Heute vor 250 Jahren
wurde Friedrich Schiller geboren – viele
neue Bücher ehren den Dichter.
Ein Streifzug.
Von Andreas Puff-Trojan aus dem Münchner
Merkur, 10.11.2009:
Man könnte meinen, zu Schiller sei schon
alles gesagt. Doch ganz offensichtlich ist dem nicht so. Eine ganz Fülle von
Neuerscheinungen gibt es, von denen einige von besonderem Interesse sein
könnten. Da ist einmal Rüdiger Safranskis Buch „Goethe
& Schiller. Geschichte einer Freundschaft“.
In dieser Lebensfreundschaft tun sich natürlich auch
Gegensätze auf. Der Literaturwissenschaftler Walter Müller-Seidel
beleuchtet in „Nicht das Große, das Menschliche geschehe“ den politischen
Schiller: Von den Anfängen, als Schiller noch die Tyrannenherrschaft
thematisierte, über Schillers ambivalentes Verhältnis zur Französischen
Revolution bis hin zu seinen großen Humanitäts-
und Freiheitsgedanken. In seinem Buch analysiert Müller-Seidel
den politischen Gehalt von Schillers großen Dramen und seiner theoretischen
Schriften – und vergleicht sie mit der damaligen Weltpolitik und den politisch-utopischen
Ideen im Umfeld der Weimarer Klassik.
Der Publizist Friedrich Dieckmann ist dagegen mehr auf
biografische Weise dem politischen und freiheitsliebenden Schiller auf der Spur.
In „Freiheit ist nur in dem Reich der Träume“ nimmt er die Jahre von 1790 bis
1800 ins Visier. Schillers Schaffenskrise wird thematisiert, mithin die Frage,
ob man als Historiker – Schiller nahm 1789 eine Geschichtsprofessur in Jena an –
nicht besser politisch wirken könne denn als Dramatiker. Doch dann kommt es mit
Hilfe Goethes zur Erneuerung des Dramas: 1798 wird „Wallensteins Lager“ in
Weimar mit Erfolg aufgeführt. Und Schiller wird mit Familie in Weimar heimisch.
Den letzten Abend des alten Jahrhunderts verbringt Schiller gemeinsam mit
Goethe.
Wie beeinflussten
die Frauen den Dichter und sein Werk?
Der Kunsthistoriker Ehrenfried Kluckert wiederum nimmt
Schillers Flucht aus der Stuttgarter Militärakademie 1782 zum Anlass, um in
Rückblicken die Bedeutung dieses Ereignisses auf den Lebensweg des Dichters
nachzuzeichnen. In diesem biografischen Porträt „Das Alte stürzt, es ändert sich
die Zeit“ wird Schillers Flucht zum bestimmenden Element für seine Weltsicht.
Welche Einstellung hatte aber Schiller zu den Frauen?
Dieser Frage geht Joseph Kiermeier-Debre in
„Schillers Frauen“ nach. Natürlich gibt es ein Porträt der Mutter, doch
angefangen mit Schillers erster Muse Louise Dorothea Vischer, über Henriette und
Charlotte von Wolzogen bis zur Heirat mit Charlotte von Lengefeld werden die
amourösen Stationen nachgezeichnet und mit kleinen Charakterstudien von
Heldinnen aus Schillers Stücken kontrastiert. Dichtung und Wahrheit rücken da
manchmal eng zusammen, denn der Bühnenautor Schiller griff gerne auf Vorbilder
aus dem realen Leben zurück. Wer aber kennt Christophine Reinwald? Sie ist
Schillers ältere Schwester, er nannte sie liebevoll seine „früheste Heldin“.
Unglücklich verheiratet, aber mit einem langen Leben gesegnet, wurde sie im
Alter zur Bewahrerin des Schillerschen Erbes. Über diese unkonventionelle und
geistreiche Frau legt nun Dieter Hildebrandt ein Buch vor: „Schillers erste
Heldin“.
Schillers Verhältnis zu den Frauen mag für seine Stücke
produktiv gewesen sein. Seine Lebensfreundschaft zu
Goethe hat aber ein ganz
eigenes Werk hervorgebracht: den Briefwechsel der Dichterfürsten. Nun hat der
Reclam Verlag eine Neuedition in gebundener Form herausgebracht. Der erste Band
umfasst den gesamten Text, der zweite den Kommentar. Das Besondere an der
Ausgabe ist, dass die Briefe historisch-kritisch
in originaler Gestalt gedruckt sind, Varianten
werden direkt im Text vermerkt. Der Kommentarteil umfasst Überlieferung,
Datierung und Geschichte der Briefe, bietet also alles Wichtige zum besseren
Verständnis.
Rauchte Schiller
etwa? Oder war er ein Alkoholiker?
Wer sich dem Dichter und Denker Schiller erst einmal
allgemein nähern will, dem seien zwei Publikationen empfohlen. In „Mein
Schiller“ präsentiert Marcel Reich-Ranicki
eine persönliche Auswahl aus dem Werk: Lyrik, Erzählung, das Stück „Kabale und
Liebe“ und viele theoretische Texte. Man kann sich natürlich auch anhand von
existenziellen Fragen Schiller nähern: „Rauchte Schiller?“ – „War Schiller
Alkoholiker?“ – „Glaubte Schiller an Gespenster?“ Diese und andere
Problemstellungen arbeitet der Literaturwissenschaftler Gero von Wilpert in
„Schiller. Die 101 wichtigsten Fragen“ ab – und das auf höchst amüsante und
informative Weise. Dass Schiller dem Tabak äußerst zugetan war, weiß man. Wie
steht es aber nun um den Alkohol? Der trinkfeste
Goethe berichtet, dass Schiller zu Zeiten seine geistigen Kräfte durch „Liqueur
oder ähnliches Spiritiuoses“ zu steigern beliebte. Auch hier zeigt sich: Ohne
Goethe hat man nur den halben Schiller. Das
gilt natürlich auch umgekehrt.
[...diesen und
weitere Berichte finden Sie unter www.merkur-online.de]
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