Sascha Reh, Foto:Frank Kurczyk/RVR, Literaturpreis Ruhr 2015 (hf1015)

Sascha Reh
Foto: Frank Kurczyk/RVR

Ruhr-Literaturpreisträger Sascha Reh schreibt mit "Naivität“
Sascha Reh, neuer Literaturpreisträger Ruhr und Autor der drei Romane „Falscher Frühling“, „Gibraltar“ und „Gegen die Zeit“, über große Vorbilder, dicke Bücher und das Revier
Von Jens Dirksen in der NRZ vom 14.11.2015:

Gegen die Zeit von Sascha Reh, 2015, SchöfflingGibraltar von Sascha Reh, 2013, SchöfflingFalscher Frühling von Sascha Reh, 2010, SchöfflingDer Schriftsteller Sascha Reh, 1974 in Duisburg geboren und heute in Berlin lebend, ist am Freitagabend im Consol Theater mit den Literaturpreis Ruhr ausgezeichnet worden – für seine drei Romane „Falscher Frühling“, „Gibraltar“ und „Gegen die Zeit“. Jens Dirksen sprach mit dem Geehrten.

Herr Reh, was ist für Sie wichtiger am Literaturpreis Ruhr: Dass die Dotierung von 10. 000 Euro Luft zum Arbeiten verschafft – oder dass er die Arbeit und das Können würdigt, die in Ihren Romanen stecken?

Sascha Reh: Das eine geht ja aus dem anderen hervor: Meine bisherige Arbeit wird für wert befunden, fortgesetzt zu werden, und dazu schafft der Literaturpreis Ruhr eine Grundlage. Das ist eine große Wertschätzung und Einladung zum Weitermachen.

Von Franzen bis zum Deutschen Buchpreisträger: Haben Sie nicht den Eindruck, dass Romane in jüngster Zeit immer dicker werden?

Sascha Reh: Ja, mein Verleger sagt auch, das liege sehr im Trend. Ich werde mich dem aber nicht anschließen. Ich halte das eher für ein schlechtes Benehmen von Schriftstellern, so wie ich es auch für schlechtes Benehmen halte, jedes Jahr ein Buch zu schreiben. Marcel Reich-Ranicki hat ja mal gesagt, für alles über 400 Seiten müsse man schon einen richtig guten Grund haben. Es ist wirklich auffällig: In dem Maße, in dem die Menschen immer weniger lesen, werden die Bücher dicker.

Für Ihre Romane sammeln Sie Unmengen von Informationen, die alle nicht weggelassen werden wollen. Wer zu viel weiß, schreibt aber schlecht. Wie gehen sie damit um?

Sascha Reh: Hm, das ist gar nicht so falsch... Ich glaube, dass man in der Tat dazu neigt, die Mühen der Recherchen im Roman abzubilden. Aber ich bin selbstkritisch, ich weiß ja, dass weniger oft mehr ist.

Wie haben Sie Schreiben gelernt?

Sascha Reh: Durch das Lesen von guten Romanen. Und durch die Beschäftigung mit Autoren, mit Tagebüchern, Briefen, Aufsätzen, Selbstzeugnissen aller Art. Ich bin schon früh ein richtiger Fan-Boy der Literatur geworden.

Von wem denn?

Sascha Reh: Kafka! Ganz früh schon. Dann kamen Max Frisch dazu und Mario Vargas Llosa, der ja auch viel über das Schreiben geschrieben hat.

Und solchen Vorbildern fühlten Sie sich gewachsen?

Sascha Reh: Sicher, es gehört auch eine gewisse Naivität dazu, das ist eigentlich sogar der Schlüssel – sonst würde man es nicht wagen, diese Kluft zu überspringen.

Würden Sie gern Ihren Brotberuf als Familientherapeut aufgeben und nur noch schreiben?

Sascha Reh: Ja – aber im Augenblick steht das nicht zur Debatte. Es müsste auch nicht sein. Die Erfahrung, täglich mit Menschen zusammenzuarbeiten und Kompromisse zu schließen, erdet ja auch, sie nordet ein. Manchmal fluche ich aber doch und hätte gern noch ein bisschen mehr Zeit zum Schreiben. Andererseits habe ich das ja mal bei Stipendien kennengelernt. Wenn du drei Monate auf dem platten Land hockst und es fällt dir nichts ein, da wird die Verlockung groß, schon früh zur Flasche zu greifen, deutlich vor 16 Uhr...

In Berlin gibt es Autoren im Tausend. Keine Angst, unterzugehen?

Sascha Reh: Ja, natürlich. Aber wenn man einmal den Fuß in der Tür hat, kann man seinen Platz finden. Und ich hab’ den Raum inzwischen auch betreten. Das hat nicht unbedingt was mit Berlin zu tun, es ist eher ein Kreis von Leuten, der könnte theoretisch auch woanders sein.

Wie blicken Sie auf das Ruhrgebiet?

Sascha Reh: Ein Stück Heimat ist da und wird es immer bleiben.

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