Das "bescheidene Veilchen" aus Milspe:
Minna Schmidt-Idar
Von
Kirsten Niesler im
Heimatbuch Hagen und Mark, 1989:
Folgten wir mit Henriette Davidis und Gertrud Bäumer zwei Frauen auf ihrem Lebensweg, die im Schreiben Entspannung fanden bzw. erzieherische Ziele verfolgten, so soll jetzt eine Frau vorgestellt werden, die - wie vielleicht viele andere auch -, nur für sich und ihren Freundeskreis Verse schrieb und daraus Kraft und Zuversicht für ihren Alltag schöpfte.
Minna Schmidt-Idar lebte von 1850 -1912. Sie stammte aus der bekannten Fabrikantenfamilie Dicke in der Firma Altenloh, Brinck + Co., Ennepetal. Aufgewachsen in Idar, heiratete sie nach Milspe. Ihr Mann starb früh und sie mußte ihre vier Kinder allein aufziehen. 1897 ließ sie ihr einziges zu Lebzeiten erschienenes Gedichtbändchen "Aus tiefem Born" in Hagen drucken. Minna Schmidt-Idar war sich der Grenzen ihrer lyrischen Begabung bewußt, erhob auch nicht den Anspruch auf Künstlerturm. Doch rühren ihre schlichten, direkt aus dem Herzen kommenden Verse auch den heutigen Leser noch an. Hier ein Beispiel ihrer Dichtkunst:
Trost
Mach' ein Grab und senk' hinein
Alle deine Leiden;
Willst hinfort du fröhlich sein,
Mußt das Grab du meiden;
Blicke vor dich, nicht zurück,
Ist der Blick auch trübe;
Wein nicht um verlor'nes Glück
Und verrat'ne Liebe!
Denke, daß nicht du allein
Vom Geschick erkoren,
Zu erdulden Qual und Pein,
Und nur du verloren!
1937 erschien noch einmal ein Gedichtbändchen von Minna Schmidt-Idar. August Barth, Milsper Hilfsschulrektor und städtischer Archivar, hatte unter dem Titel "Wilde Rosen und Herbstblüten" zarte Liebesgedichte, geduldige Klagen und idyllisch-bescheidene Hoffnungen der schreibenden Hausfrau gesammelt und im Verlag Adolf Kugel in Milspe drucken lassen. Viele der Gedichte von Minna Schmidt-Idar klingen melancholisch und kreisen um das Todesthema. Hier noch ein kleines Liebesgedicht der Autorin, wie es für ein Poesiealbum nicht inniger hätte verfaßt werden können.
Ob du mich liebst?
Es schauen Mond und Sterne
Mich an so trüb;
Ach, wissen mocht' ich gerne,
Ob ich dir lieb?
Ich fragt mit stummem Flehen
Die Stern lein sacht,
da hat, wie ich gesehen,
der Mond gelacht.
Die Sterne seh ich blinken
Nun nicht mehr trüb'
Sie grüßen mich und winken
"Er hat dich lieb."
Leseprobe I Buchbestellung 0711 LYRIKwelt © Kirsten Niesler