Herbert Rosendorfer, 2006, ©Foto: Marko Lipus

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Herbert Rosendorfer im Reich der Mitte
Schriftsteller reiste mit Außenminister nach China
Interview von Alexander Altmann aus den Nürnberger Nachrichten vom 8.8.2008:

Mit seinem Roman «Briefe in die chinesische Vergangenheit« gelang Herbert Rosendorfer 1983 ein bis heute erfolgreicher Bestseller. Kurz vor Beginn der Olympischen Spiele in Peking konnte sich der Münchner Autor jetzt ein Bild von der chinesischen Gegenwart machen: Als Delegationsmitglied begleitete er Außenminister Frank Walter Steinmeier kürzlich auf dessen Reise ins Reich der Mitte. Wir sprachen mit Herbert Rosendorfer.

Herr Rosendorfer, wie kamen Sie darauf, in Ihrem Roman ausgerechnet einen Chinesen aus der Vergangenheit in unsere Zeit reisen zu lassen?

Rosendorfer: Ich brauchte eine Figur mit großer Distanz zu unserer Gegenwart. Und China war mir immer schon sympathisch, seine Geschichte, seine Religion ohne Theologie, vor allem seine Philosophie: Der Konfuzianismus und der Taoismus mit seinem Gedanken des «Wuwei«, also des Nichteinmischens, des kritischen Beobachtens. Das liegt mir stark.

Wie kam es dazu, dass Sie jetzt mit dem Außenminister nach China reisten?

Rosendorfer: Der Minister ist einer der wenigen Politiker, die lesen. Er kannte meine «Briefe in die chinesische Vergangenheit«. Darum hat er auf seine Chinareise neben Wirtschaftsleuten mich und meinen Autoren-Kollegen Tilman Spengler mitgenommen – quasi als «Unterhaltungselement«. Die Reise war ein Zeichen des guten Willens der Bundesrepublik: Nachdem die Kanzlerin den Dalai Lama gestreichelt hatte, sind die Chinesen ganz fuchsig geworden. Darauf musste der Außenminister das sehr, sehr diplomatisch wieder hinbiegen, weil ja deutsche Firmen, was weiß ich, ihre Kloschüsseln und ICE-Garnituren nach China verkaufen wollen. – Und es war dann auch wieder alles in Butter.

Wie sehen Sie selbst das Problem China und die Menschenrechte?

Rosendorfer: Meine persönliche Meinung ist: Ein gezielter, scharfer, einheitlicher Boykott der Olympischen Spiele hätte die Chinesen in die Knie gezwungen. Das habe ich dort so hintenrum mitbekommen. Die hatten eine solche Angst davor, ihr Gesicht zu verlieren, wenn sie boykottiert werden, dass sie alles getan hätten. Sie hätten Tibet weggegeben und die Bürgerrechte respektiert – wenn die übrige Welt einig gewesen wäre. Da ist eine historische Chance vertan worden. Aber die Interessen der Sportindustrie und des korrupten Olympischen Komitees sind zu groß, da war ein Boykott nicht zu machen.

Westliche Wirtschaftsinteressen bestimmen ja überhaupt den sehr dezenten Umgang mit China . . .

Rosendorfer: Ich glaube, diese wirtschaftlichen Interessen werden überschätzt. Die Chinesen haben ein viel größeres Interesse an dem, was sie von uns kriegen, als unsere Manager an dem, was die Chinesen liefern können.

Welche Eindrücke haben Sie von Ihrer jüngsten China-Reise mitgenommen?

Rosendorfer: Man kann dort wirklich sehr aufregende und erschreckende Beobachtungen machen. Selbst in New York habe ich zum Beispiel nicht so viele Hochhäuser auf einem Fleck gesehen wie in chinesischen Städten - leider großteils nicht so schöne wie in New York. Es ist ein Albtraum an Bautätigkeit in China, wobei die kleinen alten Häuschen gnadenlos niedergewalzt werden. In Peking habe ich außer der Verbotenen Stadt eine einzige Stelle nach 13 Jahren wiedererkannt.

Aber heißt das nicht auch, dass China vorankommt?

Rosendorfer: Das würde ich den Chinesen wünschen, allerdings habe ich leider den Eindruck: das ist eine Sumpfblüte. Vielleicht täusche ich mich, aber ob das alles so vorhält, dieser Boom, da hab ich meine Bedenken. Ich würde eher auf Indien setzen. Nicht, dass die Inder intelligenter wären als die Chinesen, aber vielleicht, sagen wir einmal, phantasievoller. Es gibt ja auch eine wirtschaftliche Phantasie.

Schauen Sie sich die Olympiade im Fernsehen an?

Rosendorfer: Nein, Sport interessiert mich überhaupt nicht. Wie hoch oder weit einer hupft, ist mir völlig egal.

Das vollständige Gespräch mit Abb. von Alexander Altmann finden Sie unter Nürnberger Nachrichten

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter Nürnberger Nachrichten]

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