich bin als normal empfinde.
Sie schreiben, man müsse immer wieder mal für Irritationen sorgen. Warum?
Schneider: Man muss gar nix. Das ist auch wieder eine Fantasie. Wenn jemand für Irritationen sorgt, dann fällt er auf. Deshalb habe ich mir vorgenommen, mich für die nächste Tournee umzutaufen.
Wie wollen Sie sich denn zukünftig nennen?
Schneider: Mein neues Pseudonym ist Fump Kroeck Klomp. Der Name ist eine Eingebung, die mir im Auto beim Dösen gekommen ist.
Die aktuelle Tournee ist noch nicht abgeschlossen, da hängen schon die ersten Plakate für Ihre nächste unter dem Titel „Komm hier, haste ne Mark!“ Das Programm zur Wirtschaftskrise
Schneider: Das war auch wieder so eine Eingebung und nicht nachgedacht. Mich persönlich beeinflusst die Krise nicht. Vielleicht tut sie es aber doch in meinem Zeugs, was ich da auf der Bühne mache. Im Moment werden aus Verzweiflung ganze Industriezweige verkauft, aber es müsste doch möglich sein, eine Autofirma wie Opel unter ihrem Namen weiterzuführen.
Welches Verhältnis haben Sie zum Geld?
Schneider: Anfangs bekam ich kaum Auftritte und musste deshalb Tagesjobs annehmen. Trotzdem wollte ich frei sein für meine Musik. Das durchzuziehen war sehr schwer. Wenn ich Geld habe, gebe ich es auch aus. Mein Chauffeur und Teekoch Bodo freut sich immer, wenn der Wagen leer ist. Dann haben wir mehr Platz für die Einkäufe. Zuletzt habe ich mir einen Koffer, handgearbeitete Wanderschuhe und Kamelhaarsocken angeschafft. Vielleicht kann die in 30 Jahren noch jemand anderes tragen.
Sie machen sich Gedanken darüber, wie schnell sich die Welt in den letzten Jahren gewandelt hat – die Mode, die Menschen, die Gebäude. War früher alles besser?
Schneider: Nee, das nicht. Ich kritisiere nicht unbedingt das Schnelle an sich, sondern das Verwerfen von Werten in schneller Zeit. In Deutschland werden zehn Jahre alte Autos auf den Schrott geworfen. Den Erfindungsreichtum der Menschen würde ich jedoch nicht kritisieren wollen, ich bin ja selber erfinderisch.
Sex sei für einen Menschen sehr wichtig, schreiben Sie. Viele Ihrer Texte sind deshalb auf diese Tätigkeit ausgerichtet. Sind Sie der Groupies wegen Musiker geworden?
Schneider: Als ich mich entschloss, Musiker zu werden, hatte ich keine Freundin. Die anderen Jungs lernten in der Disko immer Mädels kennen. Ich war da sehr schlecht drin. Ich dachte, wenn ich schön Klavier spielen kann, fragt mich vielleicht mal eine, ob ich ihr Unterricht geben kann. Früher war ich nach außen hin sehr frech, aber innerlich sehr schüchtern. Heute bin ich es nicht mehr.
Pflegen Sie Künstlerfreundschaften?
Schneider: Ich treffe überall natürlich die dollsten Typen, egal, ob Glatzenmillionär oder Topmodel. Tony Marshall ist zum Beispiel ein klasse Typ. Auf ihn ist Verlass, er singt auch sehr gut, ist dem Erdboden sehr verbunden. Aber auch Paul Kuhn zum Beispiel schätze ich sehr. Und Udo, egal ob Jürgens oder Lindenberg. Diese Leute alle sind liebe Menschen, ich will keine mehr aufzählen.
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