Ein Herz für die Lyrik
Sie kümmert sich um die Lyrik in NRW. Die Liselotte und Walter Rauner-Stiftung arbeitet seit über zehn Jahren mit Erfolg. Eine Bilanz.
Von Werner Streletz in der WAZ vom 23.07.2010:

Am Anfang war da ein Guthaben von 100 000 DM. Angespart von der Lyrikerin Lilo Rauner und ihrem Mann Walter über viele Jahre. Was nun mit dem Geld beginnen? Klar war nur, dass damit etwas finanziert werden sollte, das der Allgemeinheit dient. „Zunächst dachten wir an das Friedensdorf in Oberhausen“, erinnert sich der Bochumer Autor Hugo Ernst Käufer, ein Freund der Eheleute Rauner.

Die ausschlaggebende Idee indessen ging in eine ganz andere Richtung. Käufer dachte daran zurück, wie lange die Poeme von Lilo Rauner ungedruckt geblieben waren, wie schwer es die Lyrik in unserer medienüberfluteten Zeit ohnehin hat. „Lilo hat ihren ersten Lyrikband erst mit 51 Jahren veröffentlicht“, erzählt Hugo Ernst Käufer. Dieses lange Warten bis zum Debütbuch wollten Lilo Rauner und Käufer angehenden und talentierten Poeten fürderhin ersparen. Und so wurde mit dem vorhandenen Stammkapital die „Liselotte- und Walter-Rauner Stiftung“ gegründet. Stiftungsziel; Die Förderung der Lyrik in NRW.

Wettbewerb ausgeschrieben

Doch wie die jungen Talente finden, deren Gedichte von der Rauner-Stiftung veröffentlicht werden würden? „Wir haben in Form eines Wettbewerbs gesucht“, erzählt Hugo Ernst Käufer, von Beginn an Vorsitzender der Stiftung. Der Wettbewerbs-Aufruf verhallte nicht ungehört: Es gibt im Lande doch wohl viele lyrische Blumen, die im Verborgenen blühen.

Gesucht war indessen nicht ein einzelnes Gedicht, sondern sogleich ein abgerundeter Gedichtzyklus, passend für den beabsichtigten Lyrikband. 1999 wurde der Wettbewerb ausgeschrieben, 2000 erschienen die ersten drei Gedichtbände von Charlotte Christoff, Irma Hildebrandt und Josef Krug. Der Düsseldorfer Grupello-Verlag brachte die je rund 70 Seiten starken Bände in sorgfältiger Edition heraus.

Sieben Schritte Leben, 2001, Lyrik-Anthologie, Grupello-VerlagSieben Schritte Leben

Das nächste Projekt suchte nach dem heutigen Standort von Lyrik in NRW: Wieder ein Wettbewerb, wieder eine Unmenge an Einsendungen. Die besten Texte wurden von einer Jury ausgewählt und in einer repräsentativen Anthologie versammelt: „Sieben Schritte Leben“, so der Titel. In der Reihe „Forum Lyrik“ erschienen danach mit Hilfe der Stiftung Gedichtbände von Thomas Vogler und Gerd Riese – neue Stimmen, ungewöhnliche Sprachfärbungen.

2005 tagte der renommierte PEN-Club in Bochum: Aus diesem Anlass suchte die Rauner-Stiftung Gedichte von Jugendlichen, von denen einige - auf Plakate gedruckt - den PEN-Club-Mitgliedern zeigen sollten, dass sich nicht nur bewährte Kämpen in Bochum für Literatur und Lyrik stark machen. „PEN-Club-Präsident Johano Strasser war von dieser Idee sehr angetan“, erzählt Hugo Ernst Käufer.

Schreiben an der Ruhr

Und selbstredend blieb die Rauner-Stiftung nicht stumm, als das Kulturhauptstadtjahr 2010 nahte. Diesmal ging der Blick über die Lyriker hinaus hin zur gesamten Literaturszene im Ruhr. Versammelt wurden die Porträts und Werkproben die 61 besten Autorinnen und Autoren aus dem Revier; das Buch „Schreiben in der Metropole Ruhr“ könnte sich zum Standardwerk entwickeln. Da in einer Stiftung ja immer nur die Zinsen des Stammkapitals ausgegeben werden dürfen, folgte nach der kostenintensiven Anthologie eine zwangläufige Pause bei den Veröffentlichungen. Doch natürlich hegt Hugo Ernst Käufer schon wieder neue Pläne. Die Lyrik hat es schwer im Lande, die Stiftung wird schon aus diesem Grund noch lange vonnöten sein.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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