Julya Rabinowich, 2009, ©Foto: Marko Lipus

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35. Bachmann-Preis: "Gemetzel am See"
Die drei österreichischen Autoren Julya Rabinowich, Maja Haderlap und Daniel Wisser wettlesen beim 35. Bachmann-Preis in Klagenfurt.
Von Peter Pisa aus Kurier, Wien, vom 26.05.2011:

Sie ist froh, dass sie kürzlich während einer Lesereise das Kolosseum in Rom besucht hat: "Man ist der Arena ausgeliefert ..." Eine gute Vorbereitung für Klagenfurt.
Julya Rabinowich, 1977 von Russland nach Wien emigriert, gehört zu den drei österreichischen Autoren, die ab 6. Juli um den 35. Bachmann-Preis wettlesen werden.
Auch die ehemalige Chefdramaturgin des Klagenfurter Stadttheaters Maja Haderlap ist dabei. Sie ist als Lyrikerin aufgefallen. Und der ebenfalls aus Kärnten stammende Daniel Wisser, der das Erste Wiener Heimorgelorchester mitbegründet hat.

Herznovelle von Julya Rabinowich, 2011, DeutickeHerznovelle

Julya Rabinowich hat mehrere Stücke fürs Volkstheater geschrieben (etwa "Auftauchen. Eine Bestandsaufnahme"). Anfang des Jahres erschien bei Deuticke ihre viel beachtete "Herznovelle": Eine Frau packt ihre Koffer, sie muss ins Spital. Herzrhythmusstörungen. Der Eingriff geht gut, sie ist bald wieder daheim. Aber sie ist anders. Sie ist sich bewusst geworden, dass sie für Ehemann Bernhard nicht mehr bedeutet als ein Haustier.
Sie träumt vom Arzt, der sie operiert hat - weil sie sich einbildet, der habe ihr Herz berührt und müsse ihr deshalb viel näher stehen. Den verfolgt sie und wird zur Stalkerin.
Kleine, triste Geschichte, große Wirkung. Einfache Sätze, die viel sagen. Chirurgie mit Wörtern.

Die "Tage der deutschsprachigen Literatur" hat Julya Rabinowich immer als "Gemetzel am See" betrachtet. "Das hatte für mich immer etwa Tolkien-artiges. Einerseits heldenhaft, andererseits sehr wahrscheinlich zum Untergang verurteilt. Großes Schlachtfeld, schöne Landschaft als Kulisse, man weiß lange nicht, wer Freund und wer Feind ist."
Im KURIER-Gespräch sieht sie sich durch ihre Nominierung zurückversetzt in jene Zeit, als sie sieben war und auf dem Dreimeterbrett gestanden ist: "Umkehren zwecklos, Bauchfleck droht, und alle sehen bei dem hehren Auftritt eines Gladiators zu."

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