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| Foto: Ekko von Schwichow www.schwichow.de |
Boualem Sansal: „Der Kampf ist noch nicht
vorbei“
Der algerische Schriftsteller Boualem
Sansal erhielt in Frankfurt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
Von Britta Heidemann in der WAZ
vom 16.10.2011:
Ist das Angst in seinem Gesicht? Die Züge des algerischen Schriftstellers Boualem Sansal sind ja nicht leicht zu deuten. In der Frankfurter Paulskirche hat er soeben den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegengenommen und das als „rührende, aufmunternde Geste“ bezeichnet. Im Publikum sitzen sein Laudator Peter von Matt und Börsenvereins-Vorsitzender Gottfried Honnefelder, der ihm die mit 25 000 Euro dotierte Auszeichnung überreicht hat. Dort sitzen Politiker, Prominente aller Art. Nur der Platz des algerischen Botschafters ist nicht besetzt. „Der leere Stuhl betrübt und beunruhigt mich“, sagt Sansal: „Er zeigt mir, dass sich meine Situation in Algerien nicht verbessern wird, weil ich den Friedenspreis nach Hause bringe.“
Boualem Sansal, geboren 1949 in den Bergen von Oran, ist einer der schärfsten Kritiker seines Landes. Seine Bücher sind verboten (würden aber von „mutigen Buchhändlern“ unters Volk gebracht, sagt er). In seinen Romanen und Essays geißelt er den Terror eines Unterdrückungsstaates und den Verfall der Demokratie, beschuldigt er die Regierung der Korruption. Ans Exil denkt er dennoch nicht. Gerade jetzt nicht. „Wir spüren, dass sich seit tunesischen Jasminrevolution in der Welt etwas verändert hat“, sagt Sansal am Sonntag in der Paulskirche. Er hoffe, dass der arabische Frühling auch den israelisch-palästinensischen Konflikt erreiche. Wenn auch in seinem eigenen Land jegliche Proteste im Keim erstickt worden seien, glaubt er dennoch: „Der Kampf ist noch nicht vorbei.“
In seiner Rede nennt er die algerische Autorin Assia Djebar, die im Jahr 2000 den Friedenspreis erhielt, eine Wegbereiterin. Im Bürgerkrieg seien gerade die Frauen „Zielscheibe der islamistischen Horden“ gewesen, so Sansal: „Aber ohne die Frau im Vollbesitz ihrer Freiheit kann es nur eine kranke Welt geben.“ Und: „Das Fehlen von Freiheit ist ein Schmerz, der einen verrückt macht.“
Dann dankt er seiner eigenen Frau, die in der ersten Reihe sitzt, für den „stillen Mut“, den sie in Zeiten des Bürgerkriegs bewiesen habe. Dieser Krieg habe ja „das Versinken im Absurden“ bedeutet: „Der Preis gehört in Wirklichkeit dir.“
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]
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