Klaus M. Rarisch, Photo: Hans J. Eisel (hf0213)Klaus M. Rarisch
Da schreibt jemand großartige Gedichte, nahezu unbemerkt von einer Öffentlichkeit, die zu literarischen Kostbarkeiten keinen rechten Zugang hat.
Von Hans J. Eisel aus dem "Literarischen Rundbrief Am Zeitstrand", 10.2007:

Aber ich will nicht jammern, schließlich gibt es Robert Wohlleben, der die Arbeiten Rarischs verlegt und seit 1967 die Meiendorfer Drucke herausgibt. Mehr dazu im Internet unter www.fulgura.de.

In Rarischs Gedichten läßt es sich trefflich schmökern, sie strotzen vor Anspielungen, die den Leser zum Detektiv machen, aber vor allem macht es Spaß sie zu lesen.

Der Mann hat Humor, weiß zu leben, ist informiert und bringt die Wucht seines Könnens und seiner Person in die Sonette ein. Zum 70ten Geburtstag erschien - natürlich bei Wohlleben, er ist übrigens "nebenbei" auch Dichter - das wunderbare Buch "Um die Wurst" . Da sonettieren Rarisch und Matthias Koeppel um die Wette. Ein literarisches Ereignis, das -wie so oft- mangels "Werbung" so gut wie nicht zur Kenntnis genommen wurde.

1996 erschien "Hieb-+stichfest" als Titel einer Sammlung von Streitsonetten, die Rarisch mit Lothar Klünner produzierte. Das Buch ist leider vergriffen. Leider!

"Die Geigerzähler hören auf zu ticken" enthält 99 Sonette und einen Selbstkommentar mit allen Vorzügen dieses Dichters: Witz; Charme, Präzision, Assoziation, Dissoziation, Kontradiktion, Kommunikation und Trallalaton. Das Buch ist auch deshalb so toll, weil es ganz viel Rarisch enthält, frei nach dem Motto: ein bißchen Rarisch ist gut , mehr Rarisch ist besser, ganz viel am besten usw. Alle diese Bücher und noch viel mehr gibt es im Verlag Robert Wohlleben.

So ist das also. Ein großer Dichter lebt unter uns und erlebt wahrscheinlich nicht mehr die Anerkennung, die ihm gebührt. Ein schrecklicher Gedanke! Aber ist nicht jeder Gedanke schrecklich?

So ähnlich geht es ja auch den verstorbenen Kollegen A. Holz, W. Mehring, C. Grabbe, Platen und anderen Stiefkindern der literarischen Ahnengalerie, die in Rarisch ihren beredten Fürsprecher finden.

Die Gruppe 47 und G. Grass sind dagegen die erklärten Gegner unseres Dichters. Mit spitzer Feder bekämpft er die von ihm sogenannte Literaturmafia.

Bei einem Kenner und Könner seines Formats erfährt der Leser und Zuhörer viele unbekannte Details und eine völlig neue Sichtweise auf die Literatur der Nachkriegszeit. Mich inspiriert das und gerne denke ich an zwei (immerhin!) persönliche Begegnungen mit Klaus M. Rarisch in Berlin.

Nicht so überzeugend für mich wirkt der Plagiatsvorwurf gegenüber Grass, den ich sehr schätze, obwohl er natürlich auch schwächere Werke geschrieben hat. Aber gerade "Die Blechtrommel" markiert einen Wendepunkt in der deutschsprachigen Literatur nach dem 2. Weltkrieg.

Auch politisch hat Grass Fehler gemacht, aber im Vergleich zu seinen Verdiensten erscheint mir das von untergeordneter Bedeutung. Hier gehen unsere Meinungen auseinander, aber ich will das nicht weiter ausführen, weil es nicht wirklich wichtig ist, sondern Platz machen für Rarischs Gedichte, die einen kleinen Einblick in sein Schaffen zeigen. Ich bedanke mich bei Robert Wohlleben für die freundliche Abdruckgenehmigung der Gedichte "Nur eine Rose als Stütze" und "Entscheidung gegen mich", zuerst erschienen in "Entferntere Nirwanen - Sonette aus der Tonne" Meiendorfer Druck Nr. 60, Hamburg, 2007.

Es ist nun schon einige Zeit her, dass wir Klaus M. Rarisch für den jährlich verliehenen Büchnerpreis vorgeschlagen haben. Das war damals eine gute Idee und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Also: den Büchnerpreis für Klaus M. Rarisch !

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.rezensionenwelt.de]

Leseprobe I Buchbestellung 0513 LYRIKwelt - das LiteraturPortal im Internet! © Mit freundlicher Erlaubnis von Hans J. Eisel