Rengha Rodewill  (hf0605)Rengha Rodewill: Von der Volme an die Spree
Hin und wieder kehrt sie zurück zu ihren Wurzeln, die in Hagen zu finden sind. In der Straße am Amtsgericht wuchs sie auf, zwischen dem Feinkostladen ihres Vaters und dem Tanzstudio von Ingeburg Schubert-Neumann in der Bahnhofstraße 7,  wo sie Ballett studierte.

Von Annette Gonserowski, Herbst 2008:

Ein plötzlicher Bühnenunfall machte die sich abzeichnende Karriere zunichte. Von der Bühne an die Staffelei war es nur ein kurzer Weg, die Kreativität umzusetzen in Tanz, in Musik, in Farben.

Ihr Freund und Lehrer, der Maler Prof. Will. D. Nagel USA (1914-1969), der mit prominenten Vertretern des Abstrakten Expressionismus, wie Prof. Emil Schumacher (1912-1999) in Deutschland und Jackson Pollock USA (1912-1956) in freundschaftlichem Austausch stand, beeinflusste ihre Anfänge als Malerin ganz entscheidend.

Dem Grafikstudium und dem Studium der Malerei schlossen sich Studienaufenthalte in Italien und Spanien an, bevor sie 1978 von Hagen nach Berlin übersiedelte. Seit 1987 betreibt Rengha Rodewill ein Atelier, das 1998 von Berlin nach Potsdam-Babelsberg, romantisch am Griebnitzsee gelegen, verlegt wurde.

Rodewill ist Mitglied des BBK Berlin.

Mit Emil Schumacher stand sie bis zu seinem Tod im künstlerischen Austausch. Eine Einladung, zu einer Vernissage 1998 nach Berlin, schrieb er mit einem selbstverfassten Gedicht ab. Bedauernd diese Reise aufgrund seines Alters von 86 Jahren nicht mehr antreten zu können.

„ Zeigt her eure Füße, zeigt her eure Schuh und schauet der lieblichen Malerin zu.“ (Prof. Emil Schumacher an Rengha Rodewill 15.5.1998). Emil Schumacher nannte Renha Rodewill  in seinen Briefen „Liebes Hagener Kind“.

Rengha Rodewill arbeitet spontan, impulsiv, kraftvoll-dynamisch. Sie setzt ihre Energien vorzugsweise am großen Format ein. Lt. Rodewill, wird während der Malaktionen das Atelier zum Kampfplatz, zur Arena. Es entstehen im rasanten Tempo zunächst Untergründe, auf denen viele Farbschichten im Fluss sind, dabei Tiefe und Räumlichkeit erzeugend. Die Bilder sind dynamisch, farbintensiv und rätselhaft. Die Künstlerin bedient sich keiner Klischees, passt in keine Schublade der bildenden Kunst. Die Titel werden später gefunden und tragen so klingende Namen wie Dancing in Paradise, Valse de Mer, oder Dreaming of Fantasy. Rodewill lässt beim Arbeiten ihren Intuitionen freien Lauf, nur so kann der innere Aufruhr bis zur malerischen Explosion getrieben werden.

1997 erfand sie mit ihrer Kunsthistorikerin Renate Bergerhoff den Begriff des “Dance Painting“.

Renate Bergerhoff schreibt über sie: „DIE SUCHE“ nach neuen Ausdrucksmitteln lässt am ehesten an Jackson Pollock denken. Rengha Rodewill bewundert Pollock, sieht sich aber nicht in dessen direkter Nachfolge, zumal in ihrem Werk als Ausgleich zu ihren wilden „Dance Paintings“,  auch ruhigere, ausschließlich mit dem Pinsel gemalte Bilder entstehen. Das Ergebnis dieser Arbeitsweise ist dabei ein Spiel mit sich wiederholenden Formen, die konsequent beibehalten werden. Auch in diesen Bildern ist sie modern, aber nicht modisch-angepasst oder beliebig. Bei aller Abstraktion hat ihre Malerei die Sinnlichkeit nie aufgegeben und bleibt körperlich erlebbar. Die Serie „New Romantisism 2000“ entstand.

In ihrem „Manifest 2000“ schreibt die Künstlerin hierzu: „Neue Romantik“ ist für mich ein Gefühl und lässt sich in sinngemäßer Übersetzung wiedergeben als Leidenschaft zur Einheit, als Suche nach Harmonie. Irgendwie scheint - handelt es sich um eine idealistische Variante von Lebensphilosophie. Man könnte Idealität vielleicht auch übersetzen als etwas auf die Spitze treiben, zumindest als Künstlerin.
Ich meine damit die idealistische Sehnsucht nach entindividualisierender Grenzüberschreitung, nach kontrolliertem Aufgehen in etwas, dass als größer empfunden wird, als man selbst, etwas zu sein, was in jeweils zeittypische Facette als immer wiederkehrende Fragestellung beinahe so etwas wie ein grundlegendes menschliches Bedürfnis darstellt.
Wichtig ist auch die Verknüpfung mit der Sinn- oder Wertfrage, denn gesehnt hat man sich immer und zu allen Zeiten nach dem, was als das Höchste oder Wertvollste erachtet wurde. In der Antike nach der platonischen Idee, im Mittelalter nach mystischer Vereinigung mit Gott, in der Romantik mit dem eigenen Gefühl, in jüngster Zeit mit der eigenen Expressivität und Wildheit.
In der klassischen Romantik wird die Welt der Innerlichkeit und der wahren Gefühle, die Stimme des Herzens erstmals wirklich der Welt der Konventionen und Masken deutlich entgegengehalten, die als Verstellung und Schein verurteilt werden.
In der Anwendung auf unsere aktuellen Verhältnisse ist das Thema jedoch keinesfalls irrelevant. Wir pflegen es lediglich anders auszudrücken. Viele Bedingungen haben sich verändert; gleichzeitig kann man in bestimmter Hinsicht von einer Gegenwart der Romantik, von einer Neuen Romantik sprechen.“

Den Schaffenskreis runden die erotischen und auch die zeitkritischen Großobjekte der Künstlerin ab. Bei Wildcat-Sexplosive No.1 und Wildcat-Sexplosive No.2, beim Objekt mit weinender Puppe auf rotem herzförmigem Lederkissen geht es nicht nur skurril, sondern auch aggressiv und provokant zu. Man muss sich etwas Zeit nehmen, um die vielen meist symbolhaft eingesetzten Details zu entdecken, die im Miteinander immer einer Idee folgen. Es geht dabei um Liebe, Sex, Verletzbarkeit, auch um den Bruch mit Konventionen. Die Objekte wollen zur Auseinandersetzung herausfordern, ohne den Anspruch auf große Kunst zu erheben. In ihrem Genre sind sie äußerst originell und ähnlich Energie geladen wie die Tafelbilder der Künstlerin.

Rodewills Werke wurden auf der Biennale in Florenz ausgestellt, so wie in Großstätten Europas.

Im September 2007, trat Rengha Rodewill mit ihrer Hommage à Mascha Kaléko „Ein Leben verkleben“ zum 100-jährigen Geburtstag der berühmten, jüdischen Dichterin (1907-1975) in die Öffentlichkeit. Im Georg-Kolbe-Museum in Berlin, stellte sie eine zweiteilige Plastik/Installation aus. Auf der Plastik wurden mehr als 2600 Textzitate aus den Büchern der Kaléko verarbeitet.

Die Kunsthistorikerin Regine Reinhardt schreibt hierzu: Das Werk von Rengha Rodewill ist eine Installation aus zwei Teilen: Zum einen ein alter Koffer in dem das verkohlte Buch von Mascha Kalékos lyrischem Stenogrammheft liegt. Zum anderen eine Figurine, die über und über mit Texten beklebt ist und auf einer quadratischen Plinte steht.

Für eine auf Aktionismus gerichtete Energie, wie sie sich im Action Painting Bahn bricht, findet Rodewill in der Installation ebenfalls ein Ventil. Rodewill wird in ihren Installationen sehr gerne mit dem amerikanischen Künstler Edward Kienholz verglichen.

Bei vielen Vernissagen von Rengha Rodewill, treten so bekannte Künstler wie der intern. Jazz Musiker Rolf Kühn, der Krimiautor Horst Bosetzky (ky), die Lyrikerin Eva Strittmatter, die Romanschriftstellerin Antje Rávic Strubel, die Schauspielerin Brigitte Grothum auf, um nur einige zu nennen. Oft verbindet sie ihre Vernissagen mit  einer Charity Aktion für kranke Kinder, z.B. ihr „BENEFIZZZ FOR KIDS“ in der Universität der Künste Berlin.

Leseprobe I Buchbestellung I home 1208 LYRIKwelt © Annette Gonserwoski