Simone de Beauvoir und Jean Paul Sartre:Die Kunst der Nähe (2001, Rowohlt, von Walter van Rossum)1.) - 3.)

Die Nation und das Engagement.
Frankreich und sein Sartre-Jahr: Viel Trubel um den eigentlich vergessenen Philosoph, Dramatiker, Schriftsteller und Intellektuellen.
Von Martina Meister in der Frankfurter Rundschau, 30.3.2005:

Am 21. Juni 1905 wurde er geboren, am 15. April 1980 ist er gestorben: Frankreich feiert dieses Jahr Jean-Paul Sartre aus doppeltem Anlass. Wichtigstes Ereignis des nationalen Erinnerns ist eine Ausstellung zum Werk Sartres in der Pariser Bibliothèque National, die bis zum 25. August zu sehen ist. www.bnf.fr.

Eins ist sicher: Er hätte es gehasst. Und dieser Widerwille wäre vermutlich mehr gewesen als bloße Attitüde. Jean-Paul Sartre wollte nicht, dass sein Werk in der berühmten Dünndruckausgabe der Pléiade erscheint, weil er sie als Grabstein empfand, unter dem er schon zu Lebzeiten beerdigt worden wäre. Aus demselben Grund hat er 1964 den Nobelpreis für Literatur abgelehnt. Er wollte nicht, zumindest ist das die offizielle Version, zum Monument werden.

Er hätte es gehasst, den ganzen Erinnerungsrummel, die Maschinerie der commémoration, die Frankreich angeworfen hat, das ganze Sartre-Jahr, das pünktlich zu seinem 25. Todestag am 15. April 1980 und überpünktlich zur Wiederkehr seines 100. Geburtstag am 21. Juni als nationales Ereignis zelebriert wird. Die Universitäten, die sich seit zwei Jahrzehnten nicht mehr für das Werk Sartres interessierten, veranstalten Konferenzen und Kolloquien; in der Pariser Bibliothèque National wurde vergangene Woche eine große Ausstellung mit dem schlichten Titel "Sartre" eröffnet; die Medien überschlagen sich, die Tageszeitungen bringen Beilagen heraus; die Magazine titeln, ohne sich dabei selbst ganz ernst zu nehmen: "Muss man Sartre verbrennen?"

Und allesamt fragen: Was bleibt? Das Resümee fällt ernüchternd aus: Sein Theater ist nicht mehr lebendig. Die jungen französischen Regisseure kennen ihn nicht oder meiden ihn bewusst. Die letzte Sartre-Inszenierung, die in Frankreich für Aufsehen gesorgt hat, war Frank Castorfs Volksbühnengastspiel der Schmutzigen Hände am Pariser Théâtre de Chaillot 1998. Um das philosophische und literarische Werk steht es nicht besser. In den Schulen gehört es noch zur Pflichtlektüre, aber schon an den Universitäten wird Sartre nicht mehr studiert.

Was geblieben ist, 100 Jahre später, sind vor allem alte Feindschaften. Denn die ideologische Spaltung zwischen denen, die lieber mit Sartre irren als mit Aron Recht haben und denjenigen, die schon immer mit Raymond Aron Recht hatten, mit dem seinerzeit ebenso berühmten Soziologen und bürgerlichen Gegenspieler Sartres, dessen 100. Geburtstag dieser Tag fast klanglos vorbei ging, diese Spaltung scheint noch intakt zu sein. Als wäre der Kalte Krieg der Köpfe noch immer nicht vorbei. Der konservative Figaro titelt: "Sartre: Der Ekel?" und publiziert eine Reihe von Artikeln, die seine Philosophie, seine Prosa, seine Theaterarbeit und natürlich vor allem sein Engagement entmystifizieren sollen. Einer der Kommentatoren kommt zu dem Schluss, dass Sartre nicht der größte Philosoph des Jahrhunderts, aber sicher "der talentierteste Ideologe" gewesen ist.

Hagiographie und Phobie

Die linke Tageszeitung Libération ehrt ihren Gründungsvater hingegen mit einer 72 Seiten starken Beilage. Sartre revisited. In allen Details. Schriftsteller, Politiker, Philosophen beschreiben seinen Einfluss auf ihr Werk oder Leben. Photographen werden auf den Spuren des Protagonisten von Der Ekel durch Le Havre geschickt. Und wer das Paris Sartres besuchen will, bekommt einen Stadtplan des Quartier Latin mit genauen Eintragungen an die Hand, mit dessen Hilfe er die Weihestätten des Existenzialismus, vom Café Le Flore bis hin zur Closerie des Lilas, abschreiten kann. Der Ansatz ist hagiographisch, wenn auch nicht unkritisch. Man fragt sich nach der Lektüre allerdings, wie der unerbittliche Sartre die Tatsache kommentieren würde, dass Libération heute allein Dank des Kapitals des Bankiers Rothschild überhaupt noch überlebt.

Angesichts des alten Konflikts zwischen Sartrephobisten und Sartrehagiographen hat die ausführliche Ausstellung in der Bibliothèque National etwas wohltuendes, weil sie ideologische Grabenkämpfe meidet und den schreibenden Sartre in den Mittelpunkt stellt. Über 400 Exponate sind versammelt, vorwiegend Manuskripte, zum Teil niemals publizierte Briefe, Tagebücher, Originalausgaben, eng beschriebene Hefte, die eine Ahnung von Sartres Besessenheit geben: Er wollte, so sagte er selbst, Spinoza sein und Stendhal zugleich, Philosoph und Schriftsteller. Die Ausstellung legt Zeugnis ab von einem Menschen, der Bücher mit einer sagenhaften Bulimie verschlang und mit einer noch sagenhafteren Produktivität wieder ausspuckte.

Auch formal hält sich die Ausstellung klassisch an die Chronologie und zeichnet Sartres Leben und Werk in den einzelnen Stationen nach. Das ist, zugegeben, unaufregend, aber hat einen großen Vorteil: Das Jahrhundert Sartres, wie Bernard-Henri Lévy seine 2000 erschienene Biographie betitelt hat, wird plastisch. Es nimmt in Tondokumenten, Fotos und Zeitungsausschnitten noch einmal Gestalt an und auch junge Besucher werden nachvollziehen können, wieso dieser kleine Mann es vermochte, eine so große Rolle zu spielen. Denn - auch das kaschiert die Ausstellung nicht - es war nicht das Werk an sich, auch nicht ein Buch oder ein Theaterstück, nicht einmal seine Theorie der Freiheit, welche seine Rolle für das 20. Jahrhundert erklären könnte. Es war schlicht die Figur Sartres, die Ambition, die er entwickelt hatte, alles zu sein: Philosoph, Schriftsteller, vor allem aber Weltveränderer, kurz: ein intellectuel engagé.

Der stumme Film von Sartres Beerdigung, der am Ende der Ausstellung in einer Endlosschleife gezeigt wird, führt diese Symbolkraft unmissverständlich vor Augen. Zehntausende hatten sich versammelt, um Sartre auf dem Weg zum Friedhof von Montparnasse die letzte Ehre zu erweisen. Zu sehen ist, wie sich ein Wagen mit einem Berg aus Blumen gefolgt vom Leichenwagen den Weg mühsam durch die dichte Menschenmenge bahnt: Hier wurde, am 20. April 1980, eine Symbolfigur, wenn nicht die Symbolfigur des 20. Jahrhunderts zu Grabe getragen.

Bis heute kann man Sartre vorwerfen, die UdSSR, Kuba und China durch eine rosarote Brille gesehen zu haben. Man kann noch weiter gehen und wie der Exminister und Sozialist Michel Rocard in Libération formulieren, dass Sartre in keiner Weise dazu beigetragen habe, eine "schlagkräftige, hellsichtige und effektivere Linke" aufzubauen. Denn Sartre, so resümiert Rocard, sei davon überzeugt gewesen, dass es jenseits der Kommunistischen Partei Frankreichs und ihrer Satteliten keinen Platz für eine andere Linke gab. Es ließen sich auch all die Denker wie Michel Foucault, Gilles Deleuze, Jacques Derrida und Pierre Bourdieu zitieren, die immer wieder betont haben, am Anfang ihrer Karriere im Schatten des übermächtigen Sartres gestanden zu haben. Und doch zeigt ein Blick auf ihr Werk und ihr Engagement, dass es nicht fruchtlos gewesen ist, sich an einem Sartre abarbeiten oder behaupten zu müssen. Wieder ist es nicht unbedingt der theoretische Grundstein, den er gelegt hat, sondern ein symbolischer: Die historischen Arbeiten Foucaults, auch die soziologischen Bourdieus, stehen letztlich in der Tradition von Sartres Engagement für die Unterdrückten der Gesellschaft. Dass der intellectuel engagé in Frankreich zum eitlen Medienstar, Krisentouristen und Petitionskönig mutieren konnte, muss man nicht Sartre anlasten. Aber vielleicht darf man den Trubel der Erinnerung deshalb als Sehnsucht interpretieren: nach aufrichtigem, authentischem Engagement wie es Sartre verkörperte.

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Simone de Beauvoir und Jean Paul Sartre:Die Kunst der Nähe (2001, Rowohlt, von Walter van Rossum)2.)

Zwei Wein und ein Whisky
Morgen wäre Philosoph und Autor Jean-Paul Sartre 100 Jahre alt.
Von Rüdiger Suchsland aus dem Münchner Merkur, 19.06.2005:

Zu viel Charme, Zigarettenrauch und Kaffeehausduft ist in dieser Philosophie, um sie nicht all jenen verdächtig zu machen, die sich als Sachwalter des Wahren, Schönen und Guten verstehen. Zu viel ist darin von Freiheit die Rede, davon, dass es ganz einfach sei, das Richtige zu tun, dass man nur wählen müsse - um nicht all die Hüter von Pflicht und Moral auf den Plan zu rufen. Das machte Jean-Paul Sartre, der morgen vor 100 Jahren geboren wurde und 1980 starb, umgekehrt gerade attraktiv.

"Der Mensch ist verurteilt, frei zu sein."
Jean-Paul Sartre

Sartre war glamourös, aber nicht gefällig, seine scharfgeschliffenen Sätze konnten ebenso bezaubern wie verletzen, aber gerade der Glanz seiner Formulierungen weckte Verdacht: Konnte jemand, der so schön schrieb, auch Substanz haben? Konnte man ein wirklich ernsthafter Philosoph sein und gleichzeitig der weltweit meistaufgeführte Bühnenautor? War es schließlich möglich, dass Texte dauerhaften Wert hatten, wenn doch allgemein bekannt war, dass sie ihr Autor in einem lärmenden Pariser Lokal geschrieben hatte, womöglich nach zwei Gläsern Wein und einem Whisky?

Besonders in Deutschland, wo auch die Kunst Arbeit zu sein hat, war Sartre suspekt. Ein Wunderkind, dem alles leicht fiel und scheinbar nichts

Arbeit war - der allerdings etwa 40 Bücher schrieb -; der, anstatt sich in langen Fußnoten mit Kant auseinander zu setzen, am Beispiel eines Restaurantkellners erklärte, was Intersubjektivität ist.

Und dann die Frauen: Nicht verheiratet, dafür lebenslang liiert mit der Schriftstellerin Simone de Beauvoir (1908-1986), mit der er eine ebenso öffentliche wie liebevolle und überaus treue Beziehung führte. Was beide keineswegs hinderte, manchmal mehrere Geliebte auf einmal zu haben und darüber in ihren Büchern diskret, aber offen zu schreiben.

Sartres Persönlichkeit schillerte wie sein Werk. Wie Sokrates galt Sartre zu Lebzeiten - mehr als alles andere - als ein Verderber der Jugend. Einen Schierlingsbecher reichte man ihm zwar nicht, doch skandierte die französische Rechte öffentlich "Tötet Sartre!". Und nur knapp entging er zwei Bombenanschlägen auf seine Pariser Wohnung.

Wer würde heute noch einen Philosophen für so wichtig halten, dass man ihn töten müsste? Dieser Hass hatte zwar auch politische Gründe - Sartre polemisierte seinerzeit stark gegen den französischen Algerienkrieg -, doch für nichts wurde er mehr angefeindet als dafür, dass er die etablierten Posen und alle Anpassung ablehnte und Rebell blieb. "Die Einheit dessen, was ich tue, ist die Philosophie": Daran ließ Sartre nie Zweifel. Alles Weitere war nur Folge der Kernidee jener Philosophie, dass man für sein Denken einzustehen habe, keinen Unterschied machen dürfe zwischen Reden und Handeln. Engagement nannte er dieses Gebot, aktiv zu werden, sich der Welt und ihren

"Man soll keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug."
Jean-Paul Sartre

Herausforderungen zu stellen um jeden Preis - auch den des Irrtums: "Ein Intellektueller ist einer, der sich in Dinge einmischt, die ihn nichts angehen."

Begonnen hatte alles in der französischen Provinz: Bei seinen Großeltern war er aufgewachsen, nachdem sein Vater früh gestorben war. Diese Jahre schildert er in seiner Autobiografie "Die Wörter" als goldene Zeit. Für Sartre war Denken das Selbstverständlichste der Welt. Und so wandte er sich in den 20er-Jahren der Phänomenologie zu, die das Denken neu in der menschlichen Erfahrung verankern wollte. Parallel schrieb er "Der Ekel" (1939), seinen erfolgreichsten Roman, und "Das Sein und das Nichts" (1943), sein philosophisches Hauptwerk. Dies begründete den Existenzialismus, jene skeptische Philosophie der Nachkriegszeit. Für jedermann verständlich, denkt Sartre die großen Fragen des Jahrhunderts durch: Totalitarismus und Freiheit, Widerstand und Liebe.

Der Mensch allein ist verantwortlich für die Bedingungen seines Lebens, lautet eine der zentralen Aussagen. Sind sie schlecht, unfrei, verbrecherisch, liegt es an ihm, sie zu ändern. Es gibt keine Ausreden. So war Sartre nach kurzem Flirt mit dem Kommunismus einer der schärfsten Kritiker des Sowjet-Einmarschs in Ungarn 1956: "Es gibt keinen Sozialismus, wenn jeder zwanzigste Bürger im Lager sitzt." Doch lehnte er auch 1964 den Nobelpreis für "Die Wörter" ab; die von ihm begründete "engagierte Literatur" bedeutet Skepsis gegenüber jeder Möglichkeit der Vereinnahmung. So lieferte Sartre über Jahrzehnte das Grundmodell, nach dem ein Schriftsteller aufzutreten hatte. Gerade das Widerständige seiner Person und seines Werks fasziniert bis heute. In Erinnerung bleibt Sartre, den noch sein politischer Gegner Charles de Gaulle als Voltaire des 20. Jahrhunderts achtete, als Erbe der skeptischen Aufklärer, ein höchst aktueller Denker. "Wenn die Literatur nicht alles ist, ist sie nicht der Mühe wert", war Sartre überzeugt. Nicht nur der Schriftsteller darf daran glauben.

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Simone de Beauvoir und Jean Paul Sartre:Die Kunst der Nähe (2001, Rowohlt, von Walter van Rossum)3.)

Dass ihr wollt
Ein Radikaler als Kultfigur der Intellektuellen: Heute würde der französische Denker Jean Paul Sartre 100 Jahre alt.
Von Jens Dirksen aus der NRZ vom 20.6.2005:

Einen Intellektuellen wie ihn, der sich beinahe täglich ins politische Getümmel stürzte, um meist links und immer radikal Partei zu ergreifen, so einen gibt es heute nirgends, nicht mal in Frankreich. Umso mehr wird einer wie Jean-Paul Sartre vermisst. Am Ende aber könnte es der vor 100 Jahren geborene Sartre selbst sein, der einen wie Sartre heute unmöglich macht. Dieser Prototyp des kritischen Denkers, der zu Lebzeiten als Touristenattraktion in Paris dem Eiffelturm Konkurrenz machte, war groß und übergroß in seinem Engagement - bis in seine historischen, politischen Irrtümer hinein. Sartre, das sieht man heute klarer denn je, nahm den intellektuellen, moralischen Kredit, den er sich durch Stil und Argumente erschrieben hatte, nicht nur für die Humanität in Anspruch, sondern auch für Menschenschlächter wie Stalin oder Pol Pot. Entscheidungen wie diese wurzelten in seinem Willen, links und solidarisch zu sein - und in seiner Philosophie, die das bewusste Entscheiden noch höher ansiedelte als die Frage nach richtig oder falsch. Sartre, der sich als Stipendiat in Berlin bei Heidegger mit Existenzialismus angesteckt hatte, folgte seinem Lehrer nicht in die verblasenen Höhen einer weltabgewandten Philosophie. "Ich glaube", lautete einer seiner subtilsten Vorwürfe an Kritiker, "Sie verachten ein wenig das Konkrete."

Existenzialisten-Schwarz, Rotwein und Gauloises

Sartre wollte nicht denken statt handeln. Ihm genügte nicht einmal, durch Denken zu handeln. Er wollte eine Welt, die durch und durch gewollt ist, weil sie durchdacht ist.

Deshalb hat er seine Kindheit verabscheut. In der Autobiografie "Die Wörter" lässt er sie nur als Selbsterschaffungs-Programm gelten. Eine unablässige Folge von immer neuen Entscheidungen war seine überaus offene Zweierbeziehung mit Simone de Beauvoir. Sie ließ Sartre zeitweise vergessen, wie verhasst ihm sein Äußeres war, ihr Leben wurde weltweit zum Lifestyle-Bilderbogen für freiheitslustige Bildungsbürger, die schwarz gekleidet, Rotwein trinkend und Gauloises rauchend vom "Cafe Flore" träumten.

Sartre, der in Le Havre bei seinen Großeltern aufwuchs, fühlte sich dort überflüssig. Nur das Schreiben. Mit sieben, acht Jahren kopierte er, was er in Büchern las, weil er Literatur schreiben wollte, Schriftsteller sein. Die Sucht nach Selbstvergewisserung im Schreiben führt zu einem Lebens-Pensum, das Statistiker in 30 Seiten pro Tag umgerechnet haben; 3000 Seiten füllt allein seine Flaubert-Biografie "Der Idiot der Familie".

"Der Ekel", der philosophische Roman, der ein Jahr vor dem Zweiten Weltkrieg erschien, machte ihn berühmt. Sein Held Roquentin folgerte aus der Absurdität um ihn herum, dass sich der Mensch selber einen Sinn machen muss, weil die Dinge und das Leben keinen haben. Sehr viel weiter führte auch "Das Sein und das Nichts" nicht, die Programmschrift des französischen Existenzialismus - die in ganz Europa als philosophischer Ausweg aus der Verzweiflung über die Barbarei des Zweiten Weltkriegs begriffen wurde. Wie eine Ironie der Geschichte stammt das Original dieser Heidegger-Variation für die Freunde des Konkreten aus dem Land, das die Barbarei auslöste.

Immerhin, in einer Zeit, in der das herrschende Wirtschaftssystem zum Naturgesetz erklärt wird und damit zur Rechtfertigung für Habgier, Verantwortungslosigkeit und real existierenden Zynismus, erinnert einer wie Sartre daran, dass jedem Handeln eine Entscheidung vorausgeht. Und dass Entscheidungen durchdacht sein können. Wenn man will. (NRZ)

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