Ein langes Leben nah an der Zeit
Der Dortmunder Schriftsteller Josef Reding wird 80
Besprechung von Rainer Wanzelius in der Westf. Rundschau, 20.03.2009:

Man kann die Bücher von Josef Reding lesen - lauter Geschichten, die meist sehr kurze sind. „Schonzeit für Pappkameraden” zum Beispiel, „Nennt mich nicht Nigger” oder schlicht „Gutentagtexte”; die Auswahl ist groß. Man kann aber auch Josef Redings Leben lesen - ein langes Leben immer nah an der Zeit und ihren Läuften. Am Freitag, wird dieses Leben achtzig Jahre alt.

Geboren wird Reding am 20. März 1929 in Castrop-Rauxel, genauer in Habinghorst - in eine Welt der Bilder hinein. Der Vater war Filmvorführer, das hinterließ „starke Eindrücke” und den Wunsch nach eigenen Texten und Bildern. Doch die Realität war erst einmal eine andere - die des Dritten Reiches. Jugendjahre in Uniform: Jungvolk, Hitlerjugend, Panzervernichtungsbrigade, mit 16 in Kriegsgefangenschaft.

Erste Berührung mit der Arbeitswelt

1946 zurück auf die Schulbank. Doch nach dem Tod des Vaters muss er das Geld nach Hause bringen - Betonwerker, Redings erste Berührung mit der Arbeitswelt. Doch gleichzeitig schafft er es, ein Buch zu schreiben - ein Jugendbuch, „Silberspeer und Roter Reiher” (1952). Georg Bitter wird sein erster Verleger.

Ein Fulbright-Stipendium bringt ihn nach Amerika, er lebt in einer WG mit Farbigen, kehrt als Master of Arts zurück. Und als Meister der Kurzgeschichte, der vielleicht schwierigsten Textsorte überhaupt. Sie verlangt höchste Disziplin.

1955 schickt Russland die letzten 12 000 Kriegsgefangenen heim - Reding zieht es ins Lager Friedland. Aus einer Woche wird ein Jahr. Und aus seinem Buch „Friedland. Chronik der großen Heimkehr” (1956), ein Bestseller, der viele, auch späte Auflagen erzielt.

Ein Bürger des Ruhrgebiets

1959 hält Reding Vorlesungen an der Xavier-University New Orleans, das führt zu Kontakten mit der Bürgerrechtsbewegung und Martin Luther King. Aber auch zu Prügeln, die er schon mal von Weißen einstecken muss. Das Fernsehen spannt ihn ein. „Josef Reding kann Zeitgeschichte begreifbar machen”, das ist sein Ruf, davon ist er selbst überzeugt. Er berichtet - bis 1965 - aus Ostasien, Schwarzafrika, Südamerika.

1961 geschieht zweierlei. Er erhält den Rompreis - in der Villa Massimo trifft er auf Heinrich Böll und Marie Luise Kaschnitz. Erste Liga. 1961 wird er aber auch Mitglied der Dortmunder Gruppe 61. Der sich global öffnende Weltblick wird zurückgeworfen auf Ort und Region. Die Welt ist groß und nah zugleich.

Reding verhilft, nach eigener Angabe, dem Kollegen Max von der Grün zum Titel seines ersten Romans: „Männer in zweifacher Nacht”. Er zieht mit seiner Frau Rosemarie in gewollte Hanglage nach Dortmund-Benninghofen - und von dort nicht mehr weg. Er dreht einen Film „Mein Dortmund” und wird im selben Jahr „Bürger des Ruhrgebiets”. Den Dortmunder Preis „Eiserner Reinoldus” hat er bereits ein Jahr zuvor eingeheimst.

Und dann das! Eine Schule in Holzwickede gibt sich seinen Namen, Josef-Reding-Schule (1988). Aber irgendwie passt das. Wohl kein anderer Autor hat so viele Lesereisen wie Reding unternommen und dabei vor so vielen Schulklassen gestanden wie er. Aus dem Autor Reding ist auch der Pädagoge Reding geworden. Seine Botschaft: Frieden. Gleich 58 „Friedensstifter - Friedensboten” hat er in einem einzigen Band porträtiert.

Zwischen den Reisen entstehen 75 Bücher

Dass er am Freitag, an seinem Geburtstag, in Essen mit einem Ehrenpreis der C. A. Comenius-Stiftung ausgezeichnet wird, rundet das Bild ab. „Seine Wirkung bei Lesungen ist enorm”, heißt es in einem Pressetext der Stadt Dortmund, die ihn am Sonntag ehren wird (alle Plätze bereits vergeben), er behandele seine Texte wie Partituren.

Aus dem Zeitbegleiter ist längst auch ein Zeitveränderer geworden, zumindest ist das einer seiner Antriebe. 1989 taucht er in Leipzig bei den Montags-Demonstrationen auf, 1993 spricht er vor streikenden Hoescharbeitern in Dortmund. Längst ist die Zeit der großen Reden und offiziellen Reisen gekommen. Der Volksverlag hat ihn nach Peking eingeladen, in Moskau kam es zu einem ausführlichen Gespräch mit Michail Gorbatschow. Thema? Ersatzdienst.

Aber auch andere Aufgaben warteten. Von 1971 bis 1978 war er Vorsitzender des Verbandes deutscher Schriftsteller NRW, einige Jahre lang Mitglied der Gemeinsamen Synode der Diözesen der Bundesrepublik Deutschland. Und immer wieder Reisen, Lesereisen. Wie er die Zeit gefunden hat, da auch noch sage und schreibe 75 Bücher zu veröffentlichen, ist eigentlich ein Rätsel.

Reding-Freunde warten nun auf die versprochene Autobiografie.

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